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Mode-Lektionen aus dem Netz

Viele Männer kaufen ungern Kleidung. Berliner Start-ups wie Modomoto reicht das für eine Geschäftsidee

Ganz uneigennützig war das Vorhaben von Corinna Powalla mit Sicherheit nicht. Am Anfang ihres Unternehmens stand der Wunsch, dass ihr Freund, der Shopping-Muffel, doch mal ein paar Hemden und Hosen anprobiert. Der winkte stets ab. Zu viel Stress, zu wenig Zeit für solche Nebensächlichkeiten. Wenn der Mann nicht zur Kleidung kam, sagte sich die 30-Jährig, dann muss es eben umgekehrt laufen. Sie brachte die Kleidung also zum Mann. Legte ihm einen Stapel Hemden hin, die er anprobieren sollte. Ihr Mann war begeistert, und Corinna Powalla hatte ein Geschäftsmodell. So geht der Gründungsmythos des Berliner Unternehmens.

Das Start-up Modomoto will Zweiflern, Hin- und Hergerissenen und Shoppingmüden in der weiten Welt der Mode Orientierung bieten. Also liefert die Firma personalisierte Outfits frei Haus. Der Service richtet sich explizit nur an männliche Kundschaft. Frauen gelten bei diesem Shopping-Dienstleister nicht als profitable Zielgruppe.

Die Designerin Julia Kadow schiebt einen Bügel die lange Kleiderstange zur Seite und wirft einen kritischen Blick auf eines der Hemden. „Wo sind jetzt die S-Hemden, Kinder?!“, ruft sie in den großen Raum, in dem sich Hunderte Hosen, T-Shirts, Pullover und weitere Klamotten wie in einem Kaufhaus aneinander reihen. Julia Kadow ist eine von vier Chefstylistinnen. 70 Mitarbeiter arbeiten für Modomoto. Sie kümmern sich um Marketing, Grafik- und Modedesign, den Verkauf. Oder arbeiten hier im Lagerraum, eigentlich das Herzstück des Unternehmens, und schnüren Pakete für die Kunden.

Die 25 Jahre alte Modedesignerin Kadow hält ein Blatt Papier in der Hand: Kunde 7673, Markus, 22, sucht was Buntes für die Jahreszeit, steht zum Beispiel darauf geschrieben. Zudem Angaben über Größen und favorisierte Modelabels. „Ich suche ihm mal ein paar Stücke mit frischen Farben heraus“, sagt Kadow und steuert zielbewusst eine der hinteren Kleider-Reihen an. Ihr Klient Markus mit seinen 22 Jahren gehört nicht zum Kundenstamm, der für gewöhnlich Klamotten-Pakete auf der Webseite bestellt. Die 600 bis 800 Euro teueren Outfits, die aus Hose, Hemd, Pullover und auf Wunsch zudem Schals und Gürteln besteht, bestellen vor allem Männer, die Ende 30 oder älter sind. Für den typischen Kunden von Modomoto stellt Geld eine weniger knappe Ressource dar als die Zeit, die sie für einen Einkaufsbummel investieren müssten.

Die Idee, das es ganz ähnlich – was nicht verwundert – auch in den USA gibt, nennt sich „Curated Shopping“. Neben den großen Vorbildern in den Vereinigten Staaten gibt es auch in Deutschland mehrere digitale Shoppinghelfer, die miteinander konkurrieren. In Berlin umgarnt neben Modomoto das Konkurrenz-Portal Outfittery (www.outfittery.de) die lauf- und shoppingfaule männliche Kundschaft mit einem ähnlichen Angebot. Outfittery ging im April 2012 und damit etwas später an den Start. Zudem drängt neuerdings auch das Start-up Kisura (www.kisura.de) auf den Online-Markt. Das von zwei Freundinnen betriebene Unternehmen verspricht die Funktion, sich die Mode in virtuellen Showrooms vor dem Kauf anzuschauen. Und es unterscheidet sich ganz grundsätzlich: Es liefert Frauen-Mode frei Haus.

Konkurrent Outfittery

Modomoto kümmert sich um Männer. Doch die Techniken, die zum individualisierten Klamottenkauf führen, gleichen sich bei allen drei Anbietern. Seit Dezember 2011 ist der Service Modomoto im Internet verfügbar, sagt Geschäftsführer Andreas Fischer. Die Mode-Kuratoren des digitalen Kauf-Beratung greifen bei der Selektion der Outfits auf diverse Informationen zurück, die ihre Kunden ihnen liefern.

„Die Auswahl der Klamotten erfolgt nach zwei Info-Quellen“, sagt der 29-Jährige Fischer, der zuvor als Vorstandsassistent bei Bertelsmann und bei StudiVZ arbeitete. In einem ersten Schritt melden sich Kunden kostenlos auf der Webseite des Mode-Dienstleisters an und füllen am Bildschirm einen detaillierten Fragebogen zu Stil, Kleidervorlieben und Größen aus. Der zweite Schritt, um ein möglichst vollständiges Bild von den Kundenwünschen zu bekommen, stellt das Interview dar, das einer der Stylisten des jungen Unternehmens mit dem potenziellen Käufer führt. „Dieses Telefongespräch, in dem von unseren Mitarbeitern noch Detailfragen geklärt werden, nutzen ungefähr die Hälfte unserer Kunden“, sagt der Geschäftsführer. Dabei gilt das einfache Prinzip, sagt Fischer, dass umso mehr kommuniziert werde, desto besser das Paket ausfällt. Das Start-up, das er gemeinsam mit der Gründerin Corinna Powalla führt, beliefert inzwischen rund 20.000 Kunden in ganz Deutschland. Ein Drittel davon seien Stammkunden, sagt Fischer, die immer wieder bei Modomoto bestellen. Seit Dezember vergangenen Jahres liefern die Mode-Experten aus der Blücherstraße in Kreuzberg auch nach Österreich. Der digitale Shoppinghelfer will sowohl beim lockeren Freizeit-Look zur Seite stehen, als auch seriösere Business-Kleidung verschicken. „Viele Kunden lassen sich die Pakete direkt ins Büro schicken“, sagt Geschäftsführer Andreas Fischer. Das Unternehmen selbst profitiert davon, dass es keine teuren Mieten wie gewöhnliche Einzelhändler bezahlen muss. Modomoto kauft die Ware direkt beim Hersteller und gewinnt somit an den handelsüblichen Margen.

Von außen betrachtet wirken die braunen Pappkartons, die der Kunde nach Hause bekommt, nicht unbedingt aufregend. Viel Mühe geben sich die Mitarbeiter jedoch mit dem Inhalt. Florian Jödicke schnürt eine weiße Schleife um einen sauber zusammengelegten Stapel aus Hose, Hemd und Pullover. Der 24-Jährige drapiert das Klamotten-Paket vorsichtig in dem braunen Karton, der geöffnet vor ihm auf einem Tisch im Lagerraum steht. Dann legt er noch ein zweites Mode-Bündel dazu – für gewöhnlich schickt Modomoto ihren Kunden immer zwei Outfits, in seltenen Fällen sogar drei, damit der Käufer mehrere Varianten zur Auswahl hat –oder gleich alles kauft. Das Rückgaberecht für Hemden und Hosten gilt, wie bei allen Kleiderkäufen im Internet, zwei Wochen.