Internet

SchülerVZ ist Geschichte

Online-Plattform verband sechs Jahre lang Schüler und Jugendliche. Nutzer an Facebook verloren

Sie waren die Heimat einer ganzen Generation: die VZ-Netzwerke. Ende 2010 hatten sie noch mehr als zwölf Millionen Nutzer. Im Dezember 2012 waren es nur noch 1,6 Millionen. Die Zahl der Visits sank auf zuletzt 23 Millionen. Totgesagt wurde das Portal schon oft: Doch jetzt ist es vorbei mit Gruscheln: SchülerVZ, eine von drei VZ-Plattformen, macht zum 30. April dicht.

Das Netzwerk überbrachte die Nachricht am Montag Abend seinen Nutzern in einer lakonischen Mitteilung im Hilfebereich des Portals: „Es ist vorbei“, heißt es dort. „Deine Mitgliedschaft wird daher zum 30. April 2013 beendet.“ Im Gegensatz zu vielen Kettenbriefen in der Vergangenheit sei diese Nachricht leider wahr. „Mit der Schließung werden alle deine Inhalte und Daten vollständig und unwiederbringlich gelöscht.“

Dabei sah es zuletzt nach einer neuen Perspektive aus. Adam Levin, Joseph Nejman und Michael Ross Pope sollten dem Netzwerk ein neues Gesicht verpassen. Sie starteten das Portal BilderVZ, das sich optisch an Plattformen wie Pinterest anlehnt. Die Mitglieder sind dort aufgefordert, Fotobücher mit eigenen Fotos und Bildern aus dem Internet zu gestalten und zu teilen. „Wir arbeiten jetzt wie ein Start-up“, wird Nejman in „Bild Online“ zitiert. Angaben zur weiteren Strategie des Unternehmens waren nicht zu erhalten.

Das Online-Netzwerk StudiVZ für Studenten wurde 2005 nach dem US-Vorbild Facebook gegründet, das damals noch auf Universitäten beschränkt war. Auch SchülerVZ richtete sich ab 2007 an eine eng begrenzte Zielgruppe: Um unerwünschte Erwachsene fernzuhalten, konnte man nur auf Einladung eines anderen Mitglieds beitreten. Mit dieser Strategie grenzte sich SchülerVZ auch gegenüber dem 2004 gegründeten Facebook ab. Dort kann jeder Mitglied werden, der angibt, mindestens 13 Jahre alt zu sein. Die VZ-Netzwerke nahmen die Konkurrenz aus den USA lange Zeit nicht ernst.

Auch der im Februar 2008 angekündigte Start einer deutschsprachigen Facebook-Seite ließ die VZ-Netzwerke kalt. StudiVZ hatte damals 5,5 Millionen Nutzer. Zusammen mit SchülerVZ verzeichnete die Plattform im Februar 2008 fast 300 Millionen Besuche und war damit das erfolgreichste deutsche Online-Portal.

Zwei Jahre nach dem Start verkauften die StudiVZ-Gründer ihre Plattform an die Verlagsgruppe Holtzbrinck – als Kaufpreis waren 85 Millionen Euro im Gespräch. Holtzbrinck stieg im September 2012 aus dem Projekt aus und verkaufte die VZ-Netzwerke an die Investmentgesellschaft Vert Capital.

Im Schatten des Niedergangs hatte sich SchülerVZ zu einem Geisternetzwerk entwickelt, in dem sich Nutzer zu Rollenspielen verabredeten. Der Bogger Dennis Horn, der das FakeVZ entdeckt hatte, schreibt: „Die Fakes schreiben sich untereinander, so wie es ihre Avatare tun würden. Beziehungen, Freundschaft, Sex – es gibt im fakeVZ nichts, was es nicht auch im echten Leben geben würde.“ Auch damit ist nun Schluss, die Fake-Accounts dürften auch im Papierkorb des Internet landen.

„Das Ende von SchülerVZ beweist, dass nationale Insellösungen im globalisierten Social Web kaum tragen“, sagt Gerald Hensel, Strategie-Experte bei der Werbeagentur Scholz & Friends. „Seit Facebook 2010 auch nichtamerikanische Kernmärkte ernst zu nehmen begann, war das Schicksal der missliebigen lokalen Konkurrenten von der VZ-Gruppe besiegelt.“ Menschen wollten Social-Media-Lösungen, die ihnen beim sinnvollen Vernetzen helfen. „Die VZ-Gruppe war einfach zu deutsch für eine globalisierte Welt“, sagte Hensel.