Tarife

Amazon droht am größten deutschen Standort Streik

Dem Internet-Versandhändler Amazon droht auch an seinem größten deutschen Standort im hessischen Bad Hersfeld Streit mit seinen Arbeitnehmern.

Vertreter der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di organisierten spontan einen Warnstreik mit gut 550 Angestellten vor den Toren des Logistikzentrums, nachdem informelle Gespräche mit Amazon über die Aufnahme von Tarifverhandlungen am Montag Abend gescheitert waren.

„Amazon sieht anscheinend keinerlei Handlungsbedarf, sich in einem Tarifvertrag zu binden“, sagte Heiner Reimann, Ver.di-Vertreter für Bad Hersfeld, der Berliner Morgenpost. Nach Angaben der Gewerkschaft werden nun in den kommenden Wochen für Bad Hersfeld Urabstimmungen organisiert. Dort beschäftigt Amazon 3700 seiner in Deutschland insgesamt 9000 Mitarbeiter.

Bereits vergangene Woche hatten sich die gewerkschaftlich organisierten Amazon-Mitarbeiter im Logistikzentrum Leipzig in einer Urabstimmung für Streiks entschieden, nun geht die Gewerkschaft für Bad Hersfeld von demselben Ergebnis aus. Die Leipziger fordern mindestens 10,66 Euro, zudem Nachtzuschläge und Weihnachtsgeld.

Der Streik um höhere Löhne ist Teil einer grundsätzlichen Debatte zwischen Amazon und Ver.di: Der Konzern argumentiert, die deutschen Versandzentren seien nur Logistikdienstleister für die luxemburgische Amazon-Tochter, über die der Konzern sein Versandgeschäft in Europa abwickelt.

Daher will Amazon seine deutschen Mitarbeiter weiter nach dem Rahmentarif für Logistikunternehmen bezahlen. Amazon verweist darauf, dass der Konzern für diese Branche überdurchschnittliche Löhne und zudem Erfolgsbeteiligungen zahlt.

Das jedoch hält Ver.di-Mann Reimann nur für ein vorgeschobenes Argument: „Wir könnten auch einen Haustarifvertrag vereinbaren und ‚Amazon-Tarif’ draufschreiben – doch auch das will der Konzern vermeiden.“ Die Gespräche mit Amazon gestalten sich laut Ver.di auch deswegen relativ zäh, da alle Entscheidungen erst mit der Konzernzentrale in Seattle abgesprochen werden müssen.