Technik

BMW verspricht mit Elektroauto die Revolution der Branche

Harald Krüger hält triumphierend ein grau-schwarzes Bauteil in die Höhe. Es ist etwa einen halben Meter lang, gebogen und hat in der Mitte ein Loch.

Das Teil ist aus Kohlenstoff, aus dem die Zukunft der Autoindustrie ist, zumindest bei BMW. Irgendwann wird es in ein Auto eingebaut, vorn am Cockpit, durch die Öffnung winden sich dann dicke Kabelstränge. „Heben Sie es mal hoch, dann sehen Sie, wie leicht das ist“, sagt Krüger. Leicht ist wichtig, Leichtgewichte werden für den Erfolg von BMW entscheidend sein.

Harald Krüger ist neuer Produktionsvorstand von BMW, er glaubt an das Auto aus Carbon, das Elektroauto i3, das der Hersteller von Jahresende an in Leipzig vom Band laufen lässt. „Dieses Automobil wird die Branche revolutionieren“, sagt er. Kein anderer Autobauer hat sich beim Thema Elektrofahrzeuge so weit vorgewagt. Erzrivale Audi hat den reinen Stromern jüngst den Stecker gezogen und setzt auf Hybride, Modelle mit Elektro- und Verbrennungsmotor, Daimler lässt es vorsichtiger angehen. Bei BMW ist man dagegen sicher, dass die Zeit reif ist für das E-Auto. Einiges spricht dafür, dass es so kommt und sich Elektromotoren in Autos zumindest teilweise durchsetzen. Aber ein bisschen ist es mit der Elektromobilität wie mit diesem Carbon-Bauteil, das so stolz in Leipzig präsentiert wird: Es ist zweifellos deutlich leichter als eine vergleichbare Komponente aus Stahl oder Alu. Aber ist noch überraschend schwer, eine kleine Enttäuschung, wenn man es anfasst.

Jahrelang hat BMW mit dem Elektroauto aus Carbon ein neues Zeitalter in der Autoindustrie versprochen, eine ganz neue Technologie und ein gutes Gefühl für die Fahrer, weil hinten keine giftige Luft rauskommt, sondern nur noch heiße. In Leipzig verspricht Krüger Rendite. Das ist neu. Die BMW i-Reihe – neben dem i3 wird es noch einen großen i8 geben – werde sich rasch rechnen, kündigt er an. „Wir gehen davon aus, dass wir vom Serienstart an mit jedem BMW i3 Geld verdienen.“ BMW hat sich das Elektro-Projekt beängstigend viel kosten lassen: „Insgesamt 655 Millionen Euro in den Standorte der Carbon-Produktionskette und unser Kompetenznetzwerk E-Mobilität in Dingolfing und Landshut“, sagt Krüger. Nicht sagen will er, was die Entwicklung der i-Reihe insgesamt gekostet hat. Insider sprechen von einem Milliardenetat.

BMW will Gutverdiener in Ballungsräumen ansprechen, Menschen die technikaffin und umweltbewusst sind. Und bereit, für einen mittelgroßen Viersitzer schätzungsweise 40.000 Euro auszugeben. Den genauen Preis für den i3 will BMW vorerst nicht verraten. Die Frage ist, ob diese Strategie reicht, mit den i-Mobilen von Beginn an schwarze Zahlen zu schreiben.