Energieunternehmen

Die Samsung-Show eines Berliner Start-ups

Wie die Energiefirma Younicos aus Adlershof eine Kooperation mit dem koreanischen Konzern verkauft

– An Selbstbewusstsein mangelt es der Younicos AG aus Berlin nicht. Das Motto lautet „Let the fossils rest in peace“. Die Botschaft: Wer auf fossile Brennstoffe setzt, ist selber ein Fossil, ein ausgestorbenes Wesen von vorgestern. Konkret geht es dem 2006 gegründeten Berliner Energie-Start-up darum, mit großen Speichersystemen, sprich Batterien, der Energiewende einen kräftigen Schub zu verpassen. „Sie verlassen den CO2 produzierenden Sektor dieser Welt“, steht an der Tür zum turnhallengroßen Gebäude von Younicos in Adlershof, wo am Montag auch noch eine „strategische Partnerschaft zum Bau wettbewerbsfähiger Netz-gebundener Großspeicher“ mit dem südkoreanischen Technologieriesen Samsung bekannt gegeben wird.

Hier das Start-up mit 60 Mitarbeitern aus Berlin, dort der Koloss aus Asien, der in seiner Batteriesparte fast 15.000 Menschen beschäftigt: Das klingt beeindruckend. Zumal zur Verkündung dieser Kollaboration eine Delegation aus Südkorea anreiste. Bei genauer Betrachtung ist die „exklusive Partnerschaft“ aber vor allem eine recht alltägliche Firmenkundenbeziehung: Samsung will seine Batterien loswerden und Younicos braucht die Akkus. Ein großer Konzern liefert einem kleinen Mittelständler Komponenten. Und die Samsung-Leute um Yoon YeoChang waren wohl vor allem deswegen da, weil von Dienstag bis Donnerstag in Berlin die Konferenz „Energy Storage World Forum“ stattfindet.

„Natürlich profitiert Samsung davon, dass wir in Deutschland Gegebenheiten und Akteure – Netzbetreiber, Energieversorger, Politik – gut kennen“, sagt Younicos-Chef Clemens Triebel. Samsung-Manager Yoon sagt, man sei dankbar, den „Wert von Energiespeicherung für Erneuerbare demonstrieren zu können“.

Großspeicher für Energiewende

Worum es genau geht? Younicos will den Einsatz von Großspeichern vorantreiben. Mit den Riesenakkus soll ein Problem gelöst werden, das sich mit dem rapiden Aufstieg der erneuerbaren Energien aus Wind und Sonne in den Stromnetzen ergibt. Je nach Sonnen- und Windlage wird derzeit innerhalb kurzer Zeit sehr viel Energie produziert oder es fallen – bei Flaute und Wolkenhimmel – Produktionskapazitäten aus. Das ist schlecht für die Stabilität des Stromnetzes, weswegen gerade in der Politik intensiv über einen Leitungsausbau gestritten wird. Eine Alternative, zumindest aber Ergänzung wären große Speicher. Diese nehmen die Energie auf, wenn es zu viel stürmt und/oder die Sonne scheint. Und wenn Bedarf ist, geben die Akkus Strom zurück ins Netz. Die Leitungen bleiben dank dieser Regelenergie stabil; gleichen Atom-, Kohle- und Gaskraftwerke die Schwankungen im Netz aus. Younicos hat einen Speicher entwickelt, der die Regelenergie liefern kann. Er besteht aus Samsung-Komponenten. Der Beitrag der Berliner ist nach eigener Auskunft das sogenannte Energie-Management. Vor allem geht es darum, mittels Software die einzelnen Batteriekomponenten zu steuern.

Im Zukunftsmarkt der Großspeicher ist das ein durchaus wichtiger Service. Allerdings: Samsung SDI kümmert sich genau darum auch und produziert überdies alle benötigten Komponenten selbst. Ein Gemeinschaftsunternehmen bildet man nicht mit Younicos. Die Berliner übernehmen vor allem die Federführung, wenn Pilotprojekte zur Speicherung ausgeschrieben sind, wie derzeit in einem deutschen Stadtwerk. Dort sollen Younicos und Samsung eine Großbatterie mit einer Kapazität von fünf Megawatt aufstellen. Die Investition von 15 Millionen Euro, sagt Younicos-Chef Triebel, werde mit 20 Prozent gefördert. Das Geschäftsmodell: Der gespeicherte Regelstrom wird über die Strombörse verkauft.

Triebel betont den Exklusivvertrag, den Younicos für derartige Projekte mit Samsung habe. Allerdings: Bislang gibt es noch keinen Markt dafür. Sollte der sich in Deutschland, Österreich und der Schweiz entwickeln, bekommt Samsung dank Younicos Wind davon. Hinter Younicos stehen Pioniere der deutschen Solarbranche, die von deren Niedergang ordentlich profitierten. Triebel zum Beispiel war Mitgründer des Berliner Modulherstellers Solon, ebenso Alexander Voigt, der bis vor kurzem Vorstandschef von Younicos war. Über die Investmentgesellschaft Aeris Capital mit Sitz auf den Cayman Islands ist auch SAP-Mitbegründer Klaus Tschira dabei. Der Kosmetik-Konzerns Immo Ströher zählt ebenfalls zu den Geldgebern.

Bislang hat Younicos stets Verlust ausgewiesen. 2011 lag der Jahresfehlbetrag laut Firmensregister bei 10,5 Millionen Euro, der Umsatz bei 1,7 Millionen Euro.