Datenreport

Berlinerinnen verdienen 726 Euro weniger

Der Unterschied hat vor allem mit Teilzeit und Minijobs zu tun. Die Zahl der Frauen im Beruf steigt

Die Einkommenssituation ist für Männer in Berlin nach wie vor deutlich besser als für Frauen. So ist es im neuen Gender Datenreport Berlin zu lesen, den die Frauensenatsverwaltung gemeinsam mit dem Amt für Statistik Berlin-Brandenburg veröffentlicht hat. Im Durchschnitt verdienten Frauen in Berlin dabei knapp 15 Prozent weniger pro Stunde als Männer (Bundesdurchschnitt: 22 Prozent). 2010 betrug die Lohnlücke noch 15,3 Prozent. Auch absolut gab es große Unterschiede: Sozialversicherungspflichtig beschäftigte Frauen verdienten 2011 durchschnittlich 2512 Euro brutto im Monat, Männer 3238 Euro. Die Differenz hat unter anderem auch damit zu tun, dass Frauen viel in Teilzeit und als Minijobber arbeiten und entsprechend weniger verdienen.

Grundsätzlich galt: In niedrigeren Einkommensgruppen ist dem Report zufolge der Anteil der Frauen höher. Danach erhielten 37,4 Prozent der erwerbstätigen Frauen 2011 ein monatliches Nettoeinkommen von maximal 1100 Euro. Unter den erwerbstätigen Männern waren es nur 28,4 Prozent. Bei den Männern ist der Anteil gegenüber 2010 gesunken, bei den Frauen dagegen gleich geblieben. Höhere Nettoeinkommen von mehr als 2000 Euro bekam fast jeder dritte Mann (30,9 Prozent) und nur jede fünfte Frau (19 Prozent).

In den mittleren Altersgruppen (35 bis 55 Jahre) hatten 47,2 Prozent der Männer, aber nur 36,5 Prozent der Frauen monatlich ein Nettoeinkommen von mehr als 1500 Euro. Mit zunehmendem Alter vergrößert sich die Einkommensdifferenz zwischen den Geschlechtern. In der Altersgruppe der über 55-Jährigen befanden sich rund 40 Prozent der männlichen und etwa 25 Prozent der weiblichen Bevölkerung in dieser Einkommenskategorie.

Insgesamt wächst die Zahl der berufstätigen Frauen in Berlin: 2011 waren rund zwei Drittel der Berlinerinnen erwerbstätig, nach 63,5 Prozent im Vorjahr. Allerdings kommt der Zuwachs zum großen Teil durch befristete Verträge und ein Plus bei Mini-Jobs und Teilzeitarbeit zustande. „Ich bin mit dem Gesamtergebnis zufrieden“, sagte Frauensenatorin Dilek Kolat (SPD). Viele Maßnahmen würden greifen. „Aber es bleibt viel zu tun.“

Mittlerweile arbeiten rund 32 Prozent der sozialversicherten Frauen in Teilzeit (2010: 31 Prozent). Daneben stieg auch der Anteil der Minijobberinnen – von den insgesamt 133.000 Berlinern, die 2011 geringfügig beschäftigt waren (125.000), waren 54 Prozent Frauen. Mit befristeten Verträgen arbeiteten 13,5 Prozent der weiblichen Beschäftigten.

Fast 22 Prozent der Frauen in Teilzeitbeschäftigung gaben 2011 an, keine Vollzeitstelle gefunden zu haben. Unter den Männern waren es sogar 32,6 Prozent. Allerdings ist dies bei beiden Geschlechtern ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahr. Der klassische Grund für Teilzeitarbeit, die Kinderbetreuung oder Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger spielte 2011 in Berlin nur eine untergeordnete Rolle. 12,9 Prozent der Frauen und 3,3 Prozent der Männer begründeten ihre Teilzeit mit persönlichen oder familiären Verpflichtungen.

Die Datenreport zeigt zugleich, dass sich die Karrierechancen für Frauen an den Hochschulen verbessert haben. Die Hälfte der Studienanfänger sind Frauen, ihr Anteil unter den Promovierten stieg von 47 auf 49 Prozent, bei den Juniorprofessuren von 54 auf 56 Prozent. „Bei den Professuren insgesamt steht Berlin mit einem Anteil von rund 30 Prozent mit an der Spitze der Bundesländer“, betonte Kolat. Im Bundesdurchschnitt sind es nur knapp 20 Prozent.