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Twitter will mit Berliner Start-up arbeiten

Mit SoundCloud kann Musik aus dem Netz gestreamt werden. Neue App soll Nutzern Bands empfehlen

Der Kurznachrichtendienst Twitter steht offenbar kurz davor, einen ersten Schritt in die Musikindustrie zu wagen. Wie das IT-Magazin „CNET“ unter Berufung auf eine vertrauliche Quelle berichtet, soll noch in diesem Monat eine App namens „Twitter Music“ für iOS, dem Apple-Betriebssystem für Mobilgeräte, verfügbar sein. Twitter will dabei mit dem Berliner Start-up SoundCloud zusammenarbeiten.

Popstars und Bands brechen in dem sozialen Netzwerk alle Rekorde, was die Anzahl ihrer Follower anbelangt. Selbst das Profil von „Twitter Music“, bislang nur dafür genutzt, um musikrelevante Kurznachrichten mit der Welt zu teilen, kommt auf beachtliche 2,3 Millionen Follower. Seit Start von Twitter haben Nutzer immer schon Tweets genutzt, um in die endlosen Weiten des Internets hinauszuzwitschern, was sie gerade hören und anderen Leuten empfehlen möchten. Diesen Gedanken greift Twitter nun auf.

„Twitter Music“ soll Nutzern Musik vorschlagen. Als Basis dient die Auswertung des eigenen Verhaltens im Netzwerk. Twitter berechnet anhand der Profile, denen man folgt, was einem gefallen könnte und bindet errechnete Vorschläge über eine SoundCloud-Schnittstelle oder Hörbeispiele von iTunes ein. Dass „Twitter Music“ auf die Musikplattform SoundCloud setzt, ist auch Anlass zur Skepsis. Der Dienst startete als Service für Musiker und Bands. Für einen Geldbetrag konnten diese dort eigene Musik hochladen und verbreiten. Viele große Plattenfirmen erachteten dieses Geschäftsmodell aber als nicht rentabel und hielten sich von dem Dienst fern.

Mittlerweile hat sich SoundCloud zwar als allgemeines Musiknetzwerk etabliert, monatlich nutzen laut eigenen Angaben mehr als 180 Millionen Menschen die Seite. Die Skepsis einiger Akteure der Musikbranche gegenüber dem einstigen Promotion-Netzwerk ist jedoch nicht vollends gewichen. Das wirkt sich auf das bereitstehende Repertoire aus.

Und auch die iTunes-Schnittstelle mag zwar praktisch sein, allerdings sind Hörproben keine ganzen Songs. Damit bliebe Twitter zwar nach Kurznachrichten und Kurzvideos dem eigenen Charakter treu, für den Nutzer werden einminütige Songschnipsel ohne richtigen Anfang und Ende aber wenig befriedigend sein. Auf dem IT-Portal AllThingsD.com wird das Gerücht verbreitet, „Twitter Music“ sei auch in der Lage, Musikvideos einzubinden. Angeblich sei eine Kooperation mit der Musikvideo-Webseite VEVO geplant.

Die Architektur der neuen App soll auf dem Dienst „We Are Hunted“ aufbauen. Twitter hatte das australische Start-Up jüngst aufgekauft. Deren App empfahl Musik auf der Grundlage von Blogs, sozialen Netzwerken und des Filesharing-Protokolls BitTorrent. Man konnte mit der App Playlisten kreieren und Songs in eigenen Netzwerken teilen – dieses Konzept möchte Twitter auf die eigene Plattform anwenden.

Laut „CNET“ soll die iOS-Anwendung dem Nutzer vier Möglichkeiten bieten, wie dem Nutzer Musik empfohlen wird: Er kann wählen, ob er sich populäre Künstler anzeigen lässt, die derzeit zu den Twitter-Trends gehören. Alternativ wird es auch eine Rubrik geben, die aufstrebenden Geheimtipps vorbehalten ist. Ansonsten vertraut „Twitter Music“ auf die plattformeigenen Mechanismen: Benutzen Leute, denen man folgt, das bereits weit verbreitete Hashtag #NowPlaying, liest es die App aus und schlägt einem die entsprechenden Songs vor. Und schließlich: Musik von Bands und Künstlern, denen man bereits auf Twitter folgt, wird ebenfalls automatisch empfohlen.