Neue Studie

Sloweniens Manager sind besonders korrupt

Bestechung vor allem in Osteuropa verbreitet

Korruption und Bestechung sind in Europas Wirtschaft offenbar gängige Praxis. Das zeigt eine Studie der Beratungsgesellschaft Ernst & Young. Unrühmlicher Spitzenreiter im Europa-Ranking ist Slowenien. Dort liegt der Anteil der Manager, die Bestechung für üblich halten, bei 96 Prozent. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Kroatien mit 90 Prozent und die Ukraine mit 85 Prozent. Zudem kommen Griechenland, die Slowakei, Serbien und Russland ebenfalls auf Werte von mehr als 80 Prozent. Am wenigsten verbreitet ist Korruption der Untersuchung zufolge in der Schweiz. Dort geben nur zehn Prozent der Manager an, dass Bestechung im Wirtschaftsleben gängige Praxis ist. Ebenfalls Top-Werte erzielen die skandinavischen Staaten Schweden, Finnland mit jeweils zwölf und Norwegen mit 17 Prozent. Deutschland schließlich ist mit einem Wert von 30 Prozent weit besser als der europäische Durchschnitt von 39 Prozent. Ernst & Young befragte 3500 Finanzvorstände, Rechtsexperten und Compliance-Manager.

Dennoch: „Nach unserer Erfahrung ist das Problem der Korruption auch in deutschen Unternehmen noch lange nicht vom Tisch“, sagt Stefan Heißner, Leiter der Abteilung Fraud Investigation & Dispute Services bei Ernst & Young. Nach wie vor könnten sich erstaunlich viele Manager vorstellen, in Notsituationen dem Geschäftserfolg mit unlauteren Mitteln nachzuhelfen.

Und das obwohl die Mehrheit der Unternehmen in der Folge einiger Skandale schon umfassende Antikorruptionsregeln eingeführt hat. Immerhin zwei Drittel der Konzerne in Deutschland haben sich klar zu Antibestechungsrichtlinien bekannt. In Westeuropa insgesamt sind es 49 Prozent. Anstrengungen auf dem Papier seien das eine, sagt Heißner. „Es braucht auch glasklare unternehmensinterne Vorgaben, deren Einhaltung ständig überprüft wird.“ Zwar wirtschaften die Mitarbeiter beim Überschreiten von Grenzen oft nicht in die eigene Tasche, dem Unternehmen erweisen sie dennoch einen Bärendienst. „Inzwischen sollten sich die erheblichen Risiken herumgesprochen haben“, sagt Heißner. „Korruptionsskandale können existenzbedrohend sein.“

In Sachen Schmiergeld sind die Vorlieben unterschiedlich. Während Spanier wie auch Griechen und Belgier persönliche Geschenke bevorzugen, sind in den osteuropäischen Ländern Barzahlungen verbreiteter. Manager in Deutschland dagegen setzen offenbar auf sogenannte Unterhaltungsdienstleistungen. 15 Prozent der Befragten halten der Umfrage zufolge entsprechende Angebote für gerechtfertigt, um ein Unternehmen über einen Wirtschaftsabschwung zu retten – das ist der fünfhöchste Wert in der Statistik.