Personalien

Ex-Profi-Kicker wird Puma-Chef

Norweger Björn Gulden soll kriselnden Sportartikelhersteller fit machen

Vier Monate nach dem angekündigten Abgang von Franz Koch von der Führungsspitze bekommt der Herzogenauracher Sportartikelhersteller Puma einen neuen Chef. Der 47 Jahre alte Norweger Björn Gulden werde ab dem 1. Juli das Unternehmen führen, teilte Puma mit. Gulden arbeitete zuletzt beim dänischen Schmuckhersteller Pandora. Der Sportartikelhersteller beendet damit ein längeres Führungsvakuum. Im Dezember hatte der französische Mehrheitseigner PPR, der ab Mitte Juni unter dem Namen Kering firmiert, erklärt, sich von Koch im „beidseitigem Einvernehmen“ zu trennen. Die Franzosen hatten nicht ausreichend Vertrauen darin, dass der 34 Jahre alte Koch den Konzern ohne den mächtigen Verwaltungsratspräsidenten Jochen Zeitz führen könnte.

Auf den neuen Puma-Chef wartet viel Arbeit. Das Unternehmen sah sich im vergangenen Jahr wegen schlecht laufender Geschäfte gezwungen, ein Effizienzprogramm vorzuziehen und die Kosten zu drücken. Der Jahresgewinn war um mehr als zwei Drittel auf 70 Millionen Euro eingebrochen. Die Entwicklung hatte auch zu harter Kritik des neuen Verwaltungsratspräsidenten Jean-François Palus geführt. „Die Marke ist fantastisch. Doch die Ergebnisse sind überhaupt nicht fantastisch“, klagte er.

Gulden will die Herausforderungen nun entschlossen angehen. „Puma hat sowohl im Sport- als auch im Lifestylebereich ein enormes Potenzial, und ich kann es nicht erwarten, dieses Potenzial auszuschöpfen und damit weiteres Wachstum des Unternehmens in den kommenden Jahren zu ermöglichen“, sagte er.

Eine der ersten Aufgaben von Gulden wird es sein, das Führungsteam, das unter mehreren Abgängen gelitten hat, wieder in die Spur zu bringen. Zuletzt verließen Marketingchef Antonio Bertone, Beschaffungschef Reiner Seiz und Chief Operating Officer Klaus Bauer das Unternehmen. Darüber hinaus hatte Koch auch die Position des Produktchefs inne. Ob diese Stellen neu im Vorstandsrang besetzt werden und wie die Ressorts zugeschnitten werden, muss Gulden nun entscheiden.

Mit Gulden fällt erneut die Wahl auf einen früheren Sportler für die Unternehmensspitze. Der 47-jährige Manager war einst ein Profifußballer und spielte zeitweise auch für den 1. FC Nürnberg – in unmittelbarer Nähe also zum Puma-Sitz im fränkischen Herzogenaurach.

Das Vertrauen des Mehrheitsaktionärs PPR hat der Norweger jedenfalls. „Ich bin davon überzeugt, dass Björn Gulden der richtige Mann ist, um Puma konsequent durch das derzeitige Restrukturierungs- und Transformationsprogramm zu führen mit dem Ziel, das begehrteste und nachhaltigste Sportlifestyle-Unternehmen der Welt zu werden“, sagte Verwaltungsratschef Palus einer Mitteilung zufolge.

Der französische Puma-Mutterkonzern ist gerade dabei, seinen 2006 mit dem Verkauf der Nobelkaufhauskette Le Printemps eingeleiteten Umbau vom Einzelhandelsunternehmen hin zum Luxus- und Sport-Lifestyle-Konzern abzuschließen. Als eine der letzten Etappen will PPR nun am 20. Juni seine Elektronik- und Kultur-Kaushauskette Fnac abspalten und an die Börse von Paris bringen. Im zweiten Halbjahr will der Konzern zudem seine Versandhandelstochter La Redoute verkaufen.

Der Verwaltungsrat habe den Spin-Off abgenickt, hatte PPR am Mittwoch mitgeteilt. Die Mitarbeiter der Fnac-Gruppe, die in Südeuropa und Brasilien vertreten ist, hätten ebenfalls zugestimmt. PPR hatte ursprünglich nach einem Käufer für die Fnac gesucht – vergeblich. Denn Medien-Kaufhäuser kämpfen angesichts der starken Konkurrenz von Internethändlern wie Amazon mit Problemen.