Start-Up

Einer für alle

In Berlin startet am Montag „GoEuro“, ein Portal zum Preis- und Zeitvergleich von Flug-, Bahn- und Busverbindungen

Die Idee für die Plattform „GoEuro“ hatte Naren Shaam während einer Europareise im Jahr 2010. Der Student der Elite-Universität Harvard im US-Bundesstaat Massachusetts reiste durch 14 europäische Länder. „Es war sehr schwierig, das günstigste Verkehrsmittel zu finden, um von einer Stadt in die andere zu kommen, vor allem mit Bus und Bahn“, sagt er. Das soll sich jetzt ändern. An diesem Montag geht „GoEuro“ an den Start. Mit der Internetplattform aus Berlin beginnt eine neue Generation von Reise-Apps. Sie findet die schnellste und billigste Verbindung zwischen Städten – durch die Kombination von Bus-, Bahn- und Flugreisen – zunächst für Deutschland und Großbritannien. Weitere Länder sollen demnächst folgen.

Eine neue Dimension

Nun mag man einwenden, Online-Reiseplaner gebe es schon: „Bahn.de“ oder „Airberlin.com“, „Expedia.de“ oder „Opodo.com“. Auf diesen Plattformen können Nutzer Tickets für Bahn- oder Flugreisen buchen. Doch sie alle suchen nur in Datenbanken für ein einzelnes Verkehrsmittel und ihre Bedienung ist oft umständlich. Einen Schritt weiter geht die Internet-Plattform „Waymate.de“. Sie bietet eine übersichtliche Benutzeroberfläche und Suchergebnisse für mehrere Verkehrsmittel (Flug, Bahn, Bus) an. Ferner kann der Nutzer auswählen, ob er das schnellste oder das günstigste Verkehrsmittel wählen will.

„GoEuro“ verfolgt ein ähnliches Ziel, unternimmt aber zwei weitere wichtige Schritte. Zum einen wird nach Kombinationen verschiedener Verkehrsmittel gesucht (also zum Beispiel Bahn plus Flug), zum anderen werden Brutto-Reisezeiten miteinander verglichen, also Transfer-, Check-in- und Check-out-Zeiten berücksichtigt. Entsprechendes gilt für die Preise. Damit entfällt die mühsame Suche auf verschiedenen Portalen der einzelnen Anbieter und die anschließende manuelle Reiseplanung. Mit wenigen weiteren Klicks wird nach Abschluss der Suche die Wunschreise gebucht.

Beispiel Berlin–London und zurück: „GoEuro“ zeigt mit einem Klick mehrere Bahnverbindungen (278 Euro, 10:23 Stunden), Busverbindungen (153 Euro, 18:15 Stunden) und die billigsten Flüge (78 Euro, 5:25 Stunden) beziehungsweise (97 Euro, 5:11 Stunden) sowie weitere Flugverbindungen an. In diesen Preisen enthalten sind die Tickets für das Hauptverkehrsmittel und für den Transfer (S-Bahn nach Schönefeld und Züge von Stansted beziehungsweise Luton in die Londoner Innenstadt). Die angegebenen Zeiten sind echte Reisezeiten (in diesem Fall von Berlin Hauptbahnhof bis London St. Pancras beziehungsweise Liverpool Street) einschließlich aller voraussehbaren Wartezeiten auf den Flughäfen.

So kann es passieren, dass ein scheinbar billiger Flug am Ende gar nicht so günstig ist, wie es anfangs schien. Im beschriebenen Beispiel kostete der erste Flug zirka 40, der zweite 70 Euro. Die unterschiedlichen Transferkosten relativieren diesen Unterschied.

Mit einem weiteren interessantes Feature hebt sich die intelligente Plattform von herkömmlichen Buchungssystemen ab – die kombinierte Reise. Beispiel: Heidelberg–Prag. Außer einer Bahnfahrt und einer direkten Buslinie schlägt „GoEuro“ Kombinationen aus Bahn und Flug vor, hier Heidelberg–Frankfurt oder Heidelberg–Stuttgart per Bahn und von dort weiter mit dem Flugzeug. Auch hier werden Zeiten und Preise für die gesamte Reise genannt – also von City zu City.

„Wir sind eine Big-Data-Company“, sagt Gründer und CEO Naren Shaam, also eine der Firmen, die mit den modernen, immer größeren „Datenbergen“ umzugehen weiß. Der Zugriff auf die Daten der einzelnen Reiseunternehmen sei vertraglich geregelt. Damit sei gewährleistet, dass auf „GoEuro“ die gleichen Suchergebnisse angezeigt werden wie auf den Seiten der Unternehmen selbst. Doch mit dem Zugriff auf die Daten fängt für das Start-up die Arbeit erst an: Einen ganzen Monat lang dauerte alleine die Aufbereitung der Daten der Deutschen Bahn. Bei kleineren Anbietern wie etwa Busunternehmen ist die Sache noch komplizierter, wenn Excel-Tabellen mit Fahrplänen ins Spiel kommen.

„GoEuro“ hat bereits drei Monate vor dem Start der Plattform bei Investoren vier Millionen Dollar eingesammelt. Dem Berliner Start-up dürfte damit eine der bislang größten Finanzierungsrunden in Deutschland gelungen sein. Die eine Hälfte kam von Hasso Plattner Ventures, die andere von Battery Ventures, einem der größten Risikokapitalgeber der USA. „GoEuro“ sei ihr erstes Investment in Deutschland überhaupt gewesen, sagt „GoEuro“-Marketingchef Robin Wilfert. Flankiert werde dieses Investment von Branchengrößen wie Dave Baggett (ITA Software) und Jeff Sagansky. Der Service ist für die Nutzer kostenfrei. „GoEuro“ finanziert sich über die im Reisemarkt üblichen, im Ticketpreis bereits enthaltenen Vermittlungsprovisionen.

Standortvorteile in Berlin

Naren Shaam kam mit seiner Idee im März 2012 nach Berlin. Er arbeitete zunächst allein. Es war für ihn nicht einfach, Verkehrsunternehmen zur Zusammenarbeit zu überzeugen. Nachdem das gelungen war, baute er ein Team auf, das mittlerweile auf 16 Leute gewachsen ist. In London wäre es für Shaam viel leichter gewesen, Investoren für seine Idee zu finden. Trotzdem zog es ihn nach Deutschland. Das Transitland in der Mitte Europas schien die ideale Basis für den Ausbau einer Verkehrs-App zu sein. „Deutsche werden weltweit als gute Arbeitskräfte geschätzt, besonders im Bereich Technik und Programmierung“, nennt Robin Wilfert, der Marketingchef von GoEuro, einen weiteren Grund.

Dass die Wahl dann auf Berlin fiel, lag an den Eindrücken, die der Gründer bei seiner Europareise im Jahr 2010 gewonnen hatte. Die multikulturelle Stadt gefiel ihm. Die Lebenshaltungskosten waren niedrig, und es gab ein großes Angebot an ausländischen Arbeitskräften, die für den Aufbau der internationalen Plattform wichtig waren. Ein weiterer Grund waren die starke Wirtschaft und Partner am Ort wie die Deutsche Bahn, was die Arbeit gerade zu Beginn vereinfachte.

„Wir werden Menschen europaweit in jedes Dorf bringen, wenn dort ein Bahnhof oder Busbahnhof ist“, sagt Naren Shaam. „GoEuro“ sei besonders interessant für außergewöhnliche Orte, die keinen guten Anschluss haben.