Konjunktur

Berliner Handwerk profitiert vom Industrieausbau

Die meisten Betriebe blicken optimistisch in die Zukunft, auch wenn das laufende Jahr nicht ganz so gut begann wie erwartet

Die weltweite Konjunkturabschwächung macht auch dem Berliner Handwerk zu schaffen: Der Geschäftsklimaindex der Handwerkskammer – errechnet aus einer Umfrage zu Umsatz, Aufträgen und Erwartungen – erreicht in diesem Jahr nur noch 104 Punkte. „Im Vergleich zum Vorjahr verliert der Index zwar neun Punkte, der Stand vom Frühjahr 2012 war allerdings auch der beste Frühjahrswert seit 20 Jahren“, sagte Kammerpräsident Stephan Schwarz am Mittwoch bei der Vorlagedes Konjunkturberichts für das Frühjahr 2013. Fast 80 Prozent der Betriebe schätzen die aktuellen Geschäftsergebnisse demnach als gut oder zufriedenstellend ein, knapp 21 Prozent bewerten sie dagegen als schlecht. „Das Handwerk steht auf sicheren Füßen, wenn auch eine Schuhgröße kleiner.“

Das zeigt sich vor allem an den Umsätzen des laufenden Jahres, die noch schlechter ausfallen als von den Unternehmen erwartet. Gingen im Frühjahr 2012 noch 27 Prozent der Betriebe von sinkenden Erlösen aus, sind es aktuell bereits 33 Prozent. Mit Ausnahme des Nahrungsmittelgewerbes verbuchten die Betriebe aller Handwerksbranchen mehr Umsatzeinbußen als -einnahmen. „Wir hatten im Rahmen unserer Herbst-Umfrage schon festgestellt, dass die Handwerker mehrheitlich davon ausgingen, dass der Aufschwung an Dynamik verlieren würde“, sagte Hauptgeschäftsführer Jürgen Wittke. „Unsere aktuelle Umfrage hat diese Prognose nun bestätigt.“

Schlechtes Wetter verhagelt Start

Auch das schlechte Wetter zu Beginn des Jahres sorgte laut Bericht vor allem im Baubereich für Einbußen. Doch auch in den Kfz-Betrieben ist die Stimmung schlecht. Hofften die Betriebe im Herbst 2012 noch auf ein Ende der mageren Auftragszeiten, verschlimmerte sich diese sogar noch. Nur sieben Prozent der Unternehmen verzeichneten mehr Aufträge, während fast die Hälfte Umsatzeinbußen hinnehmen musste. In der Folge sank auch die Zahl der Beschäftigten.

Trotz des schlechten Starts in das laufende Jahr, gehen die Unternehmen jedoch davon aus, dass sich die Konjunkturlage entspannen wird. Für die kommenden Monate rechnen 38 Prozent der Betriebe mit volleren Auftragsbüchern, zwölf Prozent der handwerklichen Unternehmen gehen von weniger Aufträgen aus. Als erfreulich wertete Schwarz die Entwicklung des Handwerks für gewerblichen Bedarf: Die Industriezulieferer, zu denen auch Feinmechaniker und Metallbauer gerechnet werden, weisen als einzige Handwerksbranche in Berlin einen Zuwachs auf. Ende März 2013 waren 3827 Betriebe bei der Kammer gemeldet: Zwölf mehr als im Jahr zuvor. „Berlin legt wieder einen stärkeren Schwerpunkt auf die Industrie“, sagte Schwarz. Davon profitierten auch die Handwerksbetriebe.

Zu den Konjunkturgewinnern gehören die Berliner Bäcker, Fleischer und Konditoren: Der Saldo aus guten und schlechten Geschäftsergebnissen verbesserte sich um drei auf zwölf Punkte gegenüber dem Umfrageergebnisse aus dem Frühjahr des vergangenen Jahres und auch für die Zukunft rechnen die Nahrungsmittelbetriebe mehrheitlich mit zufriedenstellenden Geschäften. Kammerpräsident Schwarz hat dafür eine einfache Erklärung: „Die Verbraucher denken nach all den Lebensmittelskandalen um und setzen vermehrt auf Qualität.“

Auf dem Berliner Arbeitsmarkt rechnet Schwarz mit positiven Entwicklungen. Fast ein Viertel der Betriebe (23 Prozent) verzeichnete zum Zeitpunkt der Umfrage im März noch offene Stellen – ein Jahr zuvor waren es allerdings noch 28 Prozent. Für das laufende Jahr sehen 19 Prozent der Betriebe die Möglichkeit, ihre Belegschaft zu vergrößern, nur acht Prozent gehen davon aus, eventuell Personal entlassen zu müssen.

Positive Signale kommen Hauptgeschäftsführer Wittke zufolge aus dem Bereich Ausbildung. Insgesamt 4229 Lehrlinge haben im vergangenen Jahr eine handwerkliche Ausbildung bekommen. Das sei im Vergleich zum Vorjahr ein leichter Rückgang um 3,6 Prozent bei den betrieblichen und rund zehn Prozent bei den außerbetrieblichen Ausbildungsplätzen. Trotzdem seien 400 Lehrstellen nicht besetzt worden. „Da ist noch Luft nach oben“, sagte Wittke. „Die zentrale Herausforderung der nächsten Jahre bleibt, offene Ausbildungsplätze und Jugendliche zusammenzubringen und den drohenden Fachkräftemangel abzuwenden.“ Besonders Jugendlichen mit Migrationshintergrund solle ein frühzeitiger Zugang zu Ausbildungsmöglichkeiten gegeben werden. Durch Patenprojekte an Berliner Schulen wolle man dies fördern: „Wir gehen bereits an die Grundschulen, damit die Kinder dort spielerisch an handwerkliche Berufe herangeführt werden. Je früher man anfängt, desto besser.“