Interview

„Wir sind stolz, das KaDeWe zu besitzen“

Der österreichische Investor Rene Benko über seine deutschen Karstadt-Immobilien und Pläne in Berlin

Der Österreicher Rene Benko ist Gründer, Hauptaktionär und Geschäftsführer der Wiener Immobiliengruppe Signa. Ihm gehört die Immobilie des KaDeWe an der Tauentzienstraße – sowie zahlreiche Areale mit Karstadt-Kaufhäusern. Mit Benko sprach Morgenpost-Mitarbeiter Reiner Engel.

Berliner Morgenpost:

Herr Benko, Karstadt korrigiert angeblich seine Geschäftsprognose nach unten und wird deutlich weniger umsetzen als angenommen. Ist das für Sie eine schlechte Nachricht?

Rene Benko:

Man muss natürlich schauen, warum die Umsätze zurückgegangen sind. Das hat auch damit zu tun, weil an den Karstadt-Standorten Elektronik-Abteilungen geschlossen wurden. Daher ist es zum Teil ein Umsatzrückgang aus Schließungen. Wir haben die Karstadt-Immobilien deshalb gekauft, weil sie an unwiederbringbar guten Lagen in deutschen Städten sind. Und diese Standorte werden dauerhaft ausgezeichnet bleiben. Insofern lasse ich mich nicht irritieren.

Haben Sie keine Angst, dass Sie Ihre Miete nicht bekommen, oder nur weniger Miete?

Weniger Miete sowieso nicht. Wir haben die Standorte ja deshalb gekauft, weil die Mieten relativ gering sind. Daher gibt es dort ein Potenzial nach oben, nicht nach unten. Und die Mietverträge sind langfristig.

Glauben Sie, diese Standorte werden langfristig auch Kaufhäuser bleiben?

Zu einer Aussage zu Karstadt und deren Fortbestand werden Sie mich nicht hinreißen können, das kann und will ich nicht kommentieren. Wir sind happy mit dem Mieter Karstadt.

Warum haben Sie sich überhaupt nach Deutschland aufgemacht? Was macht diesen Markt für einen Österreicher so attraktiv?

Einerseits ist es die Tatsache, dass Deutschland nach wie vor die stärkste Wirtschaftsnation in Europa ist und auch bleiben wird. Für uns ist der deutsche Markt schon lange interessant, wir haben ja das erste Büro bereits 2005 in Düsseldorf eröffnet, 2007 folgte dann München. Wir sind in vielen deutschen Städten als Investor aktiv. Der Markt hat ein Riesen-Potenzial.

Ihre Gruppe ist unübersichtlich. Darin finden sich Handelsimmobilien ebenso wie Bürohäuser, ein Resort am italienischen Gardasee wie elegante Gründerzeithäuser in Wien. Wo sehen Sie den Schwerpunkt?

Der Schwerpunkt des Mietertrags kommt immer noch vom Handel. Da haben wir uns in Summe ein Innenstadt-Portfolio von 2,5 Milliarden Euro aufgebaut, davon etwas mehr als die Hälfte in Deutschland, der Rest in Österreich.

Wie gut kennen Sie die Häuser, die Sie kaufen? Schauen Sie jedes einzelne und die Umgebung selbst an – und gehen Sie dort auch durch, vom Keller bis zum Dachboden?

Ich kenne alle, aber für Dachboden und Keller ist die Zeit meist zu knapp, dafür haben wir Profis. Aber wenn wir investieren, schaue ich mir das an. Bei Immobilien gilt nach wie vor: Lage, Lage, Lage. Da gehört die Umgebung dazu, und da gehört der Markt dazu.

Was haben Sie mit Ihren beiden Flaggschiffen in Deutschland vor, dem KaDeWe in Berlin und Oberpollinger in München?

Die wollen wir langfristig in unserem Portfolio halten. Wir sind stolz, solche Häuser besitzen zu dürfen.

Investoren schauen gerade besonders nach Berlin. Haben Sie dort weitere Pläne?

Wir haben in Berlin noch den klassischen Karstadt am Kurfürstendamm gekauft. Darüber hinaus schauen wir uns noch ein paar andere Sachen aktuell an, sowohl Handel als auch Büro und Wohnen. Berlin ist eine boomende Stadt. Wir sind auch in München an zwei großen Projekten interessiert und ebenso in anderen großen deutschen Städten.

Sie sind Chef und Mehrheitseigentümer, habe aber finanzkräftige Partner an Bord – den griechischen Reeder George Economou, oder den israelischen Rohstoffhändler Beny Steinmetz. Setzen die beiden auf Werterhalt oder schnelle Rendite?

Beiden ist eines gemeinsam, sie sind wahnsinnig erfolgreiche Unternehmer. Beide wollten einfach einen Teil ihres Vermögens sicher aber auch lukrativ in Immobilien in Europa und im deutschsprachigen Europa anlegen. Sie wollen Geld langfristig stabil und gut rentierlich investieren. Da ist kein Druck, beide haben einen sehr entspannten Zugang.