Gründerzeit

Mit Luftsprüngen das Multiplizieren lernen

Jürgen Stüber über die Talentsuche beim Softwarekonzern Microsoft, eine App für Diabetiker und die papierlose Schule

Wir wollen Studenten an unsere Technologie ranführen“, sagt Peter Jaeger, der bei Microsoft den Titel „Senior Director Developer & Platform Evangelism“ führt und damit eine Art Chef-Missionar des Softwarekonzerns ist. Er hat vor allem die Aufgabe, den Betriebssystemen Windows 8 und Windows Phone 8 zu mehr Marktanteilen (aktuell 3,9 Prozent) zu verhelfen. Microsoft castet dazu mit hohem finanziellen Aufwand junge App-Entwickler. Insgesamt 1,65 Millionen Studierende in 190 Ländern hat der Softwarekonzern in den vergangenen zehn Jahren gefördert. In diesem Jahr waren es mehr als 300 Studierende, die zur Student Technology Conference nach Berlin kamen, wo auch die Vorentscheidung des Imagine Cup 2013 fiel.

Es gab in drei Kategorien je einen Preisträger, von denen einer zum internationalen Finale nach St. Petersburg fährt, sowie Sonderpreise der Sponsoren – darunter Seed-Finanzierungen (20.000 Euro) von App Campus, dem mit 18 Millionen Euro ausgestatteten Start-up-Accelerator von Microsoft und Nokia. Und das sind die drei Preisträger (noch nicht Online):

MetAppolic: Diabetes-Kranken ein nachhaltigeres Leben zu ermöglichen, haben sich die Entwickler der App MetAppolic vorgenommen. Das Programm berechnet die erforderlichen Insulin-Dosen und zeigt dem Kranken, wie er mit körperlichen Aktivitäten oder gesunder Ernährung die Menge der erforderlichen Medikamente senken kann. Dazu geben die Patienten zunächst einige Körperdaten ein. Aus diesen Angaben errechnet ein intelligenter Algorithmus konkrete Vorschläge für ein gesünderes Leben. Die Idee sei bei einem Bier entstanden, sagen die vier Studierenden, als sie über das unbefriedigende Angebot an Diabetes-Apps sprachen. Almuth Sürmann, Lucia Hämmerl, Johannes Schuricht und Matthias Voigt dürfen mit ihrer Entwicklung am internationalen Finale des Imagine Cup teilnehmen. Dort geht es um Preisgeld von 300.000 Dollar (230.000 Euro) und die Anwartschaft auf dreijährige Stipendien im Wert von insgesamt drei Millionen Dollar.

My School: Niklas Holloh, Malte Götz, Mark Kreuzer und Rafael Regh müssten für ihr Abitur lernen. Doch seit Januar 2013 haben sie vor allem ihre App im Sinn. Die Gründer planen die papierfreie Schule. „Allein in Köln werden jedes Jahr 300 Tonnen A4-Papier für Arbeitsblätter verbraucht“, erläutern die vier Programmierer der App My School ihr Konzept. Das wollen sie ändern. Lehrer können Unterrichtsmaterialien auf ihre Cloud-Plattform hochladen und mit eingeloggten Schülern teilen. Die Schüler bearbeiten die Dokumente am Computer.

Clown School: Mathematik mit Körpereinsatz – diese Idee eines Lernspiels für Drittklässler haben sich Christian Kokott und Paul Visser ausgedacht. Kinder lernen mit Hilfe der Spielekonsole Kinect das Multiplizieren. Um die nötigen Zahlen zu bekommen, müssen sie springen. Das macht Spaß, und die Rechenoperationen prägen sich nebenbei ein. „In der Schule ist das supergut angekommen “, sagen die Programmierer. Die Idee hatten die beiden im Oktober 2012. Christian macht eine Ausbildung zum Fachinformatiker. Paul holt das Fachabitur nach, um studieren zu können. Nach acht Stunden Arbeit sitzen sie sechs Stunden im Keller und programmieren.