Unternehmen

Kulturkaufhaus in New York? Nein danke!

Vor einem halben Jahrhundert gründete Peter Dussmann das Unternehmen. Daraus wurde ein Berliner Milliardenkonzern, der wächst und wächst

– Für den selbstbewussten Auftritt ist Catherine von Fürstenberg-Dussmann die Richtige. Die Ehefrau des erkrankten Unternehmensgründers und Eigentümers Peter Dussmann kommt aus den USA. Dort gibt man sich selten verdruckst, wenn man von Erfolgen zu berichten hat. Ihre einleitenden Worte am Beginn eines wenig glamourösen Anlasses lauten: „Halleluja, wir gehen wie eine Rakete.“ Zum neunten Mal in Folge habe man mit den vielen Geschäften der Gruppe zugelegt. „Viele sagen, Unternehmenschefs investieren nicht, bei Dussmann ist das Gegenteil der Fall“, sagt sie und strahlt vom Podium.

Neben ihr sitzt Dirk Brouwers, Vorstandschef der Dussmann-Gruppe, und von weniger euphorischem Gemüt als seine Stiftungsratschefin aus Amerika. Er beginnt seinen Vortrag, in dem er sagt: „Die Dynamik des Unternehmens lässt sich anhand von sechs Kennzahlen ablesen.“ So ist es auch im 50. Jahr des Unternehmens. Mitglied der Eigentümerfamilie gibt, gern in unkonventionellen Worten, den Takt vor. Der Vorstand setzt um.

Dussmann ist ein in mehrfacher Hinsicht bemerkenswertes Unternehmen. In der deutschen Firmenlandschaft, die historisch von Fertigungsunternehmen geprägt wird, hat der Konzern etwas Neues etabliert. Dienstleistungen, die traditionell von Kleinunternehmern ausgeführt wurden, werden im Industriemaßstab dem Kunden verkauft. Peter Dussmann fing im Jahr 1963 damit an, für alleinstehende Männer das Bügeln, Kochen und Saubermachen zu übernehmen. Schon zwei Jahre nach dem Start des Unternehmens hatte er die ersten Großkunden, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen. Im Kern hat sich bis heute nicht viel verändert. Bei Dussmann geht es ums Säubern, verpflegen, aufpassen und reparieren. Dafür beschäftigt Dussmann mehr als 60.000 Mitarbeiter in 20 Ländern. Und der Ehrgeiz der Berliner wird noch globaler.

Seit kurzem kooperiert Dussmann mit einem spanischen Konkurrenten ähnlicher Größe. Die Unternehmensgruppe Eulen tummelt sich auf ähnlichen Feldern wie die Berliner. Sie kümmert sich im Wesentlichen um Gebäude- und Sicherheitstechnik, Gebäudereinigung und erbringt Gesundheitsdienstleistungen. „Unsere Märkte sind komplementär. So können wir globalen Unternehmen Service aus einer Hand anbieten“, sagt Brouwers. Gemeint ist: Eulen ist ausschließlich in Ländern aktiv, wo Dussmann nicht präsent ist. Für Ausschreibungen will man sich zusammen tun. Einem weltweit agierenden Konzern können sie dann in allen seinen internationalen Niederlassungen die Gebäudereinigung und Objektbewachung organisieren und in Betriebskantinen Essen austeilen

Mit ihren vielen Dienstleistungen kommt die Gruppe – ein weiteres Geschäftsfeld ist die Pflegeheimkette Kursana – für das Jahr 2012 auf einen Umsatz von 1,73 Milliarden Euro. Den Gewinn nennt Dussmann nicht. Aber aus der sogenannten Ebitda-Marge von 6,1 Prozent lässt sich errechnen, dass vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen rund 107 Millionen Euro übrig blieben. Nur ein Bruchteil des Umsatzes kommt aus jenem Geschäftsfeld, mit dem in Berlin die meisten den Namen Dussmann verbinden. Das Kulturkaufhaus an der Friedrichstraße kommt im Jahr auf einen Umsatz von 35 Millionen Euro zwei Prozent jener 1,73 Milliarden Euro der gesamten Gruppe.

Michael Bloomberg, Bürgermeister von New York, habe sie gefragt, ob in seiner Stadt nicht auch ein Kulturkaufhaus öffnen könne, erzählt Fürstenberg-Dussmann. „Das haben wir abgelehnt“, sagt sie. Die Berliner Bücherspätstube wird einzigartig bleiben. Peter Dussmann hatte sie einst als Verlegenheitslösung ersonnen, weil sich keine Gewerbemieter für sein Haus an der Friedrichstraße fanden. Inspirieren ließ er sich in den 90er-Jahren ausgerechnet vom Virgin Megastore in Manhattan. Dieser hat sich längst Amazon ergeben und ist verschwunden – weshalb New Yorks Stadtoberhaupt gern das Kulturkaufhaus importiert hätte.

Übernahme in Dresden

Viel wichtiger sind für das Geschäft der Dussmann-Gruppe aber andere Bereiche. Unlängst kaufte sich Dussmann ein Dresdner Unternehmen für Kühlanlagen. Für den Berliner Konzern war das ein eher ungewöhnlicher Schritt. Mantraartig wiederholten die Führungskräfte in den vergangenen Jahren, dass sie „organisch wachsen wollen“. Also nicht durch Übernahmen anderer Firmen, sondern weil man mehr Aufträge und damit Umsatz an Land zieht. Doch wie Vorstandschef Brouwers sagt, wolle man mit seinen Dienstleistungen noch näher an die Kernaufgaben der Kunden ran. Kühlanlagen spielen in Rechenzentren, bei Lebensmittelherstellern oder in der Pharmaindustrie eine wichtige Rolle. Mit dieser Technologie wollen sich die Dussmänner unverzichtbar und attraktiv machen. Gleichzeitig können sie sich damit vom harten Preiswettkampf der Servicedienstleister ein Stück weit entfernen, beispielsweise in Schulkantinen. In Berliner Schulen müssen die Caterer mit Kostenvorgaben von 2,20 Euro je Schüler in den Bieterwettkampf gehen. „Wir machen nicht jede Ausschreibung mit, die wir auf den Tisch bekommen“, sagt Brouwers. In Berlin kocht Dussmann nur für Privatschulen.