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Paketdienste werfen Post Dumpingpreise vor

Der Konzern sieht keine Fehler in seiner Strategie. Die Branche wächst dank Online-Handel kräftig

Der Ton zwischen den privaten Paketdiensten und der Deutschen Post wird härter. Grund dafür sind angeblich Quersubventionen zwischen Briefversand und Paketzustellung. „Die Deutsche Post nutzt die hohen Margen im Briefbereich, wo es kaum Konkurrenz gibt, um die Paketbeförderung im Internethandel zu nicht kostendeckenden Preisen anzubieten“, behauptet Gunnar Uldall, Präsident des Bundesverbandes Internationaler Express- und Kurierdienste. Die Bundesnetzagentur hatte der Deutschen Post zugestanden, das Porto für den Standardbrief zum Jahresanfang um drei Cent auf 58 Cent für den Standardbrief zu erhöhen.

Es sei dringend an der Zeit, fordert Lobbyist Uldall, diese Wettbewerbsverzerrung zu beenden. „Millionen Kunden zahlen ein höheres Briefporto, um die Dumping-Strategie der Post zu finanzieren.“ Es sei es schwierig, Einblick in die Kostenrechnung der Post zu bekommen und die Kostenverteilung zwischen der Brief- und der Paketzustellung zu durchschauen. Immer wieder gebe es jedoch den Vorwurf, die Post biete Geschäftskunden Vorteile in einem Zustellgeschäft bei Vertragsabschluss im anderen Versandgeschäft an. „Die Preisstrategie von Deutschen Post und DHL für die Paketbeförderung im Internethandel läuft auf einen Verdrängung des Wettbewerbs hinaus“, meint Verbandschef Uldall. Die Post bestreitet die Vorwürfe und verweist auf ältere Untersuchungen der Netzagentur wie auch des Kartellamtes, die beide keine Verstöße entdeckten.

In dieser Woche will das Bundeskabinett ein neues Postgesetz auf den Weg bringen. Darin ist geplant, dass die Post in Zukunft ihre Großkundenpreise der zuständigen Bundesnetzagentur zur Prüfung vorlegen muss. Dies würde aus Sicht der privaten Konkurrenten einen Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung der Post verhindern – zumindest erschweren. Heute können die Konkurrenten sich erst bei der Netzagentur beschweren, wenn die Preise eingeführt sind und Dumpingverdacht besteht.

Im Briefversand ist die Post mit einem Marktanteil von 90 Prozent vier Jahre nach der Marktöffnung noch der dominierende Anbieter. Im Paketversand kommt die Post auf rund 50 Prozent Marktanteil, der Rest verteilt sich auf Paketdienste wie UPS, DPD, Hermes und GLS sowie viele kleine Kurierdienste.

Die Branche gehört derzeit zu den Wachstumsbereichen der deutschen Wirtschaft. Vergangenes Jahr verschickten die Kurier-, Express- und Paketfirmen rund 3,5 Prozent mehr oder 2,6 Milliarden Sendungen in Deutschland oder aus dem Land heraus. Die Zuversicht der Firmen ist groß: Bereits 2016 soll einer Branchenstudie zufolge die Grenze von drei Milliarden Sendungen überschritten werden. Der Branchenumsatz stieg 2012 um 3,7 Prozent auf 15,5 Milliarden Euro. Der Rest der Logistikbranche wuchs um 2,8 Prozent, der reine Güterverkehr um zwei Prozent. Die Paketbranche steht mittlerweile für rund ein Prozent der gesamten deutschen Wirtschaftsleistung. Mehr als 190.000 Beschäftigte arbeiten direkt bei den Firmen. Rechnet man fremd vergebene Dienstleistungen hinzu, sind es etwa doppelt so viele.

Treiber des Wachstums ist vor allem der Onlinehandel: 52 Prozent der Pakete werden an private Adressen geschickt. Vor vier Jahren lag dieser Anteil noch bei 45 Prozent, damals dominierte noch der Versand zwischen Geschäftsadressen. Für das laufende Jahr erwartet der Verband ein Plus von gut drei Prozent sowohl bei der Sendungsmenge als auch beim Umsatz. Der durchschnittliche Preis je Paketversand ist in den vergangenen vier Jahren mit rund sechs Euro etwa gleich hoch geblieben.

Ein Problem bedrängt die Paketversender jedoch: Sie bekommen kaum mehr Fahrer. Uldall sagt, der Engpass beim Personal werde immer größer, die Firmen müssten dringend ihr Ansehen verbessern und mehr für den Fahrernachwuchs unternehmen.