Private Haushalte

Italiener und Spanier reicher als Deutsche

Bundesbank ermittelt: Nettovermögen in der Bundesrepublik liegen unter denen der Euro-Krisenländer

Deutschland gilt als eine der wohlhabendsten Nationen im Euro-Raum. Zumindest beim privaten Nettovermögen haben die Deutschen aber im Vergleich mit anderen großen Euro-Ländern das Nachsehen. Das geht aus einer Studie über „Private Haushalte und ihre Finanzen hervor“, die die Bundesbank jetzt erstmals vorgelegt hat. Demnach liegt das durchschnittliche Nettovermögen, also das Vermögen von Privathaushalten abzüglich ihrer Verschuldung, in Deutschland bei 195.200 Euro und damit leicht unter dem Frankreichs mit 229.300 Euro oder Spaniens mit 285.800 Euro.

Noch größer sind die Unterschiede, wenn man das mittlere Vermögen betrachtet. Die Bundesbank berechnete es mit dem sogenannten Median. Dabei handelt es sich auch um einen Mittelwert, der aber auf andere Weise ermittelt wird als der herkömmliche Durchschnittswert, das arithmetische Mittel. Der Median wird dadurch weniger stark durch Ausreißerwerte nach oben und unten verzerrt. Besonders reiche oder arme Haushalte fallen also weniger ins Gewicht.

Zur Berechnung des Medians wurde eine repräsentative Auswahl der 40 Millionen Haushalte in Deutschland in einer Reihenfolge nach aufsteigendem Vermögen aufgereiht und die Gesamtzahl der Haushalte dann in zwei Hälften geteilt: Auf der einen Seite liegen die Haushalte mit einem Vermögen über dem Mittelwert, auf der anderen Seite Haushalte mit einem geringeren Vermögen.

Der Median des Nettovermögens liegt in Deutschland den Berechnungen zufolge bei 51.400 Euro. In Österreich beträgt der Medianwert nach Angaben der Notenbank 76.900 Euro, in Italien liegt er bei 163.900 Euro und in Spanien sogar bei 178.300 Euro. „Die meisten Haushalte, in Gesamtdeutschland rund 73 Prozent, haben ein ,unterdurchschnittliches‘ Nettovermögen“, heißt es in der Bundesbank-Studie. „Sowohl der Durchschnitt als auch der Median des Nettovermögens in Deutschland liegen damit niedriger als in anderen großen Ländern des Euro-Raums, für die es vergleichbare Angaben gibt.“

Dennoch ist bei der Interpretation der Zahlen Vorsicht angebracht. So sind die europäischen Daten nur schwer vergleichbar. So stammen die bisher verfügbaren Zahlen aus unterschiedlichen nationalen Studien, die noch dazu in unterschiedlichen Jahren erstellt wurden – die spanische Untersuchung etwa stammt von 2008, als von der Euro-Krise noch keine Rede war. Die deutsche Analyse beruht hingegen auf der repräsentativen Befragung von 3565 Haushalten 2010 und 2011.

Die Werte in Deutschland werden immer noch von den Folgen der Wiedervereinigung verzerrt. So liegt das mittlere Einkommen im Osten bei 21.400 Euro, im Westen bei 78.900 Euro je Haushalt. Das durchschnittliche Nettovermögen in Ostdeutschland beträgt 67.500 Euro, in Westdeutschland sind es 230.240 Euro. Zudem sind nach Angaben der Bundesbank in Deutschland nicht alle Vermögensansprüche der Haushalte erfasst wie etwa gegenüber der gesetzlichen Sozialversicherung. Damit aber würden für viele Haushalte „die meisten der Lebensrisiken und Grundbedürfnisse zumindest prinzipiell“ abgedeckt. Beispiele hierfür seien die gesetzliche Vorsorge für Alter, Arbeitslosigkeit oder Krankheit. Aber auch staatlich finanzierte Bildung an Schulen und Hochschulen falle darunter. Daneben sei die Neigung der Deutschen, Immobilien zu kaufen, vergleichsweise gering. In Spanien beispielsweise leben 83 Prozent der Haushalte in einer eigenen Immobilie, in Italien sind es 69 Prozent. In Deutschland besitzen 44,2 Prozent eine eigene Immobilie. In Ostdeutschland fällt der Wert mit 33,7 Prozent noch geringer aus.