Edelmetalle

Schwarzer Handelstag für Silber

Preis für eine Unze bricht kräftig ein. Schwache Konjunktur und Spekulanten drücken den Kurs

Das Jahr 2013 droht zum schwarzen Jahr für Gold- und Silber-Investoren zu werden. Vor allem den Mai dürften die Anleger als Fiasko-Monat in Erinnerung behalten. Am Pfingstmontag hat sich der schon länger bestehende Preisabschwung bei Edelmetallen beschleunigt. Gold verbilligte sich um bis zu 1,5 Prozent auf 1339 Dollar je Unze (31,1 Gramm) und steht damit 300 Dollar tiefer als im Januar. Weitaus schlimmer erwischte es Silber. Im asiatischen Handel brachen die Notierungen des weißen Metalls um bis zu 8,6 Prozent auf 20,34 Dollar ein. In London wurde die Unze (31,1 Gramm) am Mittag für 21,57 Dollar gehandelt. Das war der niedrigste Stand seit Herbst 2010.

Seit Anfang April, als am Edelmetallmarkt ein scharfer Preisverfall eingesetzt hatte, hat Silber etwa ein Viertel seines Werts verloren. Gold, von dem der Einbruch ausgegangen war, hat in der gleichen Zeit etwa 15 Prozent seines Werts eingebüßt. Rohstoffexperten erklären den stärkeren Verfall des Silberpreises vor allem damit, dass Silber viel in der industriellen Herstellung etwa von Elektronikprodukten verwendet wird. Und angesichts der Wirtschaftsschwäche in großen Volkswirtschaften werden die nicht mehr so viel gekauft wie in vergangenen Jahren.

Der Silberpreis reagiert stark auf konjunkturelle Entwicklungen. Zuletzt hatte sich besonders das Wachstum des rohstoffhungrigen China spürbar abgeschwächt. „Die Investmentnachfrage geht langsam zurück, und es gibt Zweifel an der industriellen Nachfrage“, sagte Yang Xuejie, Analyst bei Galaxy Futures. Hinzu kommt, dass die Euro-Zone seit nunmehr eineinhalb Jahren in der Rezession feststeckt. Das Wachstum in den USA, der weltweit größten Volkswirtschaft, hat sich zwar stabilisiert, der Ausblick bleibt aber verhalten.

Als wesentlicher Treiber des Preisverfalls bei Silber gilt aber die Entwicklung am Goldmarkt. Nachdem der Goldpreis Anfang April so stark wie seit 30 Jahren nicht mehr eingebrochen war, hatte sich die Lage zwischenzeitlich stabilisiert. In den letzten Tagen ging es aber weiter bergab. Ausschlaggebend ist vor allem das deutlich geringere Interesse professioneller Anleger.

Andere Beobachter bringen den Einbruch der Preise in Zusammenhang mit zurückgehenden Inflationsraten: „Silber ist so etwas wie Gold für Arme“, sagt Robin Bhar, Stratege bei der französischen Großbank Société Générale. In den Köpfen vieler Anleger fungierten Gold und Silber als Inflationsschutz. Weil in den Industriestaaten jedoch kein Hochschnellen der Verbraucherpreise zu beobachten sei, bringe das Edelmetalle psychologisch unter Druck. Zuletzt lag die Inflationsrate in Deutschland bei 1,2 Prozent. In anderen Euro-Staaten sinken die Preise sogar wie etwa im krisengeschüttelten Griechenland.

Nicht wenige Marktbeobachter sehen einen Wechsel der Investorenstrategie: raus aus Edelmetall und rein in Aktien. Der Deutsche Aktienindex Dax markiert mit knapp unter 8500 Punkten ein Rekordhoch.

Verstärkt haben die Abwärtsbewegung bei Edelmetallen zuletzt die Hedgefonds und andere spekulative Akteure: Am Termin-Markt, der die Preis-Entwicklung bestimmt, war das Handelsvolumen mehr als doppelt so hoch wie im Schnitt der vergangenen 100 Tage, wie aus Daten des Finanzmarktdienstleisters hervorgeht. Silber hat 2013 bereits 28 Prozent an Wert verloren. Gold steht dieses Jahr 19 Prozent im Minus. Anfang April war der Gold-Preis eingebrochen wie seit 30 Jahren nicht mehr, zuvor war er zwölf Jahre in Folge gestiegen.