Gründerzeit

Butler für @Prominente

Jürgen Stüber über Promis in sozialen Netzwerken und einen Berliner PR-Profi, der damit Geld verdient

Soziale Netzwerke leben von Authentizität ihrer Nutzer und virtueller Nähe zwischen dem Absender und Empfänger einer Twitter- oder Facebook-Nachricht. Aber wie ist das bei Postings von Prominenten? Es ist kein Geheimnis, dass nur die allerwenigsten Tweets des Benutzerkontos @barackobama vom US-Präsidenten selbst stammen. Er zeichnet eigenhändig geschriebene Tweets mit „-bo“. Und die Bundeskanzlerin versucht es erst gar nicht. Sie lässt ihren @regsprecher Steffen Seibert twittern.

Und die Stars der Unterhaltungsbranche? Wer hat die 9000 Tweets von @50cent an dessen knapp acht Millionen Follower geschrieben? Und war es wirklich Justin Bieber, der die knapp 22.000 Twitter-Nachrichten an seine 35 Millionen Follower verfasste? Wohl kaum. Dieser Umstand brachte den Berliner PR-Profi Tilo Bonow, Gründer und Geschäftsführer der Agentur piabo, jetzt auf die Idee, den „Social Media Butler“ zu erfinden.

Der Dienst ist für Schauspieler, Sportler oder Unternehmer konzipiert, die zwar Nähe zu ihren digitalen Fans und Followern suchen, denen aber Nerv oder Zeit fehlen, um sich selbst in sozialen Netzwerken zu inszenieren. Das von Tilo Bonow erdachte Konzept hat zwei Phasen: Zunächst wird für jede Persönlichkeit ein persönliches Auftrittsprofil erstellt. Ferner wird die Tonalität besprochen und geklärt, welche Kanäle bespielt werden sollen. Dann wären da noch die Themenschwerpunkte und Imagedetails zu klären, damit der Prominente möglichst authentisch erscheint.

„Die einen wollen unter keinen Umständen beim Essen fotografiert werden. Andere möchten auf Foursquare nicht im besuchten Klamottenladen einchecken“, sagt Bonow. Das digitale Sprachrohr des Prominenten weicht seinem Klienten im gebuchten Zeitraum nicht von der Seite und kümmert sich um Facebook, Twitter, Instagram, Foursquare, Vine, Youtube und andere Social-Media-Kanäle – in Deutsch, Englisch oder anderen Sprachen.

„Wir haben immer wieder Anfragen von Persönlichkeiten aus Kultur und Wirtschaft bekommen, Tagesabläufe, Auftritte und Veranstaltungen zu begleiten. Deshalb haben wir uns entschlossen, aus diesem Service ein Produkt zu machen“, sagt Tilo Bonow, Namen verrät er nicht; seine Kunden schätzen Diskretion. Dass Bonow über gute Kontakte zur Musikindustrie verfügt, zeigt der Blick auf seine Website.

Ganz billig sind Butler weder im echten noch im digitalen Leben. Bonows Service kostet 600 bis 1000 Euro pro Tag, sagte er auf Anfrage.