Standort

„Es werden sich neue Industrien entwickeln“

Springer-Chef Döpfner über die Chancen Berlins

Der Vorstandschef der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, sieht in der Start-up-Szene der Hauptstadt einen Impulsgeber für Berlin. „Es werden sich neue Industrien entwickeln“, sagte Döpfner in einem Interview mit dem Internetportal „Gründerszene“. Derzeit, so Döpfner, bestehe Berlin zwar „nur aus Politikern, Staatsbeamten, ein paar Medienleuten und allem, was im Entertainment singt und springt“. Es gebe kein Geld, dafür aber Ideen und kreative Leute. „Als Nächstes kommt das Geld“, ist Döpfner überzeugt. Es entstehe Wertschöpfung und Wertabschöpfung.

Döpfner hat für den Medienkonzern Axel Springer, in dem auch die Berliner Morgenpost erscheint, den digitalen Wandel ausgerufen. Im Jahr 2012 erzielte Springer mit dem Bereich Digitale Medien 1,17 Milliarden Euro (Gesamtumsatz 2012: 3,31 Milliarden Euro). Damit erzielte die Digitalsparte erstmals einen höheren Umsatz als die inländischen Zeitungen. Da im Printgeschäft weitere Rückgänge erwartet werden, will Döpfner den digitalen Umbau des Konzerns weiter beschleunigen – und will dabei die Dynamik und Kreativität der Berliner Gründerszene nutzen.

Gleichzeitig bescheinigt Döpfner dem Standort Berlin eine ähnliche Kreativität wie dem kalifornischen Silicon Valley, Wiege der Internet- und Computerbranche. „Berlin ist kreativ, disruptiv, progressiv, plural, freiheitlich und zieht Talente an, die hier zu günstigen Bedingungen gut leben können“, sagte Döpfner.

Die Hinwendung zur Internetszene soll auch durch einen Neubau erfolgen, der in den nächsten Jahren neben dem Verlagshochhaus an der Axel-Springer-Straße entstehen soll. Dort solle ein Medien Campus entstehen, „der nicht nur durch seine Architektur, sondern auch durch die neue Definition von Büroraum in einer entmaterialisierten digitalen Welt neue Maßstäbe für Zusammenarbeit und Kommunikation setzen soll“. In dieses Gebäude sollen die neuen digitalen Angebote einziehen. „Schon die konzeptionellen Überlegungen sind stimulierend, Ideen können schon jetzt umgesetzt werden. Wir warten nicht mit dem kulturellen Wandel“, sagte Döpfner in dem Interview mit „Gründerszene“.

Axel Springer ist in den vergangenen Monaten zu einem wichtigen Teil der Start-up-Szene geworden. So werden beispielsweise mit dem Programm „Media Entrepreneurs“ und einer Beteiligung am Accelerator „Plug & Play“ unternehmerische Ideen schon in der Frühphase finanziell und ideell unterstützt. Zudem erwarb Springer 49 Prozent am Veranstalter einer der wichtigsten Berliner Branchenveranstaltungen, der „hy! Berlin“. „Über die letzten 18 Monate habe ich Schritt für Schritt die Erkenntnis gewonnen, dass wir das digitale Geschäft in einer ganz anderen Weise zum unternehmenskulturellen Kern von Axel Springer machen müssen. Und das geht nicht durch Distanz, sondern nur durch Nähe“, sagte Döpfner.