Reise

Rund 80 neue Fernbus-Routen geplant

Liberalisierung im Linienverkehr seit Jahresbeginn: Ramsauer zieht eine positive Bilanz

Zu Beginn des Jahres hat die Bundesregierung den Fernbuslinienverkehr liberalisiert. Bereits nach den ersten drei Monaten zieht Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) positive Bilanz. „Wir haben den Markt von seinen jahrzehntelangen Fesseln befreit und erleben nun eine Aufbruchsstimmung“, sagte Ramsauer der Berliner Morgenpost. „Seit Anfang des Jahres heißt es in Deutschland: Freie Fahrt für Fernbusse.“

Bis zum 15. Februar 2013 hatten die Bundesländer bereits 23 neue innerdeutsche Verbindungen im Fernbuslinienverkehr genehmigt, wie eine Umfrage im Auftrag Ramsauers zeigt. Für weitere 53 Verbindungen lagen bis zum Stichtag die Anträge vor. „Wir haben den Markt von seinen jahrzehntealten Fesseln befreit“, sagte Ramsauer. Es gebe nun viele neue Angebote und Strecken, um mit dem Bus durch Deutschland zu reisen. „Das schont Geldbeutel und Klima“, sagte Ramsauer. „Denn der Bus ist vor allem eine echte Alternative zum Auto.“

Nach der Liberalisierung kommt nun Schwung in den Markt. Juliane Steinbrück vom Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer sieht die Branche vor einem harten Preiskampf. „Es bleibt zu hoffen, dass die mittelständisch geprägte Branche ihre Chance bekommt und nicht von den Global Playern geschluckt wird“, sagte Steinbrück. Gerade für kleinere Unternehmen dürfte es eine große Herausforderung sein, eine Strecke regelmäßig zu bedienen. Haltestellen müssen festgelegt, Fahrpläne erstellt und eingehalten werden. Und die Linien müssen auch bedient werden, wenn der Bus einmal nicht voll besetzt oder sogar leer ist. Vor allem aber muss eine Vertriebsstruktur aufgebaut werden, um die Fernbustickets zu verkaufen. Der Konkurrenzkampf hat bereits begonnen. Über das Internetportal Aldi Reisen werden Aldi Nord und Aldi Süd vom 4. April an Fahrkarten für Fernbuslinien anbieten. Die Strecken werden vom Unternehmen „Univers Busreisen“ und dessen Partnern bedient.

Buchungszahlen nehmen zu

Die Buchungszahlen bei „Berlin Linien Bus“ haben seit Beginn des Jahres bereits zugenommen. Eine Fahrt von Berlin nach Hamburg gibt es schon zum Aktionspreis von neun Euro. Regulär kostet das Ticket 27 Euro. Im Vergleich dazu ist der ICE mit 76 Euro mehr als doppelt so teuer. Auch auf der Strecke von Berlin nach München bietet der Fernlinienbus für 47 Euro eine deutliche Ersparnis im Vergleich zur ICE-Fahrkarte, die 125 Euro kostet.

Zum Jahresende wollen auch der ADAC und die Deutsche Post in das Fernbusgeschäft einsteigen und eigene Linien bedienen. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitut YouGov zeigt das wachsende Interesse der Deutschen an den Fernbuslinien. So gaben 65 Prozent der Befragten an, sie könnten sich gut vorstellen, künftig von Auto oder Bahn auf eine Fernbuslinie umzusteigen. Auch die Bahn reagiert auf die neue schienenlose Konkurrenz und baut ihr Busnetz aus.

Im November 2012 hatte der Bundesrat mit seinem Votum den Weg für die Liberalisierung des Fernlinienverkehrs freigemacht. Damit hatte Schwarz-Gelb ein Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag umgesetzt. Ziel sollte es sein, mit dem Omnibus eine Alternative zu Auto, Bahn und Flugzeug zu schaffen. Der öffentliche Nahverkehr mit Bussen und Bahnen muss dennoch keine unbegrenzte Konkurrenz fürchten. Zwischen zwei Haltestellen mit einem Abstand von weniger als 50 Kilometern dürfen grundsätzlich keine Fernbusse verkehren. Dieses Verbot gilt auch für den Personennahverkehr der Bahn mit einer Reisezeit von unter einer Stunde.