Verbraucher

Aral bremst Preisschwankungen

Tankstellenpächter entscheiden mit, wie teuer Benzin ist. Trotz E10-Streik der Fahrer Bio-Quote erreicht

Der Marktführer im deutschen Tankstellengeschäft, die BP-Tochtergesellschaft Aral, ändert das Provisionsmodell an seinen eigenen Stationen. An diesen 1280 Tankstellen bestimmt der Pächter in Zukunft stärker als bislang mit, wie stark die Preise für Benzin und Diesel im Tagesverlauf angehoben oder gesenkt werden.

Die Auswirkungen des Preismodells auf die Autofahrer auszurechnen, ist noch schwierig: Nach eigener Aussage will Aral die teilweise hohen Preisschwankungen über den Tag verringern und einen relativ stabilen Benzin- und Dieselpreis durchsetzen. „Wir können den Kunden kaum mehr erklären, warum der Preis an einem einzigen Tag um mehr als zehn Cent steigt oder fällt“, sagte Aral-Chef Stefan Brok in Düsseldorf. Deshalb bleibe es nun dem einzelnen Pächter überlassen, ob er jede Preiserhöhung in ganzer Höhe oder jede Preissenkung in vollem Umfang mitmacht. Anreiz für ihn ist eine höhere Provision je verkauftem Liter Kraftstoff.

Nach Angaben von Aral machen 90 Prozent der Pächter der eigenen Stationen bei dem neuen Modell mit, die anderen rund 1100 Tankstellen der Marke in Deutschland sind im Eigentum meist mittelständischer Unternehmer. Auch sie will der Konzern in den kommenden Monaten mit ins Boot holen. „Die Teilnahme ist freiwillig, es wird kein Tankstellenbetreiber von uns gezwungen“, sagte Aral-Chef Brok. Die Tankstellenkette gehört in Deutschland eher zu den teuren Anbietern. Allerdings verdienen die Betreiber deutlich mehr Geld durch den Verkauf von Kaffee, Snacks und Zigaretten im Tankstellenshop. Der Anteil des Benzins am durchschnittlichen Ertrag einer Tankstelle liegt inzwischen nur noch bei zwölf Prozent. Fast zwei Drittel des Gewinns stammen dagegen aus dem Shop.

Aral führt die Neuerung in einer Zeit ein, in der der Mutterkonzern prächtig verdient: Der Überschuss der BP Europa SE, zu der neben Deutschland noch die Schweiz, Österreich, Belgien, Niederlande, Polen und Ungarn gehören, stieg im Geschäftsjahr 2012 gegenüber dem Vorjahr um rund 40 Prozent auf 515 Millionen Euro. „Der Treiber waren die Raffinerien, die deutlich besser verdient haben“, sagte BP-Europa-Chef Michael Schmidt.

Das Tankstellengeschäft soll im Jahresvergleich ein unverändertes Ergebnis erzielt haben. Der Umsatz der BP Europa SE lag 2012 bei rund 69 Milliarden Euro, allerdings sind darin Energiesteuern von gut 14 Milliarden Euro enthalten. Rund 80 Prozent trägt das Deutschlandgeschäft zu diesen Zahlen bei. In diesem Jahr will BP in Europa rund 400 Millionen Euro investieren, der Großteil fließt nach Deutschland und dort in die Raffinerien.

Aber auch etwa 30 Tankstellen werden neu gebaut. BP verfügt in Gelsenkirchen über einen der größten Raffineriestandorte des Landes und ist der zweitgrößte Hersteller von Ölprodukten in Deutschland.

Besonders viele Zapfsäulen für die ungeliebte Benzinsorte E10 werden dort allerdings nicht zu finden sein. Denn Aral hat sich von dem früheren Ziel verabschiedet, E10 mit zehn Prozent Bioethanolanteil zur Hauptsorte zu machen. „Bei uns tankt jeder fünfte Kunde E10, und daran wird sich so rasch auch nichts ändern“, sagte Aral-Chef Brok. Die vom Staat vorgeschriebene Bioquote im Kraftstoffabsatz erreiche der Ölkonzern dennoch, sagte der Manager weiter – und zwar über zugekaufte Zertifikate und andere Biokraftstoffprodukte.