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Will Google Whatsapp kaufen?

Warum der Kurznachrichtendienst für den Suchmaschinenkonzern interessant sein könnte

– Gerüchten zufolge ist der US-Internetriese Google daran interessiert, den beliebten Kurznachrichtendienst Whats app zu kaufen. Nach einem Bericht der IT-Web-Seite „Digital Trends“ aus den USA verhandeln beide Firmen bereits seit mehreren Wochen. Whatsapp habe den Kaufpreis bereits auf knapp eine Milliarde Dollar getrieben, heißt es auf der Seite.

Laut dem US-Medienbericht plant Google, den Dienst in seine eigenen sozialen Dienste wie Google+, Talk und Messenger zu integrieren – alle gemeinsam sollen dann unter dem Namen Babble zusammengeführt und vermarktet werden. Babble könnte eine Weiterentwicklung des im Jahr 2009 gestarteten und 2010 eingestellten Dienstes Wave sein, der nicht die gehoffte Nutzerzahl auf sich ziehen konnte. Babble könnte – wie damals Wave – auf der Entwicklerkonferenz Google I/O vorgestellt werden, die das nächste Mal Mitte Mai in San Francisco stattfindet.

Nutzer hatten bei Wave die Möglichkeit, in Echtzeit miteinander zu kommunizieren. Man konnte dem Gesprächspartner sogar ohne Zeitverzug beim Schreiben zusehen. Allerdings gab es auch viel Kritik – insbesondere wegen der Unübersichtlichkeit der Nachrichtenfeeds. Am Ende waren bei Google Wave die Nerds unter sich. Die breite Masse der Internetnutzer interessierte sich nicht für das Angebot. Damals hieß es in einem Google-Blog, Elemente von Wave würden in andere Produkte integriert.

Spitzenplatz bei Bezahl-Apps

Whatsapp wird bereits seit Längerem als Übernahmekandidat gehandelt, angeblich lehnten der Gründer Brian Acton und der Chef Jim Balsamic bereits Angebote von Google und von Facebook ab. Der Dienst gewann in den vergangenen zwei Jahren außerhalb der USA an Popularität, aktuell erobert er auch den US-Markt, steht in den Appstores von Google und Apple immer wieder unter den Top Drei der meistgeladenen Bezahl-Apps.

Doch Whatsapp ist auch für diverse Sicherheitslücken bekannt, die sich aus dem größten Vorteil des Dienstes herleiten: Nutzer müssen bei Whatsapp kein Extra- Konto einrichten oder sich ein eigenes Passwort merken – stattdessen nutzt der Dienst die Seriennummer sowie die Telefonnummer des verwendeten Smartphones zur Identifikation der Nutzer. Dafür werden diese Daten sowie die Kontaktdaten auf dem Telefon von der App an die US-Server des Dienstes übermittelt. Da sich diese Merkmale jedoch leicht fälschen lassen, fiel Whatsapp bei Sicherheitstests ein um das andere Mal durch.

Unklar ist, wie das Whatsapp-System in Googles Nachrichtendienste passen soll: Denn Google setzt zur Identifikation seiner Nutzer sehr wohl auf Passwörter und Klarnamen, was dem Konzern bei der Einführung des sozialen Netzwerks Google+ vor allem in Deutschland herbe Kritik einbrachte. Nutzer forderten das Software-Unternehmen damals auf, auch Pseudonyme (Nicknames) zuzulassen, was Google aber hartnäckig und erfolgreich ablehnte. Dass sich Informationen, die mit Nicknames verbunden sind, nur schwer zu Geld machen lassen, dürfte der Hauptgrund für diese Haltung gewesen sein.

Zudem hat der Konzern bereits zahlreiche eigene Messenger-Dienste wie Google Talk, Video-Chat über sogenannte Hangouts in Google+, eine Kommentarfunktion in der Cloud-Plattform Google Drive sowie (allerdings nur in den USA) die VoIPTelefonie Google Voice. Die Chat-Plattform Talk sei zwar auf jedem Android- Smartphone vorinstalliert, werde aber zugunsten von Whatsapp und dem Facebook Messenger von kaum einem Nutzer aktiv genutzt, schreibt das Google-Watchblog kritisch.

Da die Whatsapp-Nutzer bislang keine Nutzerkonten anlegen müssen, wären die Kunden nicht ohne Weiteres in Googles Netzwerke zu integrieren. Auch würde damit Whatsapps größter Vorteil – die einfache Nutzung der App – verloren gehen. Die zugrunde liegende Technologie ist weder neu noch schwierig beherrschbar, erste plattformübergreifende Messenger wie etwa „icq“ gibt es bereits seit dem Jahr 1996 – auch deswegen stellt sich die Frage, womit ein Kaufpreis von mehr als einer Milliarde Dollar für das Unternehmen zu rechtfertigen wäre.

Andererseits ist Whatsapp der aktuell erfolgreichste plattformunabhängige Messenger-Dienst und würde Google etwa Zugang zur Nutzergruppe von Apples iPhone gewähren und dort auch Facebooks Messenger-Diensten Konkurrenz machen. Apple stellt auf dem iPhone seinen eigenen Messenger-Dienst zur Verfügung, der jedoch Apple-Nutzern vorbehalten bleibt.

Auch könnte Google mit einem Kauf von Whatsapp seine Position gegenüber Facebook stärken. Das soziale Netzwerk hatte erst in der vergangenen Woche den Dienst Facebook Home angekündigt – eine App für Smartphones mit Googles Betriebssystem Android, die sich wie ein Film über alle anderen Anwendungen auf dem Smartphone legt und diese in den Hintergrund drängt.

Damit will das soziale Netzwerk seine Nutzer dazu bringen, sich nur noch im eigenen Facebook-Universum zu bewegen, das – neben dem Teilen von Status-Mitteilungen und Links – Text- und Video-Chatfunktionen sowie immer mehr mobile Werbung umfasst. Seit der offiziellen Ankündigung wird in Branchen-Blogs darüber spekuliert, ob Facebook Home dem Geschäftsmodell von Google mit seinem mobilen Betriebssystem Android gefährlich werden könnte.