E-Commerce

Gebrauchtwarenhändler Rebuy verdient erstmals Geld

Berliner Start-up erreicht Gewinnzone. Mit Millionen aus Frankreich geht es jetzt ins Ausland

Der Berliner Online-Gebrauchtwarenhändler Rebuy hat die Gewinnschwelle erreicht und zieht dabei mit dem heimischen Erzrivalen Momox gleich. Nach eigenen Angaben schloss das Start-up das vierte Quartal des vergangenen Geschäftsjahres mit einem Plus ab. Genauere Zahlen nennt das Unternehmen nicht. Rebuy-Chef Lawrence Leuschner hatte das Erreichen der Gewinnzone trotz der zum Wachstum nötigen hohen Marketingaufwendungen zum großen Ziel für 2012 erklärt. „Wir sind stolz, ein sehr schnell wachsendes Unternehmen gebaut zu haben, das bewiesen hat, dass es auch Gewinne erwirtschaften kann“, sagte er am Mittwoch.

Das 2005 als Plattform zum Handel mit gebrauchten Videospielen gegründete Unternehmen zählt heute nach eigenen Angaben 3,5Millionen Kunden. In seinem Logistikzentrum in Rudow beschäftigt Rebuy derzeit knapp 390 Mitarbeiter. Bis zum Jahresende sollen es deutlich mehr werden, Rebuy plant den Bau einer weiteren Halle.

Der sogenannte Re-Commerce gilt als lukrativer und umkämpfter Markt, nicht zuletzt weil die großen US-Portale Amazon und Ebay eingestiegen sind. Unternehmen wie Rebuy kaufen Gebrauchtes – Bücher, Mobiltelefone, Spiele oder Elektronikartikel –, polieren die Waren auf und verkaufen sie mit Gewinn weiter. Von Preisaufschlägen bis zu 40 Prozent ist die Rede.

Größter Konkurrent von Rebuy ist das ebenfalls in Berlin ansässige Start-up Momox. Das Unternehmen hatte Anfang Februar gemeldet, im vergangenen Jahr profitabel geworden zu sein, ebenfalls ohne Details zu nennen. Momox ist größer als Rebuy, erzielte 2012 einen Umsatz von 60Millionen Euro und beschäftigt 600Menschen in Berlin, Neuenhagen und Leipzig. Andere Anbieter sind WirKaufens, an dem unter anderem der Wachstumsfonds der Investitionslandesbank Brandenburg beteiligt ist, und der wesentlich von der Metro-Tochter MediaSaturn finanzierte Anbieter Flip4New, der mit Ebay zusammenarbeitet.

Wie Leuschner sagte, wuchs Rebuys Umsatz im vergangenen Jahr auf „mehr als 40 Millionen Euro“. Damit blieb das Unternehmen trotz eines beachtlichen Umsatzsprungs offenbar unter den ursprünglichen Erwartungen. Leuschner hatte für 2012 eigentlich ein Umsatzziel von 45 Millionen Euro ausgegeben. Das wäre im Vergleich zu 2011 (23 Millionen Euro) fast eine Verdoppelung gewesen. Im Vorjahr hatte Rebuy seinen Umsatz noch um 120 Prozent gesteigert.

Jetzt soll mithilfe eines neuen Investors das Wachstum wieder beschleunigt werden. Der französische Wagniskapitalfonds Iris Capital pumpt fünf Millionen Euro in das Unternehmen. Das Geld soll zu einem Großteil ins Marketing fließen, zugleich „wird es für die Vorbereitung der internationalen Ausrichtung verwendet“, teilte Rebuy mit, ohne Details zu nennen. Einen Ausblick für das laufende Jahr gab das Unternehmen nicht.

Zusammen mit der Iris-Investition haben Wagniskapitalgeber mittlerweile mehr als 15 Millionen Euro in das Unternehmen investiert, darunter SAP-Gründer Hasso Plattner über sein Investmentvehikel HP Ventures und der Schweizer Risikokapitalfonds Mountain Cleantech. Die Gesellschafter Maganam AG und The MediaLab werden von Iris abgelöst. Iris hat nach eigenen Angaben in den vergangenen 25 Jahren in über 200 Unternehmen mehr als 840 Millionen Euro investiert. „Gemeinsam mit dem MCFII, Hasso Plattner Ventures und Klaus Wecken bringt die Investorengruppe frisches Kapital in Rebuy ein, um das aktuell hohe Umsatzwachstum weiter zu beschleunigen“, teilte Mountain Cleantech mit.