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Das digitale Google-Universum

Softwarekonzern überarbeitet seinen Kartendienst Maps und will mit Musikstreaming sowie einer Chat-Plattform seine Konkurrenten Apple, Spotify und Facebook in die Enge treiben

Der Internetkonzern Google baut ein digitales Universum auf, das seine Nutzer an ihren Smartphones, Tablets und Computern so gut wie nie mehr verlassen müssen. Auf seiner Entwicklerkonferenz Google IO zeigte der Konzern diverse Neuerungen für seine Webdienste, sein Mobil-Betriebssystem Android sowie den Browser Chrome. Google hat auch seine Kartenanwendung Maps aufgeräumt.

Für 9,99 Dollar pro Monat können Google-Nutzer künftig unbegrenzt Musik-Streams aus dem Netz hören – ähnlich wie bei Spotify –, und sich dabei anhand ihrer Vorlieben neue Songs von Googles Algorithmen vorschlagen lassen. Google mischt für den Play Music All Access getauften Dienst die Song-Bibliothek des Nutzers mit der eigenen, Millionen Stücke großen Datenbank.

Die zweite Neuerung guckt sich Google beim Konkurrenten Facebook ab: die Integration von Chat und Nachrichten-Feed. Hangout heisst die neue App, mit der Google-Nutzer sowohl Nachrichten und Links, als auch Photos und Videos tauschen können. Zudem erlaubt der Service Audio- und Video-Konferenzen mit mehreren Nutzern. Google fasst so SMS-Dienste, Kurznachrichten, Videokonferenzdienste in einer einzigen App zusammen, die auf iPhones, Android-Geräten und im Netz läuft. Der Clou: Chats, Multimedia-Inhalte und Nachrichten werden als anhaltende Konversationen zusammengefasst und im Google-Konto der Nutzer gespeichert.

Eine Neuerung für Googles soziales Netzwerk Google Plus ist eine webbasierte Fotobearbeitung: Ähnlich wie Yahoos Flickr-Dienst speichert Google die Bilder der Nutzer in voller Auflösung, und hält eine digitale Dunkelkammer parat. Mehr noch: Google will den Nutzern dabei helfen, die Flut der Bilder einzudämmen und sucht automatisch nach den besten, nach Gesichtern oder nach Wahrzeichen. „Auto Awesome“ heisst die Bildbearbeitung, die Bilder automatisch retuschiert oder animierte Gif-Dateien und Panoramen erstellt.

Nicht zuletzt wagt Google eine Evolution seines wichtigsten Produktes: Die Suche soll künftig noch stärker personalisierte und kontextbezogene Fragen beantworten, Google startet dafür eine Spracheingabe für den Desktop. Mit den Worten „OK Google....“ sollen Nutzer künftig Fragen an ihre PCs richten.

Die Zahl dieser Google-Nutzer nimmt weiter zu: Das Mobil-Betriebssystem Android ist inzwischen das erfolgreichste Mobilsystem der Welt, mehr als 900 Millionen Geräte wurden bereits aktiviert. Auch Googles Chrome-Brwoser ist massiv erfolgreich: Über 750 Millionen mal wurde er installiert – vor einem Jahr waren es erst 450 Millionen Nutzer.

Google Maps ist übersichtlicher geworden und bietet eine Reihe neuer Features wie 3D-Bilder von Sehenswürdigkeiten, die Integration von Google Earth und Informationen über öffentliche Verkehrsmittel. Nutzer der Plattform können von heute an Einladungen für die neue Anwendung beantragen.

Wer heute eine Adresse über Google Maps sucht, sieht eine Karte, die etwa zwei Drittel des Bildschirms einnimmt. Das linke Drittel des Bildschirms ist für Informationen zur Suche reserviert. Klickt man auf das Suchergebnis, so verdeckt dieses einen großen Teil der Karte. Dieser verschwenderische Umgang mit dem Bildschirmplatz war den Google-Entwicklern ein Dorn im Auge.

Die Karte des neuen Maps nimmt den ganzen Bildschirm ein. Oben links in der Ecke ist ein Eingabefeld für die Suche angeordnet. Zunächt nur eine Zeile hoch, klappt es auf, sobald ein Ergebnis gefunden worden ist. Die Straßen sind dezenter als bisher markiert, ebenso die Markierungen für die gesuchten Lokalitäten. Die Popups für die einzelnen Suchergebnisse sind kleiner und verdecken nicht mehr große Teile des Bildschirms.

Das neue Maps soll persönlicher und individueller sein als das alte. So werden die Straßen in der Nähe des Suchergebnisses optisch hervorgehoben. „Es ist so, als würde ein Freund eine Karte zeichnen, die nur die wichtigsten Straßen zeigt, die zu einem Museum führen“, sagt Maps-Produktmanager Bernhard Seefeld. Die neue Seite empfiehlt bei einer solchen Suche auch andere Museen, die den Suchenden interessieren könnten. „Auf diese Weise kann der Nutzer neue Orte entdecken“, sagt Seefeld.

Die Kartenanwendung ist sozialer und damit intelligenter geworden. So lassen sich beispielsweise bei einer Restaurantsuche die Ergebnisse nach Bewertungen von Personen filtern, mit denen der Nutzer (ähnlich wie bei Twitter und Facebook) auf der Plattform Google+ verbunden ist. Es lässt sich auch nach allgemeinen Empfehlungen (zum Beispiel bei der von Google gekauften Restaurantplattform Zagat) filtern. Bewegt man den Mauszeiger über in der Karte markierte Suchergebnisse, öffnet sich ein kleines Fenster, das Öffnungszeiten und andere Informationen wie Bewertungen anzeigt und sich wieder schließt, wenn man den Mauszeiger weiter bewegt.

Neu ist auch eine Bilderleiste mit Fotos des Suchergebnisses, die per Mausklick am Fuß der Seite erscheint. Sie zeigt 360-Grad-Animationen beispielsweise von gesuchten Sehenswürdigkeiten, die mit Hilfe eines eigens entwickelten Programms aus Bildern generiert werden, die Nutzer auf die Google-Plattform hochgeladen haben.

Auch andere externe ortsbasierte Daten werden in die Maps-Suche integriert: Fahrpläne von Eisenbahnen oder Fluglinien beispielsweise. So erfährt der Suchende mit einem Klick, welche Zeit er vom Suchergebnis nach Hause, zur Arbeit oder zu einem anderen gespeicherten Ort benötigt und welche Verkehrsmittel er dazu benutzen muss.