Internet

Berliner erfinden Suchmaschine für Twitter

Das Start-up tame.it sortiert das Chaos des Dienstes. Der Internetgemeinde war das 250.000 Euro wert

Bei Twitter den Überblick zu behalten ist nicht leicht. Mehrere tausend Tweets werden bei Großereignissen pro Sekunde verschickt. Das Berliner Start-up tame.it hat jetzt eine Suchmaschine für den Kurznachrichtendienst erfunden, um Twitter zu einer zuverlässigen Nachrichtenquelle zu machen. Tame.it strukturiert das Twitter-Chaos und macht den Kurznachrichtendienst dank eines intelligenten Algorithmus zu einem handlichen Recherchewerkzeug. Bei den Bombenanschlägen in Boston etwa war Twitter eines der Hauptinformationsquellen für schnelle Nachrichten vom Tatort.

„Wir wollen das Echtzeitnetzwerk durchsuchbar machen, wie Google das mit dem Internet macht“, sagt Frederik Fischer, Gründer und Geschäftsführer von tame.it. Der gelernte Journalist sieht in einer Suchmaschine in erster Linie ein Werkzeug für seine Berufsgruppe und andere Informationsarbeiter. Das Unternehmen ist eine Ausgründung der Berliner Humboldt-Universität.

Tame.it verfügt über zwei Suchebenen. Zum einen kann das Programm das eigene Twitter-Netzwerk durchsuchen. Es eignet sich aber auch zur Suche im gesamten Twitter-Universum. Die Nutzung der Basisversion, die einen Account über längstens 24 Stunden beobachtet, ist kostenfrei. Später sollen kostenpflichtige Premium-Funktionen hinzukommen: Langzeit-Analysen, die für die Markenbeobachtung interessant sein können, die Beobachtung mehrerer Accounts sowie ein Editor, der dem Nutzer passende Hashtags und relevante Nutzer vorschlägt. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die eigenen Tweets auch tatsächlich – und in größerem Umfang – gelesen werden.

Um ihr Projekt voranzutreiben, sammelten die drei Gründer, neben Fischer noch Arno Dirlam und Torsten Müller, über die Crowdfunding-Plattform Companisto 250.000 Euro Kapital ein. Ihre Investoren waren von der Idee des Start-ups so überzeugt, dass dieser Betrag in nur drei Wochen zusammen kam. Companisto hätte wohl noch mehr Kapital einsammeln können. Beim Start der Aktion hatten sich die drei Gründer einen Betrag von nur 25.000 Euro erhofft.

Nicht nur die Crowdfunder, sondern auch die Jury des German Silicon Valley Accelerator – dahinter steht unter anderem das Bundeswirtschaftsministerium – erkannte das Potenzial und entschied sich unter mehr als 60 Bewerbungen für tame.it. Der Preis ist ein mindestens dreimonatiger Aufenthalt im Technologie-Mekka Silicon Valley. In dieser Zeit werden die Tame-Gründer ein eigenes Büro beziehen, von erfahrenen Unternehmen beraten und können eine Strategie für den Markteintritt in den USA erarbeiten.

Tame.it ist nicht das einzige Unternehmen, das sich mit einer Twitter-Suche beschäftigt: Auch Topsy (USA) und Kurrently (Kanada) bieten eine Suchfunktion an. Allerdings fehlt dort die Möglichkeit, die Abfrage zu personalisieren. Die Angebote von Pulse und Flipboard (beide USA) aggregieren Nachrichten aus sozialen Netzwerken und bereiten sie zu magazinartigen Ansichten auf.