Gründerzeit

Online shoppen mit gutem Gewissen

Jürgen Stüber über das Start-up Boost, das mit modernstem Marketing ganz altmodisch Spenden sammelt

Ein Start-up, das keinen Investor sucht – auch das gibt es. Die Gründer sind keine Neureichen, die im Geld schwimmen, sondern Gutmenschen, die Geld an Hilfsorganisationen verteilen. Boost heißt das Projekt aus Berlin, das den einfachen Mechanismus des Affiliate Marketing für soziale Zwecke umfunktioniert. Das Geschäftsmodell des Berliner Start-up ist schnell erklärt: Bei Online-Verkäufen erhält der Vermittler des Geschäfts vom Shopbetreiber eine Provision von ungefähr sechs Prozent des Kaufpreises. Das können Preisvergleichsplattformen sein, aber auch Shopping-Apps oder andere Seiten, die auf Onlineshops verweisen.

Diese Vermittlungsprovision steht auch Boost zu. Davon behält das Start-up zehn Prozent für seine internen Kosten. 90 Prozent der Provision werden an eine karitative Organisation überwiesen, die der Kunde auswählen kann. Auf diese Weise kamen bislang mehr als 64.000 Euro Spenden zusammen. Über Boost wurden Käufe mit einem Volumen von 1,2 Millionen Euro vermittelt. „Für die Onlineshops sind wir ein zusätzlicher Vertriebskanal“, sagt der Mitgründer Benjamin Vahle. „Für den Nutzer kostet das keinen Cent mehr.“ Nutzer loggen sich einfach auf der Plattform ein und installieren ein kleines Programm (Plug-in) in ihrem Internetbrowser. Dann betreten sie über die Website von Boost einen Onlineshop. Und jedes Mal, wenn sie anschließend in dem Shop etwas kaufen, wird die anfallende Provision Boost gutgeschrieben und an die Charity-Organisation überwiesen. Die Nutzer werden per E-Mail über ihre Spende informiert und können diese sogar verdoppeln, wenn sie dies auf Facebook posten.

Seit seiner Gründung im Februar 2012 (die Plattform ist seit Herbst 2012 online) hat das Start-up mehr als 5000 Nutzer gefunden, die in 400 Onlineshops einkaufen und Geld an 600 gemeinnützige Organisationen überweisen. Das Projekt zählt inzwischen elf Mitarbeiter. Das Start-up hat sich hohe Ziele gesetzt: „Bis Ende 2013 wollen wir mit eurer Hilfe einen Gesamtspendenbetrag von 1.000.000 Euro erreichen“, schreiben die Gründer auf ihrer Website an die Nutzer.

Benjamin Vahle hatte die Idee zu diesem Projekt schon während seines Studiums,. Damals erfand er einen Boost-Vorläufer, mit dem er durch Affiliate Marketing mit Amazon als Partner Geld für die von ihm selbst gegründete gemeinnützige Organisation, die Nightlines-Stiftung, sammelte.

„Die Idee hinter Boost ist, allen Menschen ein Engagement für den guten Zweck zu ermöglichen, egal wie wenig Geld oder Zeit sie haben. Jeder kann auf diese Weise seine Lieblingsorganisation unterstützen“, sagt Benjamin Vahle. Er will, dass sich mehr Menschen mit dem Thema Gemeinnützigkeit befassen.

Schwarze Zahlen lassen sich mit diesem Geschäftsmodell nicht erwirtschaften. „Deshalb sind wir für einen Investor uninteressant“, sagt der Gründer des Start-up, das beim Finanzamt als gemeinnützig registriert ist und deshalb keine Gewinne machen darf. „Was wir brauchen, ist ein Philanthrop.“

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