Handel

Gutschein muss nicht immer gut sein

Das von Berlin aus gesteuerte internationale Geschäft des Coupon-Portals Groupon bricht dramatisch ein. Kritik von Kunden und Mitarbeitern

Mitunter sagen Worte mehr als Zahlen. Wer eine Erklärung für die miserablen Ergebnisse des von Berlin aus gesteuerten internationalen Geschäfts des Schnäppchen-Portals Groupon sucht, findet auf der Facebook-Seite der Firma Antworten. „So langsam macht es keinen Spaß mehr. Zum zweiten Mal warte ich schon mehr als vier Wochen auf einen Gutschein“, schreibt ein Kunde. Eine Frau postet: „Hallo, ich finde es eine Frechheit, wenn man bei einem Fünf-Gänge-Menü was ganz anderes bekommt, als im Gutschein steht.“

Kunden ärgern sich, Anleger machen sich Sorgen. Das Geschäft drohte zu erlahmen. Die neuen Firmenchefs konnten nun aber wieder bessere Zahlen präsentieren – jedenfalls in Nordamerika, wo der Umsatz um mehr als 40 Prozent auf 339,5 Millionen Dollar zulegte. Das neue Groupon-Führungsduo hält die Geschäfte des Schnäppchen-Portals am Laufen. Nach dem Rauswurf des viel kritisierten Mitgründers und Firmenchefs Andrew Mason legten im ersten Quartal vor allem die Käufe über Smartphones zu. In Nordamerika kam im März schon beinahe jedes zweite Geschäft über ein mobiles Gerät zustande.

Gewerbetreibende können bei Groupon Rabattcoupons anbieten. Das Unternehmen erhält einen Teil der Einnahmen. Dem stehen hohe Kosten für die Verwaltung der Schnäppchen sowie die Werbung gegenüber, die in der Vergangenheit zu roten Zahlen geführt hatten.

Insgesamt stieg der Umsatz im Jahresvergleich um acht Prozent auf 601 Millionen Dollar (457 Millionen Euro). Damit schnitt das Unternehmen besser ab als von Analysten erwartet. Die Aktie stieg nachbörslich um über elf Prozent.

44 Prozent seiner Kunden hat Groupon in den USA und in Kanada, 56 Prozent in anderen Ländern. Im internationalen Geschäft, wo Groupon einst die höchsten Umsätze generierte, sieht die Entwicklung deutlich schlechter aus als in den USA. Hier brach der Umsatz im Jahresvergleich um 18 Prozent von 321 auf 262 Millionen Dollar (199 Millionen Euro) ein. Bis Mitte 2012 lag das von Berlin aus mit 800 Angestellten gesteuerte internationale Geschäft beim Umsatz vor Nordamerika. Seitdem ist es umgekehrt. Berlin verliert an Bedeutung. Die Zahl aktiver Kunden stieg in Nordamerika binnen drei Monaten um eine Million auf 18,2 Millionen. Im internationalen Geschäft ging sie um 300.000 auf 23,5 Millionen zurück. Die Geschäftsentwicklung in Deutschland ist schwer zu beschreiben. Die aktuellste im Bundesanzeiger veröffentlichte Bilanz stammt aus dem Jahr 2010 und weist einen Verlust von 28,45 Millionen Euro aus.

Groupon betrat nach der Übernahme von MyCityDeal im Mai 2010 den deutschen Markt und bezeichnet sich selbst als „die wichtigste und leistungsstärkste Plattform für lokale Preisvorteile“ mit Deals in mehr als 60 deutschen Städten. MyCityDeal war ein Investment der Samwer-Brüder mit Holtzbrinck Ventures. Mitbewerber in Deutschland sind die Unternehmen DailyDeal und Deals.com. Groupon geriet mehrfach ins Visier von Verbraucherschützern. So schreibt die Internet-Plattform Test.de, die meisten Angebote seien an vielerlei Bedingungen geknüpft oder mit teilweise erheblichen Einschränkungen wie zeitlichen Befristungen verbunden. Unter Kunden herrscht Unzufriedenheit, wie ein Blick auf die Facebook-Seite der Schnäppchen-Plattform zeigt. Nicht nur Kunden, auch Arbeitnehmer fühlen sich bei ist Groupon nur mittelmäßig wohl, wie die Arbeitgeber-Plattform Kununu.com schreibt. 119 Mitarbeiter verfassten Erfahrungsberichte: 17 gaben die Note „sehr gut“, 15 „gut“, 17 „befriedigend“ und 70 die schlechteste Note „genügend“. Allerdings scheint sich das Arbeitsklima zu bessern, wie es in einer Bewertung heißt: „Der Ton hat sich sehr verbessert.“

„Unsere Ergebnisse spornen uns an“, sagte Mitgründer und Verwaltungsratschef Eric Lefkofsky am Mittwoch am Firmensitz in Chicago. Er hat zusammen mit seinem Stellvertreter Ted Leonsis vorläufig die Geschäfte übernommen, nachdem sein Kompagnon Mason vor knapp drei Monaten wegen Erfolglosigkeit gehen musste.

Früher hatte Groupon prozentual zweistellig zulegen können, doch in den vergangenen Quartalen hatte das Schnäppchenfieber nachgelassen. Mason hatte für das erste Quartal schlimmstenfalls sogar eine Stagnation vorausgesagt. Groupon steht unter enormem Druck der Investoren. Beim Börsengang Ende des Jahres 2011 hatte die Aktie noch 20 Dollar (15,20 Euro) gekostet, zuletzt waren es weniger als sechs Dollar (4,60Euro). Neben den anhaltenden Verlusten sorgte auch eine Reihe von Patzern dafür, dass Mason gehen musste. So hatte die Börsenaufsicht SEC eine allzu kreative Buchführung bemängelt.