EU-Krise

Reiche Sparer sollen für Bankenrettung zahlen

EU-Finanzminister erheben Zypern-Lösung zum Vorbild: Wer mehr als 100.000 Euro auf dem Konto hat, den kann es treffen

Sparer müssen sich darauf einstellen, dass ihr Vermögen künftig zur Rettung angeschlagener Banken herangezogen werden kann. Am Wochenende berieten die EU-Finanzminister über die Reihenfolge der Haftung im Falle der bedrohlichen Schieflage einer Bank. Der für Finanzmarktregulierung zuständige EU-Kommissar Michel Barnier kündigte beim Finanzministertreffen in Dublin an, im Juni einen konkreten Vorschlag dazu vorzulegen. Wie seine Lösung aussehen soll? „Zuerst die Aktionäre, dann die Gläubiger und dann die Anleger mit mehr als 100.000 Euro, wenn das notwendig ist“, sagte Barnier. Danach erst sollen Sicherungsmechanismen der Länder und der EU greifen.

Die Beteiligung von Anlegern soll Banken vom Sonder- zum Normalfall der Wirtschaft machen. Sind sie bislang ein Stabilitätsrisiko für die Volkswirtschaft, sollen die Geldhäuser zu gewöhnlichen Unternehmen werden. Das große Ziel ist es, dass der Steuerzahler nicht für Rettung oder Abwicklung von Finanzkonzernen zahlen muss. „In Zukunft müssen Banken so abgewickelt werden können, wie andere Unternehmen auch“, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Das bedeute auch, Eigentümer und Gläubiger in die Pflicht zu nehmen. „Das ist im normalen Wirtschaftsleben auch so.“ Bundesbankpräsident Jens Weidmann sagte, Bankeinlagen müssten in Anspruch genommen werden, wenn auch „erst ganz am Schluss“.

Eine „Packreihenfolge“ nannte das Jörg Asmussen, Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB). „Es ist entscheidend, dass wir bei uns in Europa klare Regeln haben für die Reihenfolge, die Investoren aus der ganzen Welt vorab kennen.“

Was Anleger also wissen sollten: Wer sein Geld zu Banken trägt, die hohe Renditen versprechen – wie es etwa die Geldhäuser auf Zypern taten und vor dem dortigen Systemzusammenbruch auch die auf Island – anstatt auf das Festgeldkonto der örtlichen Sparkasse, der muss sich des damit verbundenen Risikos bewusst sein.