Konjunktur

„Die Unternehmer brauchen uns weniger“

Bürgschaftsbank mit rückläufigem Geschäft – wegen guter Konjunktur

– Wenn Waltraud Wolf davon berichtet, dass die Angebote ihrer Bank weniger stark nachgefragt werden, ist das im Grunde eine gute Nachricht. Wolf leitet die Bürgschaftsbank Berlin-Brandenburg (BBB). Ihr Haus sichert Kreditgeschäfte ab, ohne die Banken und Sparkassen Unternehmen sonst womöglich keinen Kredit gewähren würden. Es sei eine typische Situation, sagt Wolf. „Die Unternehmen brauchen uns weniger als in Jahren, in denen es nicht so gut läuft.“ Man hätte mehr Geschäft machen können, fügt Wolf hinzu.

Gleichzeitig spürt die Bank Nachwirkungen der Wirtschaftskrise aus dem Jahr 2009, in Form von Kreditausfällen. „Es dauert nach einem Krisenjahr meist zwei bis drei Jahre, bis wirklich Kredite ausfallen“, sagt Wolf. Dann werden die Garantien der BBB fällig. Im vergangenen Jahr leistete das Institut Ausfallzahlungen in Höhe von 14,4 Millionen Euro für insgesamt 119 Schadensfälle. Zum Vergleich: Ein Jahr zuvor gab es 60 Ausfälle und Zahlungen, die sich auf 6,6 Millionen Euro summierten. Die Kreditausfälle des Jahres 2012 stammte zum überwiegenden Teil aus Bürgschaften, die 2009 oder 2010 vergeben worden seien, so Wolf. Gewinnträchtig war das Geschäft der BBB im vergangenen Jahr trotz der Probleme. Der Überschuss belief sich auf 691.000 Euro.

Etwa die Hälfte der BBB-Kunden sind nach Auskunft des Instituts Gründer. Den meisten hilft die Bürgschaftsbank in Zusammenarbeit mit der Investitionsbank Berlin (IBB), dem landeseigenen Förderinstitut. Die Bürgschaftsbank sorgt häufig dafür, dass Unternehmen bei einer Bank überhaupt einen Kredit bekommen können. 252 mal half die BBB auf diese Art und Weise – mit neuen Bürgschaften und Garantien – im vergangenen Jahr aus. Insgesamt hat die BBB 2111 Kunden – vier Prozent weniger als im Jahr 2011.

Der Rückgang liegt zum einen an der guten Konjunktur und dem niedrigen Zinsniveau. Zudem bemühten sich die Banken ausdauernd, bestehenden Unternehmen und hoffnungsvollen Gründungen Kredit zukommen zu lassen. Teilweise seien die Konditionen der Sparkassen und Banken so gut, dass eine Garantie der Bürgschaftsbank nicht benötigt werde, sagte Wolf. Hinzu kommt aber noch ein weiterer Grund, der Wolf ein wenig verärgert: die Konkurrenz der bundeseigenen Förderbank KfW.

Diese habe, so Wolf, Förderprogramme aufgelegt, die es Gründern ermöglichten, Kredite bis 100.000 Euro ohne Besicherung und Garantien zu erhalten. Mit anderen Worten: Jungunternehmer bedürfen durch das Angebot der Staatsbank häufig gar nicht der BBB-Dienstleistung. „Man kann sich schon grundsätzlich fragen, warum es bei den Förderbanken auf Landes- und Bundesebene Doppelstrukturen geben muss“, sagt Wolf.

Für Firmen sind es derzeit gute Zeiten, wenn man Kredite oder Bürgschaften benötigt. Die BBB verzichtet jetzt beispielsweise darauf, bei Ablehnung einer Garantieanfrage eine Gebühr zu kassieren. Auch die Risikolebensversicherung für einen Unternehmer, der BBB-Kunde wird, ist nicht mehr verpflichtend. Somit sollen Firmen gelockt werden, Leistungen des Instituts zu beanspruchen – natürlich gegen Gebühr.

Gesellschafter der Bürgschaftsbank sind Institute wie Deutsche Bank und Commerzbank, Versicherungen sowie Verbände wie die Industrie- und Handelskammer (IHK). Die gewährten Kreditgarantien wiederum werden zu 60 Prozent von der öffentlichen Hand verbürgt. Das wiederum bedeutet: Wann immer eine Bürgschaft beantragt wird, deren Wert mehr als 100.000 Euro beträgt, werden die Senatsverwaltungen für Wirtschaft und Finanzen hinzu gezogen. Ohne ihre Zustimmung gibt es dann auch keine Bürgschaft oder Garantie.