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Spielend spenden

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Daddeln für einen guten Zweck: „Sidekick Cycle“ schenkt Kindern Fahrräder – im wahren Leben

Elizabeth Sarquis’ Sohn war 14 Jahre alt, als er ihr eines Abends sagte: „Mama, du musst etwas tun, um diesen Kindern zu helfen.“ Gemeint waren Kinder in Ecuador und stellvertretend für sie ein gewisser Javier. Sarquis’ Sohn hatte den Zehnjährigen im Rahmen eines Projektes einer Non-Profit-Organisation kennengelernt und sich gewundert, warum er nicht gern zur Schule ging. Schließlich, so versuchte er ihm klarzumachen, sei Bildung der Weg für ein besseres Leben. Der Grund für Javiers Abneigung war sein Schulweg: Jeden Tag musste er drei Stunden hin und drei Stunden zurücklaufen.

Elizabeth Sarquis nahm das Erlebnis mit ihrem Sohns als Anlass und gründete die Global Gaming Initiative (GGI) – eine Organisation, die mit Hilfe von Videospielen Gutes tun soll. Ihr erstes Spieleprodukt stellte sie nun im Rahmen der Berliner „Gamestage“ der Öffentlichkeit vor: „Sidekick Cycle“.

In dem Spiel, das Anfang Juni für Mac iOS und kurz darauf für Android-Geräte erscheinen wird, steuert man einen Fahrradfahrer durch 50 verschiedene Levels, in denen er versucht, Münzen einzusammeln, coole Luftsprünge zu zeigen und möglichst nicht auf die Nase zu fallen. Begleitet wird er von den sogenannten Sidekicks – knuddelige Tierwesen, die um den Biker schweben und ihm Vorteile während des Rennens verschaffen. Manche können den Fahrer wiederbeleben, andere wirken auf die herumliegenden Münzen wie ein Magnet.

Simple Steuerung, großer Spaß

Die Steuerung ist simpel: Der Radler bewegt sich von ganz alleine. Der Spieler versucht lediglich mit Sprüngen möglichst viele Schätze einzusammeln und Kollisionen zu vermeiden. Drückt man kurz auf den Touchscreen, macht das Rad einen kleinen Sprung. Lässt man länger gedrückt, dreht Fahrrad samt Fahrer einen Rückwärtssalto, der zusätzliche Punkte bringt. Entwickelt wurde das Spiel von dem Berliner Start-up-Unternehmen It Matters Games.

„Uns war wichtig, dass das Spiel nicht sofort mit dem Zeigefinger darauf hinweist, dass die Menschen spenden sollen. In erster Linie soll es schnell erlernbar sein und Spaß machen“, erklärt Sarquis. Die Hälfte des Profits spendet GGI – in Form von Fahrrädern. Für je 387 App-Downloads erhält ein Kind in einem Entwicklungsland über die Non-Profit-Organisation World Bicycle Relief ein Fahrrad. Wer das Spiel für 99 Cent herunterlädt, hat also bereits einen Beitrag geleistet. Auch deswegen bedankt sich die App, noch bevor man auch nur eine einzige Runde gespielt hat. Wer zusätzlich helfen möchte, kann Einkäufe innerhalb der App tätigen. Zur Auswahl stehen coole Kostüme für den Fahrer, bessere Räder oder andere Sidekicks mit wieder anderen Fähigkeiten.

Trotz der geringen Komplexität des Spiels soll es dank Highscores für Langzeitmotivation sorgen. Über Social-Media-Kanäle sollen Bestleistungen geteilt werden. Dass ein Spiel trotz simpler Steuerung Erfolg haben kann, zeigte vergangene Woche „Rayman Jungle Run“, ebenfalls für iPhone und iPad entworfen. Bei den LARA-Awards wurde das Jump’n’Run als bestes internationales Mobile-Game ausgezeichnet.

Auch Sarquis und ihr Team entschieden sich bewusst für ein Mobilspiel. „Wir leben im Smartphone-Zeitalter. Als wir sahen, dass die beliebtesten Apps Spiele sind, war uns klar, dass wir so die meisten Menschen erreichen können. Man hat das Gerät immer dabei, kann von überall spielen. Schnell, spaßig, einfach – das war unser Motto“, so Sarquis.

Sie selbst habe schon zuvor mit mehreren unterschiedlichen Projekten versucht, die Arbeit von Non-Profit-Organisationen zu unterstützen. Es mit einem Spiel zu versuchen, sei jedoch auch für sie, eigentlich studierte Politikwissenschaftlerin, Neuland gewesen. Doch schon jetzt plant sie weitere Projekte für ihre Global Gaming Initiative. „Ich möchte die Welt verändern“, sagt Elizabeth Sarquis und macht deutlich, worum es ihr in erster Linie geht. Und Spiele zu entwickeln, scheint ein angenehmer Weg zu sein, den Wandel voranzutreiben.