Verbraucher

Deutsche haben Angst um ihr Geld

Die sparsamsten Menschen in Europa setzen auf Sparbücher und scheuen risikoreichere Anlagen

Die Deutschen sind die Ärmsten in Euroland, zu den Reichsten gehören ausgerechnet die Menschen in den Krisenländern Zypern, Spanien und Italien. Diese Erkenntnis einer Vermögensstudie der Europäischen Zentralbank (EZB) sorgte in den vergangenen Tagen für viel Unruhe. Lassen sich die Südländer von den vermeintlich reichen Nordländern retten, bevor die Menschen dort selbst mit ihrem Privatvermögen für die ausufernden Staatsschulden einstehen? Eine nun vorgestellte repräsentative Umfrage unter mehr als 11.000 Menschen aus elf europäischen Ländern liefert weiteres Material für diese Diskussion. Gefragt hatten die Marktforscher von YouGov im Namen der deutschen Fondsbranche. Die Ergebnisse liefern für alle potenziell streitenden Parteien etwas.

So wurden die Teilnehmer beispielsweise nach der eigenen Sparsamkeit befragt: Die Spanier liegen auf dem letzten Platz. Nur 60 Prozent halten sich für „sehr sparsam“ oder „eher sparsam“, 40 Prozent dagegen für „eher nicht“ oder „überhaupt nicht sparsam“. Italien nimmt hier den drittletzten Platz ein. Weit oben stehen dagegen die Deutschen und die Österreicher mit jeweils 78 Prozent an Sparfüchsen. Dies wird noch noch geschlagen von den Portugiesen mit 81 Prozent, was keineswegs ein Widerspruch zur EZB-Statistik ist, schließlich liegen die Portugiesen dort in der Nähe von Deutschland und Österreich am untereren Ende des Vermögenstableaus. Das passt ins Bild: Wer viel hat, muss nicht mehr viel sparen – und umgekehrt.

Nicht dazu passt allerdings, dass gerade in den südlichen Ländern die Angst vor Altersarmut besonders ausgeprägt ist. In Italien befürchten 93 Prozent Armut im Alter, in Griechenland sind es 85 Prozent, in Spanien 73 Prozent – und das, obwohl die Grenze zwischen der ärmeren und der reicheren Hälfte der spanischen Bevölkerung laut EZB-Statistik inklusive Immobilienvermögen bei 182.700 Euro liegt. In Deutschland, wo das mittlere Haushaltsvermögen mit 51.400 Euro angeblich am geringsten ist, sind es dagegen mit 63 Prozent zwar die Mehrheit der Bevölkerung, aber weniger als der Durchschnitt aller elf Länder, der mit 69 Prozent angegeben wird. Auf die Frage, wofür 100 Euro mehr im Monat verwendet werden, gaben insgesamt 57 Prozent an „Sparen für eine größere Anschaffung“. Hier liegen Deutsche und Österreicher mit 65 Prozent vorn.

Die Sicherheit ihrer Geldanlage hat für die Deutschen nach wie vor höchste Priorität, wie eine andere Umfrage zeigt. 60,3 Prozent der Befragten hätten in einer repräsentativen Studie der Gothaer Asset Management diesem Aspekt das größte Gewicht eingeräumt, sagte Vorstandssprecher Christof Kessler am Mittwoch bei einer Internet-Präsentation. Im Vergleich zum Vorjahr habe sich dieser Wert kaum verändert. Eine möglichst hohe Rendite spiele dagegen nur für 11,4 Prozent der Deutschen eine vorrangige Rolle.

Fast zwei Drittel der Befragten haben der Studie zufolge Angst um ihr Geld. Knapp die Hälfte befürchte, dass die Inflation ihr Vermögen auffrisst. Im Vorjahr habe dieser Wert bei 40,1 Prozent gelegen. Dennoch scheuten die Deutschen renditeträchtigere Anlagen, betonte Kessler. 93,4 Prozent der Befragten wollten keine höheren Risiken eingehen. Auch eine Geldanlage außerhalb Europas ist für die meisten (88,9 Prozent) kein Thema.

Trotz Mini-Zinsen bleibt das Sparbuch mit einem Anteil von 42,4 Prozent der Deutschen liebste Anlageform, heißt es in der Studie weiter. Rund 30 Prozent legten gar kein Geld an. Fonds (8,8 Prozent) und einzelne Aktien (4,8 Prozent) lägen abgeschlagen auf den hinteren Rängen.