Wirtschaft

Mehr Jobs für Europas Jugendliche

Berlin und Paris entwickeln Plan gegen große Arbeitslosigkeit junger Menschen

Man muss dem Investor Nicolas Berggruen zugestehen, dass ihm etwas gelungen ist, was den Spitzen der europäischen Politik allein bislang nicht so recht glücken wollte: Er hat mit seiner Stiftung, dem Berggruen Institute for Governance, ein Problem identifiziert und wichtige Politiker zusammengebracht, um es in Angriff zu nehmen. Das Problem heißt Jugendarbeitslosigkeit und peinigt weite Teile Europas. Am Dienstag lud Berggruen in die renommierte Pariser Politikhochschule SciencePo ein. Die Gästeliste war hochkarätig. Angeführt wurde sie vom französischen Präsidenten François Hollande. Aus Berlin waren Finanzminister Wolfgang Schäuble und Arbeitsministerin Ursula von der Leyen angereist. Gemeinsam wollen die Bundesregierung und die französische Regierung nun ein europäisches Programm zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit auf den Weg bringen, für das bereits der griffige Name „New Deal for Europe“ kursiert.

Grundlinien des zu erwartenden Maßnahmenkatalogs präsentierte Hollande auf der Pariser Tagung, die unter dem Motto „Europa – Die nächsten Etappen“ stand. Europa sei derzeit nicht glücklich, es hinterfrage sich und zweifele, sagte Hollande. Angesichts sechs Millionen junger Arbeitsloser und insgesamt 14 Millionen Jugendlichen ohne festen Ausbildungs- oder Beschäftigungsvertrag in der EU „müssen wir dringend handeln“, sagte Hollande. Die Krisengeneration werde die Politik zur Verantwortung ziehen, warnte der französische Präsident und verwies auf einen drohenden, massiven Vertrauensverlust.

Für die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit solle nun zunächst die im Europäischen Stabilitäts- und Wachstumspaket dafür bereits vorgesehene Summe von sechs Milliarden Euro mobilisiert werden, erklärte Hollande. Zudem soll der Europäische Rat bei seinem nächsten Treffen im Juni eine „Garantie für die Jugend“ auf den Weg bringen. In Zusammenarbeit mit der Wirtschaft soll so gewährleistet werden, dass Nachwuchskräfte, die länger als vier Monate keine Arbeit finden, eine Ausbildungsstelle oder Weiterbildungsmaßnahme erhalten. Im Wesentlichen soll der Aufschwung am Jugendarbeitsmarkt durch drei Faktoren bewirkt werden: Kleine und mittlere Betriebe sollen auch mithilfe der Europäischen Investitionsbank leichter Zugang zu Krediten erhalten und so in die Lage versetzt werden, Arbeitsplätze zu schaffen. Zudem soll die Berufsausbildung verbessert werden. Das System, das Hollande dabei vorschwebt, die sogenannte „alternance“, orientiert sich am in Deutschland etablierten dualen System. Außerdem soll es für junge europäische Arbeitsuchende einfacher werden, im EU-Ausland eine Stelle zu finden.

Hollande regte zudem die Einrichtung einer Art von Erasmus-Programm für Auszubildende an. Derartige Austauschprogramme existieren bislang nur für Studenten. Viele dieser Maßnahmen seien im Rahmen des Wachstumspaktes beschlossen worden und müssten nun zügig umgesetzt werden, sagte der französische Präsident. Die Finanzierung soll auch über bislang ungenutzte Gelder aus europäischen Strukturfonds erfolgen.