Zukunft

Drachenzähmer der digitalen Welt

Auf der Trendkonferenz „Next Berlin“ beraten 1500 Teilnehmer über die großen Zukunftstrends

„Hier könnten Drachen sein“ – Der Internetkongress „Next Berlin“, der an diesem Dienstag beginnt, hat sich mit dem Slogan „Here be Dragons“ ein äußerst nebulöses Thema gewählt. Es soll als ein Imperativ verstanden werden, das Unbekannte zu entdecken und die Grenzen zu einer neuen Welt zu überschreiten.

Mit den Worten „Here be Dragons“ wurde auf frühen Weltkarten der unentdeckte Raum jenseits der bekannten Welt beschrieben, wo Seefahrer Monster und Schlangen vermuteten. So jedenfalls ist es bei Wikipedia nachzulesen. Jetzt greift die „Next“ dieses Motto auf, unter dem schon der Chaos Computer Club 2009 tagte, übrigens am gleichen Ort, dem Berliner Congress Centrum an der Alexanderstraße 11 in Mitte.

Der Drache, den es zu entdecken gilt, ist die digitale Welt. Und seine Kraft ist die Veränderung gelernter Gewohnheiten. Ansatzweise ist das bei Menschen, die das Internet nicht als Feind betrachten, bereits geschehen. Sie kaufen Online. Sie teilen Emotionen in Netzwerken. Sie empfehlen Orte. Doch das ist erst der Anfang. Und diese Weiterentwicklung ist das Thema der Trendkonferenz „Next“, die nun schon zum achten Mal stattfindet.

„Einen einzelnen Trend zu benennen, würde an der Realität vorbei gehen“, sagt Konferenzmanager Martin Recke. „Wir sehen vier wichtige Strömungen, deshalb haben wir uns für das Oberthema ,Here be dragons‘ entschieden, das unterstreicht, dass die digitale Wirtschaft viele neue Felder und Bereiche entdeckt, in die man sich mutig vorwagen sollte, um nicht wirtschaftlich abgehängt zu werden.“

In einem ersten Schwerpunkt geht es um unsichtbare Technologien, das Verschwinden der Computer und die Verlagerung ihrer Rechenleistung in die Internet-Cloud. Ein weiterer Schwerpunkt sind neue Nutzungskontexte für Internettechnologien, die immer bedeutsamer werden. Ein Beispiel dafür sind Internetbrillen wie Google Glass, die ortsabasierte Daten in das Sichtfeld ihres Benutzers einblenden.

Beim Maker-Movement, dem dritten Schwerpunkt, geht es um neue Hardware-Technologien, die das Leben der Menschen in der digitalen Welt verändern. Ein Beispiel ist die Möglichkeit, Gegenstände dreidimensional ausdrucken zu können. Ein vierter Schwerpunkt beschäftigt sich mit Geräten oder Schnittstellen, die das Verhältnis von Mensch und Maschine neu definieren.

Zum Kongress werden 1500 Teilnehmer erwartet. 150 Experten zeigen auf drei Bühnen und in Workshops ihr Wissen. Veranstalter der „Next“ ist die Hamburger Agentur Sinner Schrader.

An Branchenprominenten wurden der US-Blogger Robert Scoble, der Suchmaschinenerfinder Stephen Wolfram (Wolfram Alpha) und Harper Reed, der Digitalchef der datengetriebener Wiederwahlkampagne von US-Präsident Barack Obama, eingeladen. Die Zukunftsforscherin Marina Gorbis wird die Konferenz eröffnen und in ihrer Rede ihre Erkenntnisse mitteilen, die sie in ihrem Buch „The Nature of the Future“ veröffentlicht hat.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück wird in einem Interview Fragen beantworten. Und zwölf ausgewählte Start-ups – darunter zwei Berliner – haben die Gelegenheit, sich auf der Bühne des Telekom-Inkubators hub:raum vorzustellen.