Unternehmen

Spiele für unterwegs

Mobil-Games liegen im Trend. Kabam aus San Francisco entwickelt solche Titel nun auch in Berlin

Der Bürokomplex im Regus-Center in Berlin-Mitte ist lichtdurchflutet. In der Lounge stehen Macbooks und Snacks, an den Wänden zeigen Flachbildschirme Nachrichten. Mitarbeiter mehrerer Firmen plaudern in den Gängen des Bürokomplexes. Für die kommenden Wochen gehört das Personal des Spieleentwicklers Kabam dazu – bis man ein festes Büro für die 50 Mitarbeiter des Standortes gefunden hat. Die Firma mit Sitz in San Francisco und im Silicon Valley eröffnet nach seinem Luxemburger Büro – es besteht seit 2011 – eine weitere Europa-Niederlassung. Kabam hat sich dafür Berlin als Standort ausgesucht. „Wir schauten uns London, Dublin, Helsinki, Amsterdam und Hamburg an, erkannten aber schließlich, dass Berlin der ideale Ort für ein Unternehmen wie uns ist“, sagt Kabam-Chef Kevin Chou. Berlin kennt sich aus mit Mobilspielen. Firmen wie Wooga haben hier ihren Sitz, die Start-up-Szene lockt ambitionierte Entwickler und Technik-Visionäre an. Die braucht es im sich ständig wandelnden Markt.

Für diesen Wandel ist Kabam ein gutes Beispiel. Das Konzept ihrer Spiele nennt sich „Free to play“. Das sind Games, die es für den Nutzer kostenfrei gibt, allerdings müssen Gegenstände, Levels oder Boni innerhalb des Spiels mit echtem Geld bezahlt werden. Unter Spielern ist das nicht unumstritten. Viel zu oft entscheide so nicht das Können über den Erfolg, sondern wer mehr Geld investiere.

„In diesen Spielen geht es nicht unbedingt um den Wettbewerb“, lenkt Chou ein. „Sie werden von vielen Nutzern gespielt, die nie auf einer Konsole gespielt haben. Da soll es um Atmosphäre, Geschichte und Grafik gehen.“ Doch gerade die Grafik machte es den Gratisspielen anfangs schwer, als authentische Games ernst genommen zu werden. Statt komplexer Spielphysik und 3D-Animation gab es 2D-Formen und Comic-Grafik – wenn überhaupt. Die Gaming-Szene lachte höhnisch, wenn die damals jungen Start-ups ihre Ambitionen unterstrichen, zukünftig mit den Grafiken der Konsolen mithalten zu wollen. Dabei hatten Spötter ihre Rechnung ohne den Siegeszug der Smartphones und Tablets gemacht. „Alle sechs Monate übertreffen sich diese Geräte neu und geben uns Entwicklern neue Möglichkeiten“, sagt Chou. Mittlerweile könne man längst mit den Titeln der Branchenveteranen wie Electronic Arts mithalten, ist der Kabam-Chef überzeugt.

Die Realität sieht zwar nach wie vor etwas anders aus, aber wozu die neuen Spiele in der Lage sind, macht eine Demo von „The Fast & Furious“ deutlich. Das Spiel soll in den kommenden Tagen nach dem Kinostart des Films veröffentlicht werden und ist ein Rennspiel im Stile von „Need For Speed“: Quietschende Reifen, schillernder Lack, qualmende Motoren – noch nicht ganz so detailreich wie auf der Playstation, aber erschreckend nah dran. „Und dabei handelt es sich noch nicht um die endgültige Fassung“, so Unternehmenssprecher Steve Swasey. Spieler können umsonst Autorennen fahren, wer jedoch sein Auto schick aufmotzen möchte, muss Geld investieren.

„Dieses Modell wird sich durchsetzen. Auch Playstation und Xbox haben mit ihren neuen Konsolen bereits Interesse angekündigt, ‚Free to play‘ für ihre Geräte zu ermöglichen“, so Chou. Sobald das möglich sei, würde Kabam auch für Konsolen entwickeln. Auch wenn die Firma ihr Kerngeschäft im Mobilmarkt sieht.