Start-Up

Eine Garage für grüne Gründer

Europäische Union unterstützt Firmen mit klimafreundlichen Visionen – Neuer Inkubator am Gasometer eröffnet

Die Green Garage füllt sich mit Leben. Die ersten Start-ups sind in das frisch renovierte Gebäude auf dem Euref-Campus am Schöneberger Gasometer eingezogen. Der neue Inkubator für Gründer, die an Klima-Innovationen arbeiten, ist ein Projekt von Climate-KIC, einem Öko-Netzwerk der Europäischen Union.

Die Initiative unterstützt Start-ups mit Beträgen in Höhe von bis zu 95.000 Euro, Büros und einem Mentoring-Programm. Climate-KIC verfügt in ganz Europa über fünf nationale Zentren. Die in Berlin angesiedelte Deutschland-Filiale arbeitet mit der Gründungswerkstatt der Technischen Universität zusammen und hat bereits 23 Start-ups gefördert – von denen einige hier vorgestellt werden. Auf der Suche nach einem Standort wurde die Organisation auf dem eigenen Campus fündig. Ein Garagentrakt von 1927, der abgerissen werden sollte, stellte sich als geeignetes Domizil heraus. Das Gebäude wurde klimafreundlich saniert: stark dämmende Fensterscheiben, 20 Kilowatt Photovoltaik auf dem Dach, Anschluss ans Smart-Grid-Stromnetz des Euref-Campus, Biogas-Heizung. Das Gebäude bietet insgesamt sechs Start-ups Platz – jedes in seiner Garage.

Urban Farming

Fische und Gemüse mitten in der Großstadt züchten – dieses Ziel haben sich Christian Echternacht und seine Mitgründer Karoline vom Böckel und Nicolas Leschke von „Efficient City Farming“ gesetzt. Sie haben auf der Basis eines handelsüblichen 20-Fuß-Schiffscontainers eine zweistöckige Containerfarm entwickelt. Die Fischzucht ist im Container untergebracht und in einem Gewächshaus auf dem Dach des Containers wächst das Gemüse, welches mit dem nährstoffreichen Abwasser aus der Fischzucht gegossen beziehungsweise gedüngt wird. Die Abwärme der Fischzucht heizt zudem das Gewächshaus, was einen ganzjährigen Betrieb ermöglicht. „Wir nutzen das Wasser doppelt“, verweist Echternacht auf die ökologische Dimension des Projekts. „Wir verbrauchen global zu viel Süßwasser für die Nahrungsproduktion“, sagt der Gründer. Es werde in der Zukunft schwierig, neun Milliarden Menschen mit Süßwasser zu versorgen. Die Containerfarm kostet 32.000 Euro.

Was im Container funktioniert, wollen die Gründer jetzt auch in einer 1800 Quadratmeter großen Stadtfarm versuchen. Das Start-up plant den ersten Spatenstich noch für 2013 auf dem Gelände der Tempelhofer Malzfabrik. „Pro Jahr können wir 24 Tonnen Fisch und 35 Tonnen Gemüse erzeugen“, haben die Gründer errechnet. „Das reicht für 350 Gemüsekisten-Abos“, sagt Echternacht. Die Erzeugnisse der Farm sollen möglichst ohne klimaschädlichen Transport mit energieintensiven Kühlketten, also CO2-effizient zum Verbraucher gelangen. „Wir können Kunden auf dem Preisniveau von Biomärkten beliefern“, sagt Echternacht. Momentan verhandelt das Berliner Start-up mit Investoren in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Puzzle Strom

Stromkunden zu Selbstversorgern machen – das haben sich die Gründer von Puzzle Strom vorgenommen. Sebastian Ritter und seine vier Cofounder-Kollegen sind unzufrieden mit dem Verlauf der Energiewende und fasziniert von der Möglichkeit, die Produktion von Ökostrom in die Hände der Verbraucher zu legen. Ihr Geschäftsmodell sieht den Verkauf von Ökostrom und den Bau von dezentralen und crowdfinanziertzen Ökostrom-Kraftwerken (Sonne, Wind und Wasser) vor. Stromkunden kaufen monatlich für einen frei wählbaren Betrag Anteile dieser Kraftwerke. Die Investitionen werden mit der monatlichen Stromrechnung abgerechnet. „Jeder Stromkunde kann sich mit mindestens fünf Euro beteiligen“, sagt Sebastian Ritter, der für das Marketing zuständig ist. „Jeder Kunde kann einen immer größeren Teil seines Strombedarfs selbst decken und wird dadurch im Laufe der Zeit zum Selbstversorger.“ Das Start-up wurde im Januar 2013 gegründet und will nach einer geschlossenen Testphase im Sommer mit seinem Produkt auf den Markt gehen.

Future Watt

Heizkosten-senken.de heißt die Webseite von Future Watt. Hauseigentümer und Mieter tragen in den Rechner ihre Postleitzahl, den Brennstoff, die aktuellen Heizkosten und einige Detailangaben ein. Die Webseite errechnet die mögliche Einsparung durch einen Wechsel des Energieträgers, der Technik oder des Versorgers. Das Unternehmen bietet eine weitergehende Beratung an. Das Geschäftsmodell sieht Provisionen für Vertragsabschlüsse vor. – „Unsere Webseite ist noch im Aufbau“, sagt Kristofer Fichtner, der Technikchef des Start-up. Nutzer können momentan nur zwischen Heizöl und Erdgas wählen. Geplant sei die Erweiterung auf Solartechnik, Flüssiggas, Elektro- und Ofenheizungen. Future Watt wurde im Mai 2012 gegründet und konzentrierte sich anfangs auf die Beratung von Unternehmen. Seit März 2013 können auch Heizkosten von Privathaushalten errechnet werden.

Elektro-Lastenräder

Dieses Start-up ist schon zu groß und zu erfahren für den Inkubator Green Garage, arbeitet aber immer noch unter dem schützenden Dach von Climate-KIC. Urban-e ist eine Fahrradwerkstatt der besonderen Art. Das Start-up baut Elektro-Lastenfahrräder für die innerstädtische Logistik. Jedes Lasten-Fahrrad ersetzt ein Auto. Die Fahrgestelle aus Aluminium stammen aus Dänemark, die Technik aus Berlin. Die Lastenkiste – optional mit einem Photovoltaik-Element auf dem Deckel – kann bis zu 100 Kilogramm schwere Güter fassen und ist zwischen Vorderrad und Lenker angebracht. Der Motor steckt in der Nabe des Vorderrades und verleiht dem Rad eine Höchstgeschwindigkeit von 25 Stundenkilometern. Abhängig von der Leistung der eingebauten Batterie haben die Lastenräder eine Reichweite von bis zu 250 Kilometern. Je nach Modell sind die Räder mit Sieben- oder Achtgangschaltung ausgestattet und kosten ab 3500 Euro. Urban-e bietet seine Räder auch als Leasingprodukte an.

Das Start-up besteht seit Januar 2012 und hat schon mehr als 100 Lastenräder vor allem in Deutschland verkauft, wie Geschäftsführer Frank Müller berichtet. Das Unternehmen hat inzwischen sechs Mitarbeiter. Urban-e will mit seinen CO2-schonenden Produkten die Lücke zwischen Rad- und Autokurier schließen. Zu den Kunden zählt neben dem Kurierdienst „Messenger“ der Fischgroßhändler Deutsche See, der vom Großmarkt an der Beusselstraße aus mit seinen neuen Elektro-Lastenrädern von Urban-e Restaurants mit frischem Fisch beliefern will. Bei diesen Modellen ist die Lastenkiste besonders isoliert und mit einem elektrisch betriebenen Kühlaggregat ausgestattet.

Carzapp

Das mehrfach preisgekrönte Start-up will Autobesitzer dazu motivieren, ihren Privatwagen in Zeiten zu vermieten, in denen sie ihn entbehren können. Dazu haben die Gründer des Carsharing-Unternehmens eine App erfunden und ein Steuergerät, das in das Auto eingebaut wird. Nachdem der Mieter einen Wagen im Internet gebucht hat, geht er zum Parkplatz des Mietwagens, öffnet ihn mit der App, die einen Impuls an das Steuergerät sendet, und fährt los. Momentan befindet sich das Start-up in einer Testphase.