Medizin

Arzneimittelgesetz spart Krankenkassen 120 Millionen Euro

Ein Jahr ist es her, dass zum ersten Mal der Preis eines neuen Medikaments zwischen den Krankenkassen und dem Hersteller ausgehandelt wurde. Faktisch wurde damit das Preismonopol der Pharmafirmen gebrochen: Bis dahin konnten sie für neue Medikamente jeden Preis verlangen – die Krankenkassen mussten erstatten. Mit dem Arzneimittelgesetz Amnog hat die schwarz-gelbe Regierung dies geändert. Pharmafirmen müssen seitdem den Zusatznutzen neuer Medikamente belegen, danach verhandeln Hersteller und Krankenkassen über den Preis. Kann der Hersteller nicht nachweisen, dass sein Medikament mehr bringt als herkömmliche Arzneimittel, wird auch nur der Preis der vergleichbaren Medikamente bezahlt.

Die Krankenkassen ziehen nun eine positive Bilanz der Neuregelung. Inzwischen wurden 20 Erstattungsbeträge verhandelt, über weitere zehn Medikamente wird noch gesprochen. „Mit diesem Gesetz wird bei den neuen Medikamenten die Spreu vom Weizen getrennt“, lobte Johann-Magnus von Stackelberg, Vizechef des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV). Für neue Arzneimittel mit einem Zusatznutzen für die Patienten würden die Pharmaunternehmen auch künftig deutlich mehr Geld erhalten, erklärte von Stackelberg. „Aber Schein-Innovationen, also neue Arzneimittel ohne Zusatznutzen für kranke Menschen, werden dank dieses Gesetzes nicht mehr besser bezahlt als die zweckmäßige Vergleichstherapie.“

Die Krankenkassen beziffern die Einsparungen durch das neue Gesetz für 2012 und 2013 auf insgesamt rund 120 Millionen Euro – deutlich weniger als ursprünglich erwartet. Die Bundesregierung hatte auf Einsparungen von zwei Milliarden Euro gehofft. Das Einsparvolumen werde aber in den nächsten Jahren mit dem wachsenden Umsatzvolumen der neuen Medikamente steigen, versichern die Kassen. Denn die Innovationen stünden erst am Beginn ihres „ökonomischen Lebenszyklus’“.

Produkt zurückgezogen

Allerdings sind nicht alle mit der Regelung zufrieden: Vier Pharmafirmen zogen ihr Produkt vom deutschen Markt zurück, nachdem der zuständige Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) ihren Medikamenten keinen Zusatznutzen zubilligen wollte. Für die Versorgung der Patienten in Deutschland sei dies unerheblich, versichert der GKV-Spitzenverband. Denn da kein Zusatznutzen belegt sei, gebe es ausreichend verfügbare Alternativen.

Als Zusatznutzen definiert die Arzneimittel-Nutzenbewertungsverordnung eine Verbesserung des Gesundheitszustandes, eine Verkürzung der Krankheitsdauer, eine Verlängerung des Überlebens, aber auch geringere Nebenwirkungen und eine bessere Lebensqualität. Nach einer Auswertung des G-BA wurde allerdings nur in sieben Fällen ein beträchtlicher Zusatznutzen bescheinigt, in 14 nur ein geringer. Ein „erheblicher Zusatznutzen“ – die höchste Kategorie wurde bislang keinem neuen Medikament zugebilligt.

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland fast 30 Milliarden Euro für Arzneimittel ausgegeben, die Kassen beziffern die Ausgaben auf 565 Euro im Jahr je Mitglied.