Werbung

Weltgrößter Braukonzern warnt vor den Gefahren des Alkohols

Welch seltenes Ereignis: Mechthild Dyckmans (FDP), die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, lobt Anheuser-Busch InBev, den weltgrößten Bierbrauer.

Der will Warnhinweise auf die Bierflaschen seiner Marken drucken lassen, unter ihnen Beck’s, Hasseröder und Franziskaner. Zu sehen sind ein durchgestrichenes Auto und die durchgestrichene Silhouette einer Schwangeren, die zum Trinken ansetzt. „Wir wollen damit deutlich machen, dass Alkohol in der Schwangerschaft und am Steuer keinen Platz hat“, sagt Chris Cools, Deutschlandchef des Konzerns.

In der Branche macht sich Anheuser-Busch InBev damit keine Freunde. Warnhinweise gelten als tabu, wie ein Positionspapier des Deutschen Brauer-Bundes zeigt: „Der verantwortungsvolle Konsum von alkoholhaltigen Getränken lässt sich nicht durch Piktogramme verhindern.“ Die Hinweise stempelten die Getränke als grundsätzlich gefährlich ab und erreichten nicht diejenigen, die Alkohol wider besseres Wissen konsumieren. Dass Alkohol mit dem Autofahren und einer Schwangerschaft nicht vereinbar sei, wisse ohnehin jeder. Das sieht Dyckmans anders. „Es ist leider zu wenig bekannt, dass Alkohol das ungeborene Kind schädigt“, sagte die Politikerin der Berliner Morgenpost. Nur der Verzicht auf Alkohol könne fetale Alkoholschäden vermeiden.

Welche Schäden der Alkoholkonsum anrichten kann, zeigt der Jahresbericht der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen. „Jährlich sterben in Deutschland 74.000 Menschen, weil sie exzessiv trinken oder stark trinken und rauchen“, heißt es dort. Pro Jahr trinke jeder Bundesbürger im Durchschnitt 137 Liter Bier, Wein und Schnaps – entsprechend einer vollen Badewanne. Der Grenzwert für einen risikoarmen Konsum sei bei einer Frau schon bei einem kleinen Glas Bier täglich erreicht, bei Männern bei zwei Gläsern.

Neu sind Warnhinweise auf Alkoholflaschen nicht. Auch die von Anheuser-Busch InBev genutzten Piktogramme sind bereits im Einsatz, zum Beispiel auf Flaschen des Spirituosenherstellers Pernod-Ricard, dem unter anderem die Marken Ramazzotti, Malibu und Chivas Regal gehören. Dennoch: Für die Brauereien sind die Warnhinweise ein großer Schritt. Anschließend will Anheuser-Busch InBev auch seine Werbematerialien anpassen und mit den Piktogrammen bedrucken, also beispielsweise Plakate oder Bierdeckel. Fernsehwerbung dagegen bleibt frei von Warnhinweisen.