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Gründerzentrum dringend gesucht

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Christina Brüning

Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer erkundet Standort Steglitz-Zehlendorf

Auf eine „Entdeckertour“ hatten Bezirk und Regionalmanagement in Steglitz-Zehlendorf die Wirtschaftssenatorin am Mittwoch eingeladen. Eine Fahrt zu „innovativen Firmen und wissenschaftlichen Einrichtungen“ im Südwesten war angekündigt, doch dass es nicht eigentlich um die einzelnen Unternehmen gehen sollte, wurde schnell deutlich. Bezirksbürgermeister Norbert Kopp (CDU) wünschte wohl vielmehr, seine Parteifreundin Cornelia Yzer möge bei ihrem Besuch den dringenden Bedarf des Bezirks für ein Gründer- und Technologiezentrum entdecken. Ganz zufällig traf Yzer bei jeder Station auf Fürsprecher dieser Idee.

Schon seit einigen Jahren wird darüber nachgedacht, in der Nähe zur Freien Universität, zu Max-Planck-Institut und Helmholtz-Gesellschaft ein Zentrum für junge Unternehmen aus dem Wissenschaftsbereich zu gründen. Vorbild dafür ist der erfolgreiche Standort in Adlershof. Bereits 2009 hat man sich in Steglitz-Zehlendorf dafür ein Objekt ausgeguckt, in dem sich ein Gründerzentrum verwirklichen ließe: das ehemalige amerikanische Krankenhaus an der Fabeckstraße. Ein Konzept für die 14.000 Quadratmeter Ansiedlungsfläche existiert seit 2010. Auch Interessenten gebe es zur Genüge, sagte Florian Seiff, Geschäftsführer des Innovations-Zentrums Berlin, einer landeseigenen Gesellschaft, die auch die Gründerzentren in Wedding, Charlottenburg und Adlershof betreibt. Rund 80 Start-up-Unternehmen könnten an der Fabeckstraße unterkommen. „Wir warten nur noch auf die entsprechenden politischen Entscheidungen“, sagte Seiff. Doch die ließen seit zwei Jahren auf sich warten.

Nach HU und TU brauche auch die FU ein Gründerzentrum in fußläufiger Nähe zu den führenden Wissenschaftseinrichtungen im Südwesten, argumentieren Seiff, Kopp und ihre Unterstützer bei Max-Planck-Institut, FU und Unternehmen. Gründerzentren seien Quellen neuer Arbeitsplätze und neuer Ideen. „Wenn Computerfritzen nur mit Computerfritzen herumsitzen, reden sie über Computer. Wenn sie in der gemeinsamen Cafeteria auf die Biofritzen treffen, reden sie über Bio-Computer“, erklärte Seiff.

Cornelia Yzer zeigte sich beeindruckt vom Standort, auch den Bedarf eines Technologiezentrums „als Inkubator für Ideen im Umfeld der FU“ erkannte sie. Versprechungen machte sie trotzdem keine. „Wer ein Technologiezentrum will, braucht ein Grundstück und Fördermittel, und mit beidem ist die Lage nicht so einfach“, sagte Yzer. An die nötigen regionalen Wirtschaftsfördergelder sei derzeit schwer zu kommen. Und das Grundstück an der Fabeckstraße, Eigentum der Charité, soll eigentlich für gut neun Millionen Euro verkauft werden. Auf das Geld müsste Berlin verzichten, wenn es im Landeseigentum bliebe. Davon müsse die Finanzverwaltung überzeugt werden, und auch das sei bei der aktuellen Neuordnung der Liegenschaftspolitik nicht einfach. „Aber ich werde das Bedürfnis deutlich machen“, sagte Yzer. Damit war Norbert Kopp schon einmal zufrieden. Eine Fürsprecherin mehr.