Personalien

Wohnungskonzern Gagfah wirbt GSW Chef Zinnöcker ab

Manager soll kriselnde Immobilienfirma sanieren

Überraschungscoup der Gagfah: Das kriselnde Wohnungsunternehmen hat der Berliner Konkurrentin GSW den Chef abgeworben. Thomas Zinnöcker soll den Chefsessel bei Gagfah in etwa vier Wochen übernehmen, wie die Berliner Morgenpost erfuhr. Sein Vertrag bei der GSW wird wohl zum 15. April aufgelöst. Der Aufsichtsrat muss dem noch zustimmen. Die beiden Unternehmen wollten sich zu dem Wechsel nicht äußern. Zinnöcker hatte die GSW 2010 an die Börse gebracht. Der Ausgabepreis der Aktie lag bei 19 Euro, inzwischen notiert das Papier bei mehr als 30 Euro. Zudem gibt es Dividenden. Mit fast 60.000 Einheiten zählt die GSW heute zu den größten börsennotierten Wohnungsgesellschaften in Deutschland und wächst weiter.

Zinnöcker soll die Gagfah auf Vordermann bringen, die ungleich größer ist als die GSW. Gagfahs Ruf hat am Kapitalmarkt und in der Öffentlichkeit gelitten. Immer wieder gibt es Berichte über den schlechten Zustand der Wohnungen, weil sich Mehrheitseigner Fortress, ein US-Finanzinvestor, über Jahre üppige Quartalsdividenden gönnte und dabei nach Ansicht von Kritikern das Geld für Investitionen abzog. Zudem drücken den Konzern hohe Schulden. Den Verkauf seiner 38.000 Wohnungen in Dresden konnte das Unternehmen unlängst abwenden, weil sich eine Bank zur Refinanzierung der darauf lastenden milliardenschweren Verbindlichkeiten fand, doch auch auf Konzernebene laufen dieses Jahr Darlehen aus.

Wer bei der GSW auf Zinnöcker folgt, ist offenbar offen. Das „Manager Magazin“ berichtete, als Nachfolger werde der Ex-Finanzvorstand des Büroimmobilienkonzerns IVG, Bernd Kottmann, gehandelt. Dieser gelte als Vertrauter von GSW-Aufsichtsratschef Eckart John von Freyend. Andere halten allerdings auch eine GSW-interne Lösung für möglich, schließlich sei die IVG-Vergangenheit Kottmanns kein Ruhmesblatt. Der Bonner Konzern hatte in der Finanzkrise wegen teurer Projektentwicklungen und hoher Schulden vor dem Abgrund gestanden und schreibt noch immer Verluste.