Steuern

Berliner Forscher: Deutsche Unternehmen rechnen sich arm

Deutsche Konzerne rechnen sich offenbar systematisch arm, um Steuern zu vermeiden.

Die Unternehmen hierzulande verringern ihre Gewinne jährlich kreativ um 90 Milliarden Euro – und sparen so Milliarden an Steuern, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin ermittelt hat. Die Forscher verglichen für 2008 die nachgewiesenen Profite der Kapital- und Personengesellschaften mit den steuerlich erfassten Gewinnen und fanden eine Lücke von 90 Milliarden Euro. „Sollte die Schätzung stimmen, zahlen die deutschen Unternehmen nur etwa 21 Prozent Steuern auf ihre Gewinne, deutlich weniger als vom Gesetzgeber vorgesehen“, sagt DIW-Steuerexperte Stefan Bach. Auffällig sei etwa das hohe Niveau an steuerlichen Verlusten und Verlustvorträgen. „Dies deutet auf Steuerbefreiungen, Steuervergünstigungen oder Gestaltungsmöglichkeiten hin, die systematisch zu deutlich reduzierten Besteuerungsgrundlagen führen.“

Bereits 2009 hatte das DIW ähnliche Zahlen veröffentlicht und eine Debatte unter Ökonomen ausgelöst. Damals hatte die Lücke zwischen nachgewiesenen und erfassten Gewinnen 100 Milliarden Euro betragen. Forscher des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) griffen die Studie damals scharf an und kamen zu maximal 30 Milliarden Euro Gewinnverlagerung. Auch jetzt gibt es wieder Kritik am DIW. „Man muss diese Zahlen mit Vorsicht genießen“, sagt Ralph Brügelmann, Steuerexperte am Institut der deutschen Wirschaft Köln (IW). In die herangezogene Statistik fließe alles ein, was man nicht erklären könne. Die Buchungssystematik in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und im Steuerrecht, die miteinander verglichen würden, seien nicht identisch. So seien die Abschreibungsregeln unterschiedlich. Bach gibt Schätzfehler zu. „Wir sind bei unseren Untersuchungen jedoch auf eine dauerhafte Besteuerungslücke gestoßen“, sagt er.