Geld

Die Jugend ist sparsam

Die Mehrheit der jungen Menschen kommt gut mit ihrem Geld aus, macht sich aber große Sorgen

Kaufe jetzt, bezahle später – eine solche Einstellung ist den Jugendlichen in Deutschland höchst suspekt. 77 Prozent der 15- bis 20-Jährigen empfinden Schulden zu haben „persönlich als sehr belastend“ und sagen: „Daher nehme ich ungern einen Kredit auf.“ Nur jeder zehnte sagt: „Ich lebe heute und würde einen Kredit aufnehmen, um mir einen Wunsch heute zu erfüllen.“ Insgesamt zeige sich die Jugend in Finanzdingen „sehr besonnen, vorsichtig und risikoavers“, heißt es in der Studie „Finanzverhalten der jungen Generation“ der Konsumforschungsgesellschaft GfK, die im Auftrag der Schufa 500 Jugendliche befragt hat. Deren Umgang mit Geld sei „gewissermaßen schon sehr erwachsen“.

Mehr als jeder zweite Teenager spart demnach regelmäßig Geld – davon 37 Prozent für eine Ausbildung oder ein Studium. 78 Prozent planen ihre monatlichen Ausgaben und knapp Dreiviertel kommen gut mit ihrem Geld aus. Falls für einen Kauf mal nicht genug Geld da wäre, würden 55 Prozent ihre Ausgaben einschränken und erst dann wieder kaufen, wenn sie es sich leisten können. Einen Kredit würden 58 Prozent nur aufnehmen, wenn sie in finanziellen Schwierigkeiten steckten.

Die Ergebnisse zeigten, „dass unsere Jugendlichen sehr solide, seriöse Finanzentscheider sind, denen die Bedeutung des Themas sehr bewusst ist“, sagte Studienleiter Karsten John in Berlin. Zugleich sei in der Umfrage aber auch eine große Unsicherheit deutlich geworden. So finden es 41 Prozent der 15- bis 20-Jährigen wichtig, wirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen und 86 Prozent sind Informationen rund um das Thema Geld wichtig. Gut informiert über finanzielle Dinge fühlen sich indes nur 30 Prozent. 44 Prozent stimmten dem Satz zu: „Die meisten Geldanlagemöglichkeiten sind heute so komplex, dass ich mich damit nicht gut auskenne.“ Jeder zweite bekennt: „Von dem, was an der Börse geschieht, habe ich keine Ahnung.“

Dieses Halbwissen dürfte eine der Ursachen dafür sein, dass viele Jugendliche das Thema Geld als belastend empfinden. Obwohl 55 Prozent sagen, dass sie ihren eigenen Kontostand ziemlich genau kennen und 72 Prozent nach eigenen Angaben mit ihrem Geld gut auskommen, macht sich jeder fünfte häufig Sorgen um das Thema Geld; weiteren 37 Prozent bereitet es „manchmal“ Kopfzerbrechen.

Diese Unsicherheit sei „ein alarmierendes Zeichen“, sagte Studienleiter John. „Es gibt offensichtlich zu viele und zu diffuse Informationen“ zum Thema Finanzen. Rund 53 Prozent der Befragten sagten, sie fühlten sich von der Flut an Informationen im Internet und den sozialen Netzwerken schlicht überfordert. Zugleich müsse diese Generation aber schon in jungen Jahren Finanzentscheidungen treffen wie keine Generation vor ihr, sagte John: ob es um private Zusatzversicherungen gehe, den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung oder um die Finanzierung von Ausbildung und Studium.

Schlechtes Zeichen für Banken

„Diese jungen Menschen werden schon mit Altersvorsorgefragen bombardiert und fangen doch gerade erst an, ihr eigenes Leben in den Griff zu bekommen“, sagte Studienleiter John. Hinzu komme, dass es kaum Erfahrungswerte bei den jungen Menschen gebe: Für den Abschluss einer Kfz-Versicherung könne man noch die Eltern fragen, aber bei der Berufsunfähigkeitsversicherung hätten die im Zweifel auch keine Ahnung.

Etwa jeder zweite Jugendliche fühlt sich für seine finanziellen Angelegenheiten auch selbst verantwortlich. 43 Prozent macht es sogar Spaß, sich um seine Geldangelegenheiten zu kümmern. Aber mehr Hintergrundwissen zu Finanzfragen würden sich die Teenies schon wünschen – und zwar vorrangig von der Schule (70 Prozent) und den Medien (68 Prozent). Von Internetinformationsdiensten würden sich 53 Prozent mehr erwarten, von den Banken nur 30 Prozent. „Die Jugendlichen entziehen sich dem Kontakt der Banken, weil sie ihre Dinge im Internet selbst regeln“, sagte John. „Das ist ein sehr schlechtes Zeichen für die Banken.“

Das konservative Finanzverhalten junger Menschen spiegelt sich auch im Schufa-Kreditkompass 2013 wider, der zusammen mit der Studie vorgestellt wurde. Während in den vergangenen zehn Jahren die Zahl der Kredite insgesamt um die Hälfte gestiegen ist, ist sie in der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen gefallen. Grundsätzlich nähmen jüngere Menschen eher kleinere Kredite mit kürzeren Laufzeiten auf, heißt es im Kreditkompass. Kredite, die 18- bis 19-Jährige im vergangenen Jahr abgeschlossen haben, hatten demnach eine Höhe von im Schnitt 3663 Euro.