Tarifkonflikt

Lufthansa bleibt am Boden

73 Flüge in Berlin wegen Warnstreiks gestrichen. Kein Chaos in Tegel und Schönefeld

Bei der Lufthansa hat das Bodenpersonal mit einem Warnstreik den Flugverkehr nahezu lahmgelegt. In Berlin wurden nach Angaben der Fluggastinformationen am Montag 73 ankommende und startende Flüge gestrichen. Besonders betroffen waren die Verbindungen zu den Lufthansa-Drehkreuzen Frankfurt und München. Keine Einschränkungen gab es auf den innerdeutschen Verbindungen nach Stuttgart und Köln, die von der Lufthansa-Tochter Germanwings bedient werden. Bundesweit beteiligten sich an den flächendeckenden Aktionen mehrere Tausende Mitarbeiter, wie die Gewerkschaft Ver.di in Berlin mitteilte. Weil in Schönefeld und Tegel jedoch viele Bodendienstleistungen von der Firma Globeground übernommen werden, waren die Hauptstadt-Airports weniger stark betroffen als viele andere Flughäfen.

Früh umgebucht

Viele Passagiere hatten bereits im Vorfeld umgebucht oder bekamen vor Ort Ausweichflüge zugewiesen. Die 20-jährige Maria etwa hatte ein Wochenende in Berlin bei ihrem Freund verbracht und wollte zurück nach Madrid über Frankfurt mit Lufthansa fliegen. Wegen des Streiks musste sie nunmehr in Brüssel umsteigen. „Einerseits bin ich erleichtert, weil ich doch fliege, andererseits weiß ich noch nicht, ob ich einen Flug von Brüssel nach Madrid bekomme und wo ich übernachten werde. Das wird sich erst in Brüssel entscheiden“, sagte sie .

Vor ähnlicher Ungewissheit standen auch einige andere Fluggäste in Tegel, die die Umbuchung ihrer Flüge vorzeitig nicht geschafft hatten. Die Mitarbeiter von Globeground hatten zwar versucht, die Fluggäste nach Möglichkeit umzuleiten. Manche hatten aber Pech und mussten selbst bei einer extra geschalteten Hotline anrufen, die wegen der Nachfrage lange besetzt war. Die meisten Fluggäste wurden aber über den Streik im Voraus per E-Mail informiert. Auch deshalb gab es an den Berliner Airports kein Chaos. Auch am Berliner Hauptbahnhof blieb es ruhig, obwohl die Bahn zusätzliche Züge und mehr Personal einsetzte. Für Inlandverbindungen hatte die Fluggesellschaft ihre Kunden auf die Fernzüge der Bahn verwiesen, auf die Flugtickets umgebucht werden konnten.

Bereits im Vorfeld hatte die Lufthansa fast alle für Montag vorgesehenen Flüge gestrichen. Von knapp 1800 geplanten Verbindungen starteten nur 32.

Der Warnstreik sei das richtige Signal an Lufthansa, sagte Christine Behle, Ver.di-Bundesvorstand und Verhandlungsführerin in der Tarifauseinandersetzung. „Gemeinsam machen wir deutlich, dass wir die absurden Forderungen nach Lohnsenkungen nicht hinnehmen werden, sondern uns dagegen zur Wehr setzen“, sagte Behle bei einer Kundgebung am Flughafen in Hamburg.

Viele von den 180 Streikenden, die zur Kundgebung in Berlin gekommen waren, trugen Abzeichen wie „Ausgefranzt“ und „Ich bin ein Strukturproblem.“ Eine Ticketschalter-Mitarbeiterin, die bereits seit 27 Jahren im Unternehmen ist, erklärte: „Diese Slogans kritisieren vor allem unsere Leitung. Früher konnte man sich mehr oder weniger mit den Chefs verständigen, bei Christoph Franz muss man streiken.“

Ver.di fordert 5,2 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von zwölf Monaten und Jobgarantien für rund 33.000 Mitarbeiter. Lufthansa hatte die Forderungen mit einem nach Geschäftsfeldern modifizierten und in Teilen erfolgsabhängigen Vergütungsangebot gekontert. Über einen Zeitraum von 29 Monaten kämen einzelne Berufsgruppen auf eine Steigerung von mehr als drei Prozent, hatte Personalvorstand Stefan Lauer erklärt.

Jobgarantien macht Lufthansa von strukturellen Änderungen etwa zu längeren Arbeitszeiten und verschobenen Stufensteigerungen abhängig. Die nächste Verhandlung zwischen den Tarifparteien steht in einer Woche, am 29. und 30. April, an.

Kritik von der FDP

Die FDP kritisierte die Warnstreiks des Bodenpersonals bei der Lufthansa als unverantwortlich. „Die Fluggäste dürfen nicht in Geiselhaft genommen werden für eine Tarifauseinandersetzung“, sagte FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle. Warnstreiks und Maßnahmen in dem Ausmaß seien kein Ausdruck für gesellschaftliche Verantwortung. Die Tarifparteien müssten sich zusammensetzen und vernünftige Regelungen finden.

Die Lufthansa lässt sich den Konflikt mit Ver.di einiges kosten. Rund 150.000 Passagiere konnten laut Angaben von Europas größtem Luftfahrtkonzern nicht befördert werden. Offiziell beziffert die Lufthansa den Schaden mit einer Summe von rund 20 Millionen Euro. Letztlich kann der Verlust aus der Nichtbeförderung aber nur geschätzt werden, da der immaterielle Schaden nur schwer festzumachen ist. Denn vor allem die gut zahlenden Geschäftsreisenden werden aufgrund der langen Vorlaufzeit bei Zielen in Übersee auf andere Anbieter umgebucht haben. Wenn sie dort positive Erfahrungen machen, könnten sie womöglich so schnell nicht wieder zur Lufthansa zurückkehren. Allerdings spart die Lufthansa am Streiktag auch Kosten für Kerosin und Personal.

Lufthansa rechnet damit, dass sie den Flugplan bereits am Dienstag ohne wesentliche Störungen wieder abfliegen kann. „Wir haben unsere Flugzeuge gut positioniert“, sagte ein Sprecher. In Berlin starteten die ersten Maschinen bereits am frühen Nachmittag wieder.