Kommentar

Die Krämer in Weiß

Stefan von Borstel über besondere Einnahmen der Ärzte

Ärzte sind keine Kaufleute, hatte Ärztepräsident Frank-Ulrich Montgomery 2012 mit Blick auf das steigende Angebot von Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) gemahnt. Ärzte sollten unaufdringlich beraten und ihren Patienten keine Leistungen aufzwingen. Die Bundesärztekammer gab einen Ratgeber zum richtigen Umgang mit IGeL heraus. Doch die Mahnung verhallte offenbar ungehört. Immer mehr Patienten beklagen sich über aggressives Verkaufen in den Praxen, Verbraucherschützer bemängeln fehlende Transparenz bei den Angeboten.

Die Lösung des Problems kann aber nicht sein, IGeL grundsätzlich zu verbieten. Warum soll der mündige Patient in Zeiten eines steigenden Gesundheitsbewusstseins nicht Leistungen in Anspruch nehmen, die über den Katalog der gesetzlichen Krankenversicherung hinausgehen? Auch wenn eine Leistung medizinisch nicht bei jedem Patienten notwendig ist, kann sie im Einzelfall durchaus sinnvoll sein. Zudem haben es IGeL, wie etwa die Akupunktur in bestimmten Fällen, in den gesetzlichen Katalog geschafft. Dies zeigt, dass IGeL nicht per se unseriös, nutzlos, ja schädlich sind, wie die Krankenkassen gern behaupten.

Es darf aber nicht sein, dass Mediziner hilflosen oder leichtgläubigen Patienten Leistungen aufschwatzen. Vielleicht wäre es doch eine gute Idee, eine Wartezeit von 24 Stunden zwischen Angebot und Inanspruchnahme einer Selbstzahlerleistung einzuführen. Der Patient hätte dann Bedenkzeit, könnte sich weitere Informationen oder eine zweite Meinung einholen. Auf jeden Fall liefe dann die Überrumpelungstaktik, die in manchen Praxen angewandt wird, ins Leere.