Unternehmen

Zalando kann jetzt auch Luxus

Der Berliner Onlinehändler startet ein Internet-Portal für exklusive Mode. Kunden sollen auch aus Russland und dem arabischen Raum kommen

Den Jargon hat der Neuling schon mal gut drauf. Man richte sich an „urbane Connaisseure“ die Wert auf „individuellen Look“ legten und die „Key Pieces“ in einem eigenen Magazin in Augenschein nehmen können. Doch was da so in harmloser Tonlage des PR-Mode-Chi-Chis daherkommt, ist die lang erwartet Kampfansage. Zalando, seit kurzem mit dem offiziellen Siegel des Milliarden-Umsatzkonzerns versehen, lässt es jetzt unter dem Namen Emeza mit erlesenen und besonders teuren Fummeln richtig krachen.

Seit einigen Wochen hat Zalando einen Ableger für Luxusmode ins Netz gestellt. Bislang war es nur wenig mehr als eine Testversion, wo die „urbanen Connaisseure“ unter ziemlich wenigen Marken Handtaschen, Kleider, Blusen und Schmuck auswählen konnten. Jetzt werden die Regler in der Zalando-Zentrale in Prenzlauer Berg hochgeschoben. 120 Designer stehen mit Frühjahr- und Sommermode auf der Seite, darunter Marc Jacobs, Zac Posen oder DKNY.

Damit dreht sich ein weiteres Rädchen in der aggressiven Expansions-Maschine unter dem Zalando-Banner. Die Berliner Gründung des reichsten deutschen Internet-Trios – den Brüdern Marc, Oliver und Alexander Samwer – pflügt seit 2008 den Modehandel um. Unter dem Namen Zalando werden Schuhe, Kleidung und Accessiores in mittlerweile 14 europäische Länder verkauft. Dazu kommen Ableger in Lateinamerika (Dafiti), Russland (Lamoda) und der arabischen Welt (Namshi). Nun kommt das Luxus-Segment obendrauf – und das bleibt nicht auf Deutschland beschränkt.

Deutschland ist nicht genug

Dort müssen sich zunächst Portale wie Stylebop, mytheresa ode net-a-porter Sorgen machen. Die teilen sich bislang das Geschäft mit dem Luxusmoden-Onlinehandel. Allerdings beackern sie das Segment nicht so intensiv, das kein Platz mehr wäre. Denn wenn Rocket Internet, der Gründerkonzern der Samwer-Brüder, der hinter Zalando steht, loslegt, dann wollen sie Marktführer werden. Alles andere zählt nicht. Wo sie die Möglichkeit nicht sehen, lassen sie es sein.

Aber Deutschland oder Europa allein reicht Zalando und Rocket Internet ohnehin nicht. Der Blick geht längst viel weiter, Richtung Russland, arabischer Raum und Lateinamerika. Dort, wo die Wirtschaft schneller wächst und die Kauflust häufig noch ein wenig mehr.

Auf den jetzt offiziell verkündeten Start von Emeza haben in der Branche alle gewartet. Es ist ein weiterer Beweis dafür, wie weitreichend die Ambitionen der Samwers für Zalando sind. Anfangs schauten alle gebannt darauf, wie das Unternehmen mit viel Werbung und Marketing erst einen hohen Bekanntheitsgrad und dann immer mehr Kunden erreichte. Mit Schuhen fing es an, mittlerweile ist es längst Kleidung aller Art.

Zalando baut unter dem Namen Kiomi zudem eine starke Eigenmarke auf. Auch sind unter den tausenden Suchergebnissen, die Kunden auf der Zalando-Internetseite finden, eigene Schöpfungen, die Zign, Stups oder Twintip heißen. Unter dem Namen ZLabels hat Zalando ein eigenes Tochterunternehmen, dass sich um die hauseigenen Klamotten- und Schuhmarken kümmert. Zudem gibt es mit Zalando Premium, wo gehobenere Saisonware veräußert wird, längst einen potenziellen Rivalen für das italienische Online-Portal Yoox, das bislang den Lagerverkauf von Designerware der vergangenen Saison dominiert.

Die Lust auf Luxus bei Zalando und der Mutter Rocket Internet hatte sich schon Ende 2012 angedeutet. Die Samwer-Brüder fädelten damals ein Geschäft mit dem französischen Luxusmarken-Konzern PPR ein. Zu dessen Reich zählen beispielsweise Gucci und Alexander McQueen, aber auch Puma. Mit der für Samwer-Verhältnisse eher überschaubaren Summe von rund zehn Millionen Euro beteiligte sich PPR an einem Fonds, der die Anteile an den Zalando-Ablegern in Brasilien, Russland und dem arabischen Raum hält.

Zalando und seine Satelliten markieren eine Zeitenwende in der Strategie des ebenfalls noch recht jungen Berliner Samwer-Inkubators Rocket Internet. Ging es früher darum, eine gegründete Firma nach kurzer Zeit zu veräußern, verfolgt man bei Zalando offenbar eine etwas andere Linie. Allen Gerüchten um einen Börsengang zum Trotz wird viel Substanzwert geschaffen. Zalando verfügt beispielsweise über zwei große eigene Warenlager in Erfurt und Brieselang in Brandenburg, ein drittes entsteht gerade in der Nähe von Mönchengladbach. Dazu kommt der expansive Kurs bei Luxus- und Eigenmarken.

Zudem scheint der Verkaufs- oder Börsengangdruck nicht besonders hoch. Geld für Investitionen ist genug vorhanden. Ende 2012 zahlte zum Beispiel der schwedische Investmentkonzern Kinnevik knapp 300 Millionen Euro für zehn Prozent der Anteile an Zalando. Darüber hinaus ist Kinnevik mit gut einem Viertel an Rocket Internet beteiligt. Der Berliner Fließband-Firmengründer ist längst ein global operierender Konzern.

„Es ist unser Ziel, eine einzigartige Online-Destination für Luxusmode zu schaffen, indem wir einige der aufregendsten, internationalen Marken zugänglich machen“, sagt Emeza-Chef Remco van Zanten. „Zugänglich machen“ – das klingt ein wenig so, als würde hier ein Hilfsangebot gemacht. Es ist viel einfacher: Hier soll der – möglichst globale – Marktführer unter den Portalen für Luxusmode entstehen. Nicht weniger.