Mobilität

Elektroautos ohne Energie

Konferenz in Berlin: Um die ehrgeizigen Ziele von Bund und Industrie ist es schlecht bestellt

An diesem Montagmorgen verzichtet Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) auf die große Dienstlimousine. Er wird in eine bescheidene Mercedes B-Klasse mit Brennstoffzelle steigen und damit am Berliner Congress Center nahe des Alexanderplatzes vorfahren. Dort erwarten ihn Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), jede Menge Kabinettskollegen, ausländische Spitzenpolitiker und zahlreiche Topmanager. Es geht auf dieser hochkarätig besetzen Konferenz darum, das Elektroauto zu feiern. Offiziell heißt es, man wolle „Impulse setzen“ für die Stromer. Das ist dringend nötig.

Derzeit besteht schlicht keine Nachfrage nach Stromautos. E-Mobile kosten noch viele Jahre mehr und können weniger als vergleichbare Modelle mit Verbrennungsmotor. Aber bei der kommenden Generation von Automobilen wird es weniger um Freude am Fahren gehen, sondern um Umweltschutz. Ohne E-Autos kann die Bundesregierung ihre ehrgeizigen Klimaziele und die deutsche Automobilindustrie die immer schärfen Auflagen zur Begrenzung des Schadstoffausstoßes nicht erreichen. Und so setzt Deutschland voll auf Elektromobilität, während andere Ländern bremsen.

Die Konferenzteilnehmer werden sich reichlich winden müssen, um das deutsche E-Autoprogramm, gebündelt in der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE), als Erfolg verkaufen zu können. Noch ist wenig davon zu sehen, dass Deutschland nach erklärtem Ziel von Politik und Wirtschaft schon bald „weltweiter Leitmarkt für Elektromobilität“ sein soll. Im vergangenen Jahr wurden hierzulande 3438 Elektroautos und Plug-in-Hybride – also Modelle mit Verbrennungs- und Elektromotor samt Batterie, die am Netz geladen werden kann – verkauft. Damit haben E-Autos einen Marktanteil von 0,11 Prozent, das ist nicht nur verschwindend gering, sondern hinkt den ebenfalls überschaubaren Zahlen in Japan, Frankreich oder den USA deutlich hinterher. Und der große Sprung nach vorn ist nicht zu erwarten.

Dass sich die Kunden bislang nicht für E-Autos interessieren, verwundert nicht. Das Angebot ist gering, deutsche Hersteller waren lange gar nicht im Rennen. Was bisher an Stromern angeboten wird, ist teuer, winzig und vom Design her betulich. Und ein flächendeckendes Netz mit Lademöglichkeiten fehlt weiter völlig. Immerhin sind inzwischen auch von den Autokonzernen aus Deutschland hierzulande zwölf Modelle im Angebot. Trotzdem wurden in den ersten vier Monaten 2013 bundesweit nur 1509 Elektroautos neu zugelassen. „Selbst unter Berücksichtigung des neuen BMW i3 werden es im Gesamtjahr nicht mehr als 3700 Elektroautos werden“, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer voraus.

Traurige Bilanz

„Sechs Jahre nachdem die Bundesregierung mit ihrem ‚Integrierten Klimaprogramm’ die Förderung der Elektromobilität zum entscheidenden Baustein der Umweltschutzziele erklärt habt, ist die Bilanz traurig“, sagt Dudenhöffer. „Ende des Jahres wird der Marktanteil an E-Autos in Deutschland rund 0,13 Prozent betragen. Das ist weniger als die Nische in der Nische“, spottet er.

Selbst Vorkämpfer dämpfen die Erwartungen. Dass bis 2020 eine Million E-Autos auf deutschen Straßen unterwegs sind, wie es sich die Bundesregierung vorgenommen hat, sei eher unwahrscheinlich, bekannte unlängst NPE-Chef Henning Kagermann. Es werde wohl eher auf 600.000 Stück hinauslaufen. Der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, schaltet ebenfalls runter: „Wenn wir das Ziel ein oder zwei Jahre später erreichen, wäre das kein Beinbruch.“ Und selbst, wenn es erreicht würde: „Eine Million E-Autos macht beim derzeitigen Pkw-Bestand gerade mal zwei Prozent aus, das ist ein Anfang, nicht mehr“, heißt es in der Bundesregierung.

Dabei haben die Bundesregierung und vor allem die deutsche Automobilindustrie keine Zeit mehr zu verlieren. Bis zum Jahr 2020 dürfen nach den Vorgaben der EU-Kommission neu gebaute Pkw durchschnittlich nur noch 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Das entspräche einem Verbrauch von 3,9 Litern pro hundert Kilometern, und die Brüsseler arbeiten bereits an viel schärferen Vorgaben. Das stellt gerade die deutschen Autobauer, die bekanntermaßen vor allem mit hochmotorisierten Oberklassemodellen erfolgreich sind, vor große Probleme. Nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) für Deutschland betrug 2012 er durchschnittliche CO2-Ausstoß aller Pkw 141,8 Gramm pro Kilometer. Ohne klimaneutrale Stromer wird es vor allem BMW, Mercedes und selbst Volkswagen nicht gelingen, die EU-Auflagen zu erfüllen.