Gründerzeit

Ein Toast auf das richtige Geschenk

Jürgen Stüber über motivierende Poster, Ideen für Präsente und den Versuch, per App ein Bier auszugeben

Um Einfälle ist Benedikt Bingler nicht verlegen, wenn es ums Verschenken geht. Vor drei Jahren dachte er, Drinks zu spendieren, sei eine gute Idee und erfand die App „Buddybeers“. Die Idee: Man gibt einem Freund, den man persönlich nicht treffen kann, per App ein Bier aus, bezahlt das Getränk per PayPal und sendet dem Freund einen Coupon, den er in einer Kneipe einlöst. Das klappte am Ende nicht, obwohl das Start-up mit der Brauerei Carlsberg einen Partner gefunden hatte, aber anscheinend nicht genug Wirte, die Biergutscheine einlösen wollten. Oder nicht genug Biertrinker oder beides. Jedenfalls wurde das Projekt beendet.

Ums Verschenken geht es auch bei „Toast“, einem weiteren Bingler-Projekt. Nutzer finden auf der App eine Bildergalerie mit Produktfotos im Pinterest-Stil. Wer auf eines der Fotos klickt, veröffentlicht die Wunschzettel-Nachricht „Hätte ich gerne“ auf den Pinnwänden seiner Facebook-Freunde. In der App lassen sich die Wunschlisten der Freunde abrufen, denen der Nutzer wie bei Twitter folgt. Anwender der App können auch durch die Angebotslisten in den Kategorien Frauen, Männer, Geeks und Trending blättern, um sich inspirieren zu lassen. Die App „Toast“ soll Freunden helfen, die richtigen Geschenke zu finden. Denn allzu oft weiß man nicht, was man verschenken soll. In diesen Fällen hilft der Blick in die Toast-Liste, wo man im Wunschzettel des zu Beschenkenden herumstöbern und dabei das richtige Präsent finden kann. „Wir garantieren, dass du nie wieder das falsche Geschenk bekommst“, schreiben die Gründer.

Das bisherige Geschäftsmodell beschränkt sich auf das Generieren von Nachfrage (Lead Generation), wofür die Onlineshops, aus denen die Produkte stammen, dem Start-up „Toast“ eine Kommission bezahlen. Ende Mai 2013 wird bei „Toast“ das nächste Kapitel der Monetarisierung aufgeschlagen, wie Bingler ankündigt. Dann solle es möglich sein, die in der App gezeigten Gegenstände direkt bei Anbietern zu kaufen. Der Verkauf von Geschenkgutscheinen könnte ein weiteres Erlösmodell werden.

„Toast“ wurde im Juni 2012 gegründet. Die App ist seit Oktober für iPhone und iPad verfügbar. Benedikt Bingler bezifferte die Zahl der Downloads mit „mehr als Zehntausend“ und die Zahl der Start-up-Mitarbeiter mit vier. Seed-Investoren sind nach Angaben des Gründers unter anderem Business Angel Christophe Maire (Atlantic Ventures) sowie Jmes Investments, deren Partner Simon Schaefer ist, in dessen Start-up-Hub „The Factory“ das Start-up „Toast“ sein Büro hat. „Die Factory bietet Start-ups einen fruchtbaren Nährboden“, sagt Bingler über den Standort seines Unternehmens.

Bei seiner dritten Idee geht es Bingler nicht mehr ums Verschenken, sondern ums Verkaufen. „Squaredo“ ist ein Online-Shop für Plakate mit szenetypischen Slogans wie „Get shit done“ oder „It’s simple, until you make it complicated“. Das Start-up hofft, in der Berliner Gründerszene Abnehmer für die inspirierenden und motivierenden Din-A2-Drucke zu finden, die zum Preis von 25 Euro verkauft werden. Die Idee ist nicht besonders originell. „Startup Vitamins“ aus den USA verkauft solche Plakate schon seit längerem. „Aber wir haben ein eigenes Design entwickelt und machen die Poster für die Berliner Community“, sagt Benedikt Bingler.

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