Technik

Apple plant bunte Plastik-iPhones

Der Konzern erwägt die Produktion von größeren und billigeren Handys, um wieder zu Samsung aufzuschließen

Der Smartphone-Pionier Apple wird womöglich Erfolgsrezepten seines Erzrivalen Samsungs nacheifern. Insiderinformationen zufolge spielt das Apple-Management mit dem Gedanken, zusätzlich zu den bisherigen iPhones im Hochpreis-Segment auch größere und außerdem billigere iPhones auf den Markt zu bringen. Die Modelle könnten binnen eines Jahres eingeführt werden, entschieden sei dies aber noch nicht, will die Nachrichtenagentur Reuters erfahren haben.

Diskutiert wird demnach ein echter Stilbruch. Künftig könnte es auch buntfarbene iPhones geben. Um die Günstigversion mit Plastikgehäuse von den traditionell weißen oder schwarzen Standardgeräten abzuheben, würde sie in fünf bis sechs unterschiedlichen Farben angeboten. Die Angaben sind von Apple allerdings nicht bestätigt. Das Unternehmen behält sich traditionell alle Angaben bis zur offiziellen Präsentation vor. Im Gespräch ist ein Preis von 99 Dollar. Das günstigste iPhone 5 kostet derzeit mehr als das Sechsfache: 649 Dollar.

Ferner seien Zulieferer in Asien bereits über Überlegungen informiert worden, größere Bildschirme zu benutzen, hieß es in den Insider-Kreisen. Im Gespräch seien Modelle mit Durchmessern von 4,7 und 5,7 Zoll. Auch diese Angaben bestätigte Apple nicht. Lange Zeit setzte Apple auf 3,5-Zoll-Geräte, die der verstorbene legendäre Firmenmitgründer Steve Jobs als „perfekte Größe für die Verbraucher“ bezeichnet hatte. Erst mit dem im September eingeführten iPhone 5 mit seinen 4,0 Zoll rückte der Konzern von dieser Maßgabe ab. Zum Vergleich: Samsung bietet in seiner stark gefragten Galaxy-Palette auch 5,0- und 5,5-Zoll-Geräte an. In der Branche heißen sie „Phablets“, da diese Groß-Smartphones bereits den Tablet-Computern nahe kommen.

Der Siegeszug der größeren Bildschirme hängt damit zusammen, dass die Kunden ihre Geräte vermehrt zum Internetsurfen benutzen. Samsung verstand es, die Branche mit einer Vielfalt unterschiedlich großer und teurer Geräte aufzurollen. Der Konzern aus Südkorea konnte damit seine Marktanteile massiv ausweiten und den US-Konkurrenten als bisherigen Primus überholen. Mit dem vermuteten Vergrößern des Displays zeigt Apple, wie ernst das Unternehmen den Konkurrenzdruck durch den koreanischen Hersteller Samsung nimmt.

Analysten drängen Apple zudem dazu, günstigere iPhones in den Handel zu bringen, um in Nierdriglohnländern und Wachstumsmärkten wie China und Indien mehr Kunden zu gewinnen. Kritiker werfen dem Unternehmen mit Sitz in Cupertino im US-Bundesstaat Kalifornien vor, seit dem Tode von Jobs im Jahr 2011 an Innovationskraft eingebüßt zu haben. Es reiche nicht mehr aus, nur ein neues Smartphone-Modell im Jahr vorzustellen. Die Firma schrieb im vergangenen Jahr zwar Rekordzahlen, doch das Wachstum des Umsatzes hat sich in den vergangenen Jahren abgeschwächt. Damit enttäuschte Apple die Wachstumsfantasien der Börsenanalysten. Das aktuelle iPhone 5 ist offenbar nicht attraktiv genug, um die Aufholjagd von Samsung zu bremsen. Apple-Chef Tim Cook hat deshalb einen Erfolg nötig.

Auch auf der Entwicklerkonferenz diese Woche konnte Apple keine grundlegenden technologischen Neuheiten präsentieren. Cook kündigte zwar ein neues Betriebssystem für iPhone und iPad an. Er präsentierte zudem einen Musik-Streamingdienst. Doch die wirklichen Verkaufsschlager fehlten. Sie sollen frühestens im Herbst kommen.