Soziale Frage

Die Reichen werden wieder reicher

680 Haushalte in Deutschland besitzen mehr als 100 Millionen Dollar – bevorzugt angelegt in der Schweiz

Sie sind als Schwarzgeldoasen verschrien, erfreuen sich aber trotz aller Diskussionen um mehr Steuerehrlichkeit weiterhin großer Beliebtheit bei Privatanlegern. Die Vermögenswerte von Ausländern in der Schweiz, Singapur, auf den Kanalinseln oder in der Karibik nahmen im vergangenen Jahr um 6,1 Prozent auf 8,5 Billionen Dollar zu. Das geht aus dem Global Wealth Report der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) hervor. Demnach haben die Wohlhabenden jeden 15. Dollar außerhalb ihres Heimatlandes deponiert.

Bis zum Jahr 2017 werde das in solchen Ländern angelegte Vermögen, in denen der Eigentümer keinen gesetzlichen oder steuerlichen Wohnsitz hat, weiter auf 11,2 Billionen Dollar steigen, schätzen die BCG-Experten. Damit gehen sie trotz des zunehmenden politischen Drucks auf Steuerhinterzieher nicht davon aus, dass das Ausland unattraktiver für die Lagerung von Bargeld und anderen Wertpapieren wird.

„Offshore-Zentren werden ihre Anziehungskraft behalten, weil viele Wohlhabende ihr Vermögen weltweit streuen wollen und dabei auf eine hohe Expertise, Diskretion und stabile wirtschaftliche und politische Verhältnisse vor Ort angewiesen sind“, so die Studienautoren. Gleichwohl müssten diese Länder gerade gegenüber den USA und Europa mehr denn je deutlich machen, dass sie auf Transparenz Wert legen. Beispiel Singapur: Der Stadtstaat versucht, sich über diverse Steuerabkommen als vertrauenswürdiger Partner zu positionieren. In der Schweiz fordern sogar einige Banken ihre Kunden auf, sich gegenüber den heimischen Steuerbehörden zu erklären, sonst werde ihr Konto geschlossen.

Doch nicht nur in den Offshore-Zentren hat der Reichtum zugenommen. Weltweit stieg das Vermögen 2012 um 7,8 Prozent auf 135,5 Billionen Dollar. Damit hat sich die Spirale beschleunigt. 2010 lag der Zuwachs bei 7,3 Prozent, 2011 bei 3,6 Prozent. Grund ist die Erholung der Aktienmärkte in der zweiten Jahreshälfte.

Dadurch wuchs auch in Deutschland das verwaltete Vermögen von Privatanlegern um 6,2 Prozent auf 6,7 Billionen Dollar. Das bedeutet Platz fünf in der Weltrangliste – hinter Großbritannien, China, Japan und den USA. Bei der Zahl der Millionärshaushalte (Dollarmillionen) belegt Deutschland mit 362.000 unverändert den siebten Rang. Die weltweit größte Millionärsdichte gibt es in Katar – 143 von 1000 Haushalte verfügen dort über mindestens eine Million Dollar. Es folgen die Schweiz (116), Kuwait (115), Hongkong (94) und Singapur (82). Die Superreichen mit mehr als 100 Millionen Dollar Vermögen fühlen sich in Hongkong, der Schweiz und überraschend auch in Österreich besonders wohl.

In naher Zukunft werden laut BCG-Experten noch stärker als bislang die Märkte der „neuen Welt“ das Kommando in der Reichenliste übernehmen. Länder in Asien, Osteuropa und Lateinamerika seien in den kommenden fünf Jahren für rund 70 Prozent des weltweiten Vermögenswachstums verantwortlich. Wer bereits richtig reich ist, wird sich aber auch in der „alten Welt“ kaum Sorgen machen müssen, so die Studie: „Die Reichen werden immer reicher.“ Wer über Wertpapiere und Bargeld zwischen fünf und 100 Millionen Dollar verfügt, kann sich bis 2017 auf jährliche Wachstumsraten von 8,0 Prozent einstellen, wer noch mehr als 100 Millionen Dollar hat, sogar auf 9,2 Prozent. Die Wachstumsschätzungen für das Gesamtvermögen weltweit liegen bei 4,8 Prozent.