Immobilienunternehmen

Aktionäre wollen neuen GSW-Chef wieder loswerden

Pensionsfonds führt Revolte gegen Konzernspitze an

Der Initiator der Aktionärs-Revolte beim Berliner Wohnungskonzern GSW sieht gute Chancen, den Aufsichtsratschef und den neuen Vorstandschef stürzen zu können. „Aus Gesprächen mit anderen Aktionären haben wir den Eindruck, dass diese unsere Bedenken teilen“, sagte Hans Op't Veld vom niederländischen Pensionsfonds PGGM am Mittwoch. „Wir glauben, dass wir eine gute Chance haben zu gewinnen. Vor allem angelsächsische Investoren achten sehr auf gute Unternehmensführung.“

PGGM will den seit einem Monat amtierenden Vorstandschef Bernd Kottmann über ein Misstrauensvotum der Aktionäre auf der Hauptversammlung loswerden. Aufsichtsratschef Eckart John von Freyend, den mit Kottmann eine gemeinsame Vergangenheit im Vorstand des Gewerbeimmobilienkonzerns IVG verbindet, soll abberufen werden. Die Niederländer halten zwar nur knapp drei Prozent an der GSW, sind damit aber einer der größten Aktionäre.

Bereits vor der Berufung Kottmanns hatte sich bei Großaktionären Widerstand gegen die Personalie und die Umstände der Berufung geregt. Mehrere institutionelle Anteilseigner warfen von Freyend Vetternwirtschaft vor. „Beide Herren waren im Vorstand des Immobilienunternehmens IVG, das 2008 in ihrer Amtszeit in große Schwierigkeiten geriet“, erklärte PGGM. Der Aufsichtsratschef sei auf ihre Kritik aber nicht eingegangen.

Kottmanns Vorgänger Thomas Zinnöcker war überraschend zum Konkurrenten Gagfah gewechselt. Das Unternehmen betonte, der neue Vorstandschef habe – anders als von Investoren kritisiert – durchaus auch Erfahrung in der Wohnungswirtschaft.

Kottmann versuchte kritischen Großaktionären den Wind aus den Segeln nehmen. „Ich sehe keine Notwendigkeit, die Strategie infrage zu stellen“, sagte er vor Analysten. Die GSW investiert fast ausschließlich in Berlin; insgesamt hält das Unternehmen in der Hauptstadt rund 60.000 Wohnungen und Gewerbeeinheiten. Allein 2012 wurden rund 7000 Wohnungen dazugekauft.

Im operativen Geschäft sieht sich der GSW-Vorstand durch die Revolte nicht gehindert. Mit einer neuen Kreditlinie über 80 Millionen Euro könne die GSW insgesamt 250 Millionen Euro investieren – ausreichend für 4000 Wohnungen. Die GSW hat sich zunächst aber Sparen auf die Fahnen geschrieben. So sei die Miete für die Zentrale zu hoch.