Jugend

So wenig Lehrlinge wie nie: Nachwuchs strebt an die Unis

Während in einigen südeuropäischen Ländern sechs von zehn jungen Menschen ohne Job sind, gehen der deutschen Wirtschaft die Nachwuchskräfte aus.

Im Land mit der niedrigsten Jugendarbeitslosigkeit Europas und einer der schwächsten Geburtenraten haben sich im vergangenen Jahr nur noch 548.000 junge Menschen für eine Ausbildung im dualen System entschieden – so wenige wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Die Schulabgänger erlangen zudem häufiger die Hochschulreife und streben stärker an die Hochschulen.

In den Ballungsräumen tun sich Betriebe immer schwerer, geeignete Bewerber zu finden. Die Großindustrie reißt sich um die Besten, kleine Betriebe können kaum noch mithalten. Immerhin konnte 2012 eine steigende Zahl von Abiturienten für eine Handwerkslehre begeistert werden.

„Der Trend der Leistungsstärkeren zum Studium ist ungebrochen“, klagt aber Achim Dercks vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). 2012 gab es schon fast so viele Studienanfänger wie Ausbildungsanfänger. Dercks befürwortet eine Doppelstrategie: „Jugendliche, die sich in ineffektiven schulischen Maßnahmen finden, müssen motiviert und fit gemacht werden für eine Ausbildung im Betrieb. Für die Leistungsstärkeren müssen duale Studiengänge weiter ausgebaut sowie mehr Auslandsaufenthalte und Zusatzqualifikationen schon während der Ausbildung angeboten werden.“

Die Jobcenter wollen sich verstärkt um diejenigen kümmern, die in den „verlorenen Jahrgängen“ massenhaft durch das Ausbildungsnetz geschlüpft sind. Die Arbeitsagentur nennt 300 000 Arbeitslose und 500 000 Beschäftigte ohne Berufsabschluss zwischen 25 und 35 Jahren, die mit ungewissen Aussichten ins Erwerbsleben sehen. Der Job im Handy-Shop oder beim Kurierdienst taugt nicht als Dauerlösung. „Auch für einen 25-Jährigen macht eine Lehre noch Sinn“, sagt BA-Vorstand Heinrich Alt. „Er hat noch viele Berufsjahre und eine Karriere vor sich.“

Arbeitsagentur und Arbeitsministerium werben in Südeuropa nicht nur um Fachkräfte und junge Akademiker, sondern nehmen potenzielle Auszubildende ins Anwerbevisier. Ansätze sind Projekte wie in Frankfurt, wo 40 potenzielle Klempnerlehrlinge aus Madrid zum Kennenlern-Praktikum erwartet werden.